Theorien der Literaturwissenschaft

Jörg
Schönert
Hamburg

Theorie der (literarischen) Satire

Ein funktionales Modell zur Beschreibung von Textstruktur und kommunikativer Wirkung

Vorwort

Primär verfolge ich mit diesem Beitrag ein theorie- und fachgeschichtliches Ziel: Dokumentiert werden soll, wie in den späten 1960er und im Laufe der 1970er Jahre in der deutschsprachigen Literaturwissenschaft für den lange vernachlässigten Gegenstandsbereich ›Theorie und Geschichte der Satire‹ der Anschluss an die internationale Diskussion gesucht und hergestellt wird. Wichtige Vorgaben erfolgten dabei aus den seinerzeit intensiv geführten Diskussionen zur strukturalistischen, semiotischen und kommunikationstheoretischen, Begründung literaturwissenschaftlicher Interessen und Verfahrensweisen. Als Bilanz dieser innovativen Unternehmungen habe ich 1980 das hier erstmals publizierte Theorie-Modell im Zusammenhang mit meinen Lehrveranstaltungen zur Satire an der Universität München (1978/79) ausgearbeitet – in Kooperation mit Emma Rottenmoser (und gestützt auf ihre Magistra-Arbeit »Struktur und Funktion der Satire. Satiretheorie im Rahmen eines semiotisch-strukturalistischen Ansatzes und seiner Anwendung auf Lenzens Hofmeister«, 1980 vorgelegt der Philosophischen Fakultät der Universität München).1 Es gründet sich auf literatursemiotische Annahmen und ein autorintentionales Interpretationskonzept.2 Da ich unser gemeinsam erstelltes Typoskript (ca. 60 Seiten) als ›unveröffentlicht‹ in meinem Publikationsverzeichnis aufgeführt hatte, ist es in diesem Status in den zurückliegenden 30 Jahren wiederholt daran interessierten Literaturwissenschaftler/innen zur Einsicht überlassen worden, so dass von Fall zu Fall seine Wirkungsspuren zu verfolgen wären.3

Seit den 1980er Jahren hat sich die Diskussion zur Satire-Theorie in der Germanistik konsolidiert4 und in Anwendungen auf unterschiedliche literarhistorische Konstellationen produktiv entwickelt;5 weniger sind für mich konzeptionell markante literaturtheoretische Neuerungen zu erkennen.6 Aus dem Dialog mit Burkhard Meyer-Sickendiek, der von der Redaktion Textpraxis um ein Gutachten zu meinem Beitrag gebeten wurde, zitiere ich hier seine Einschätzung der jüngeren Entwicklungen, die dagegen auf wichtige Neuerungen verweist:7

Bemerkenswert ist etwa der seit den 1990er Jahren zunehmend unternommene Versuch, konversationstheoretische bzw. genuin rhetorische Kategorien zur Deutung satirischer Texte heranzuziehen und fruchtbar zu machen. Dustin Griffin etwa berief sich auf die am New Criticism orientierte Satiretheorie der »Yale-School«, um so das Satirische vom Verdikt des Kunstlosen zu befreien und als rhetorische Kunst zu begreifen, und nennt »Inquiry and Provocation« bzw. »Display and Play« als Aspekte satirischer Rhetorik.8 Ähnlich definierte Andreas Mahler die satirische Rhetorik im Anschluss an die Konversationstheorie von Grice als »eine Konversationsmaximen absichtlich verletzende, unaufrichtige, aber in ihrer Unaufrichtigkeit vom Hörer gleichwohl durchschaute Sprechhandlung«.9 Mahler illustrierte in seiner Satiretheorie also vor allem den impliziten Charakter der satirischen Rhetorik im Sinne der ironischen dissimulatio. Demnach sind die vier Hauptaspekte der Ironie-Definition in der Rhetorik – »(a) das Gegenteil von dem zu sagen, was man meint; (b) etwas anderes zu sagen, als man meint; (c) tadeln durch falsches Lob und Lob durch vorgeblichen Tadel; (d) jede Art des sich Lustig-machens und Spottens«10 – zentrale Merkmale satirischer Texte.

Neben der Ironie, die z.B. im satirischen Lobgedicht (Enkomion) schon bei Georgias, Isokrates oder Erasmus vorliegt, sind aber auch Tropen wie Sarkasmus, Asteismus, Hyperbole, Ethopoeie, Prosopopoeie, Sermocinatio, Parodie, Allegorie oder Allusion zur Differenzierung satirischer Schreibverfahren hinzugezogen worden.11 Diese Redefiguren konstituieren im Medium des satirischen Textes Stil- bzw. Darstellungsprinzipien: Sarkasmus ist ein Kennzeichen der Satiren Lukians, später auch bei Swift, in Deutschland vor allem bei Heine, Kraus oder Tucholsky,12 Asteismus als ›fine raillery‹ (feine Stichelei) prägt die an Horaz’ urbanem Witz orientierte Satire Popes oder Johnsons,13 Hyperbolismus kennzeichnet die groteske Satire bei Rabelais, Gogol oder Thomas Bernhard,14 die Ethopoeie prägt seit Theophrast die Typen- oder Gelehrtensatire,15 die Sermocinatio ist ein Prinzip der Dialogsatiren Lukians, Ulrich von Huttens16 oder Diderots, die Parodie ist Prinzip der Literatursatire etwa in Cervantes’ Don Quichotte.17

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1. Probleme der Satire-Theorie

Schon in den 1970er und 1980er Jahren sind in der Germanistik, Anglistik und Romanistik wichtige Ansätze und Modelle zu einer Theorie der Satire vorgelegt worden.18 Dabei ist es jedoch weder gelungen, eine voll befriedigende und verständliche ›one-sentence-definition‹ zu formulieren,19 noch eine komplexe Beschreibung zu entwickeln, die allen historischen Phänomenen von Satire (ausgewiesen durch Anspruch und Einschätzung als Satire) gerecht wird. Zum einen werden allgemeine Definitionen und Theoriebildungen zumeist vom konkreten Untersuchungszusammenhang eines historisch begrenzten Textkorpus aus gewonnen; sie tendieren dazu, den vorgefundenen historischen Zustand normativ zu setzen.20 Zum anderen werden Definitionen, die systematisch erschlossen sind oder alle historischen Phänomene erfassen wollen, so allgemein gefasst, dass die Abgrenzung zu anderen literarischen Verfahren nicht mehr eindeutig und zuverlässig gelingt. Das hier vorgestellte Modell ist der Forschung der 1970er/80er Jahre in Perspektiven, Kategorien und Ergebnissen vielfach verpflichtet. Sie sind in das Modell eingegangen – aufgenommen, abgewandelt und ergänzt in einem weitgefassten systematischen Beschreibungszusammenhang, den es in Anspruch und methodischer Begründung kurz zu erläutern gilt.

Zunächst führt eine Übersicht zu den wichtigsten Problemen im Forschungsstand der Satire-Theorie zum Entwurf des eigenen Modells, das dann durch Abgrenzung zu den Positionen anderer Autoren und durch Diskussion im Detail näher erläutert wird. Dieser Doppelschritt bringt einzelne Wiederholungen mit sich, doch soll er es möglich machen, im ersten Teil des Beitrags das Modell in einem übersichtlichen Zusammenhang vorzustellen, ohne sofort alle Implikationen der Perspektiven und Begriffe erklären zu müssen. Dies leisten dann die Abschnitte 3 und 4. Das hier vorgelegte theoretische Konzept ist in der Auseinandersetzung mit der Tradition und den Texten der satirischen Literatur entwickelt worden. In der Darstellung wurde jedoch auf Textbeispiele verzichtet, um nicht die Vorgaben für den Umfang des Beitrags maßlos zu überschreiten. Möglichkeiten, das Modell für die Beschreibung historischer Entwicklungen anzuwenden und zu erweitern, werden im Abschnitt 5 in exemplarischen Aspekten aufgewiesen. Der methodische Ansatz geht in Anlehnung an Ulrich Gaier und Klaus W. Hempfer davon aus, dass der umgangssprachliche Begriff ›Satire‹ differenziert werden muss in eine terminologische Invariante der Textkonstitution, das Satirische (die ›satirische Schreibweise‹)21 und in ihre historisch variablen Konkretisationen, die Satiren.22 Invarianz des Satirischen ergibt sich unter doppelter Perspektive: zum einen durch die Rekurrenz bestimmter Konstellationen im Traditionszusammenhang derjenigen Texte, die sich als ›satirische‹ ausgaben und verstanden wurden, zum anderen durch die Positionsbestimmung solcher Konstellationen in einem (historisch nicht gebundenen) poetologischen System. Satiren dagegen sind literarische Texte zur Grundlegung von unterschiedlichen Kommunikationshandlungen, die in ihrer Intentionalität dominant durch die satirische Schreibweise geprägt sind.

Als weitere Voraussetzung für die Theoriebildung ist festzuhalten, dass in der Realisierung satirischer Intentionalität – als dynamischem Prinzip der Schreibweise – literarische Texte konstruiert werden, das heißt Texte nach ›ästhetischen Verfahren‹ oder – im Sinne der Semiotik – (Sprachzeichen-)Texte mit dem Status ›poetisch‹.23 Die mündlichen satirischen Kommunikationshandlungen, die sich in ihrem kommunikativen Gehalt nicht vollständig ›verschriftlichen‹ lassen, bleiben zur Vereinfachung des Theorie-Ansatzes außerhalb unserer Betrachtung. Ebenso wird darauf verzichtet, das Modell in seiner (prinzipiell gegebenen) Übertragbarkeit auf nicht-sprachliche Kommunikationshandlungen zu erproben.24

Ein Modell zur theoretischen Beschreibung der Satire als einer Handlung literarischer Kommunikation schließt die Abgrenzung zu anderen ›Schreibweisen‹ (als Strukturprinzipien literarischer Kommunikation) ein. Um die spezifische Pragmatik der Schreibweise bestimmen zu können, ist das Zusammenwirken der schreibweise-konstitutiven Komponenten im Hinblick auf ihre kommunikativen Funktionen festzulegen.25 Das Modell soll dazu führen, die prinzipiellen Aspekte satirischer Kommunikationshandlungen im Bezug auf die dazu erstellten Texte auffinden, beschreiben und in den unterschiedlichen Realisationen diskutieren zu können.26 Dabei gilt eine doppelte Blickrichtung: Die Relationen zwischen den konstitutiven Merkmalen der satirischen Schreibweise werden zum einen in ihrer Bedeutung für die Struktur der literarischen Texte (als der Basis der Kommunikationshandlung) dargestellt, zum anderen in ihrer organisierenden Wirkung für den symbolischen Handlungszusammenhang zwischen Autor und Rezipient27 (im Sinne der intendierten Pragmatik).28

Es ist kennzeichnend für die Zweckorientierung der satirischen Mitteilung, dass textuelles System und außertextuelle Gegebenheiten ständig aufeinander bezogen sind. Satirische Kommunikation ist im Verständnis ihrer konventionalisierten Vorgaben so angelegt, dass durch den permanenten Verweis auf ein außersprachliches Gegebenes und dessen interessengesteuerte Interpretation29 der Kommunikationsablauf zu Einstellungsänderungen und lebenspraktischen Handlungen führen kann. Die zweckorientierte Funktion ›konditioniert‹ mehr als bei anderen Schreibweisen die Textbildung,30 sie wird in der Struktur des literarischen Textes durchgehend vermittelt.

Die modell-bestimmten Beschreibungsverfahren setzen bei der Textstruktur an, nicht beim übergreifenden Zusammenhang für literarische Kommunikation in gesellschaftlicher Praxis. Diese Praxis wird geregelt durch Vorgaben der literarischen Tradition, über die man sich im Rahmen der Institutionen des Literatursystems verständigt.31 Für satirische Kommunikationshandlungen werden Konventionen und Sanktionen (z. B. Zensur) festgelegt,32 bestimmte Medien und Darstellungsverfahren privilegiert, Rollenbilder für den Satiriker und sein Publikum entwickelt und zur Kennzeichnung satirischer Intentionalität ausgewiesen (vgl. Abb. 6). Solche Vorgänge der Konventionalisierung und Institutionalisierung schaffen in der historischen Entwicklung den Rahmen, innerhalb dessen das Texte-Korpus bestimmt werden kann, das für die systematische Beschreibung der satirischen Schreibweise zu Grunde zu legen ist.33

Obwohl die Verfahren zur Organisation der satirischen Kommunikation in der Lebenspraxis historisch variabel sind, lassen sie sich auf Grundbedingungen zurückführen, die ihrerseits auf die strukturellen Konstanten in der Intentionalität satirischer Schreibweise zu beziehen sind. Ziel des hier gewählten Vorgehens ist, dass der historisch zu beobachtende Funktionswandel von Satire durch Veränderungen in ideengeschichtlichen und gesellschaftlichen Konstellationen innerhalb des hier zu beschreibenden Potentials der satirischen Schreibweise (vgl. in Abb. 3 die ›Ebene der Tiefenstruktur‹) bleibt und sich dadurch beschreiben lässt, dass bestimmte Relationen betont oder vernachlässigt werden.34 Das Modell soll nicht nur Kategorien für Beschreibung und Analyse satirischer Texte benennen, sondern auch den Rahmen für die Diskussion der konkreten Rezeption satirischer Texte und der historischen Veränderungen in den Kommunikationsbedingungen für Satire erstellen. Für solche weiterführenden Fragestellungen ist die literaturwissenschaftliche Perspektive allerdings durch sozialwissenschaftliche Verfahren wie der Sozialpsychologie und der Kommunikationsforschung zu erweitern.

Als erstes Fazit der literaturtheoretischen Vorüberlegungen sei festgehalten:
Satirische Kommunikation ist innerhalb der institutionalisierten Handlungen literarischer Kommunikation durch eine besondere Funktionalisierung von textuellem System und außertextuellen Bezügen gekennzeichnet, die für die Textstruktur Relevanz hat. Sie lässt sich im Hinblick auf die spezifische Interaktion von prinzipiellen Elementen der literarischen Kommunikation (Autor, Gegenstand, Rezipient, Normbezug) beschreiben und ist in der Lebenspraxis durch eine besondere Einstellung der Individuen gekennzeichnet, die am Kommunikationsprozess beteiligt sind. Die systematische Beschreibung dieser Interaktionen liefert ein Raster, mit dessen Hilfe sich sowohl die Texte (als Grundlage der Kommunikationshandlungen) und die Kommunikationsabläufe (mit ihren Intentionen und Wirkungen) als auch unterschiedliche Konstellationen in der Gleichzeitigkeit sozialer Kontexte und in den historischen Entwicklungen analysieren lassen.

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2. Entwurf des Beschreibungsmodells

Ziel dieses Beschreibungsmodells ist es, durch die Doppelperspektive von Funktion und Struktur die spezifische pragmatische Umsetzung der satirischen Schreibweise in der Textstruktur zu diskutieren. Ein Strukturmodell (wie es sowohl Hempfer als auch Hantsch entwickelten), das zur Beschreibung der »Relation der Textformanten untereinander und zur Aufdeckung ihres Systemcharakters«35 bestimmt wird, reicht nicht dazu aus, die Zweckgerichtetheit der Satire vollständig zu erfassen. Wo sich (wie bei den beiden Autoren) das primäre Erkenntnisinteresse auf ein »Texterzeugungsmodell«36 konzentriert, ist ein Problem darin zu sehen, dass bestimmte Elemente von ›Satire‹ nicht integriert werden können.

Hempfer hat das Problem der spezifischen Pragmatik auf einer Ebene angesetzt, die nicht mehr in sein Strukturmodell gehört, sondern in den Transformationsbereich, der aber nur an konkreten Texten nachzuweisen und nicht mehr systematisch abzuleiten ist. Hantsch dagegen behandelt die spezifische Pragmatik und die Ebene der ›Strategie‹ explizit, kann sie jedoch nicht vollständig in ihr Strukturmodell integrieren. Geht man davon aus, dass ›Satire‹ in der Pragmatik dominant durch Zweckgerichtetheit gekennzeichnet ist, dann muss dieser Aspekt so einbezogen sein, dass auch konstitutive Merkmale für die Texterzeugung erstellt werden können. Diese Merkmale sind ebenfalls strukturbildend, sie sind jedoch oberhalb der ›Tiefenstruktur‹ der Schreibweise anzusetzen. Diese ›höhere Ebene‹ wird als heuristisches Konstrukt der ›Strategie-Ebene‹ in unser Beschreibungsmodell eingeführt: Der kennzeichnende Wirklichkeitsbezug der satirischen Schreibweise ist intentional in der Tiefenstruktur verankert und wird in der Struktur der Strategie-Ebene entfaltet.37 Eine Strategie-Ebene lässt sich für alle literarischen Texte ansetzen, doch ist sie für satirische Texte unter dem Aspekt ihrer besonderen Pragmatik in einer charakteristischen Konstellation angelegt. In der Theorie der satirischen Schreibweise muss das Interesse also sowohl auf ein Texterzeugungsmodell als auch auf ein Textverwendungsmodell gerichtet sein, das vom pragmatischen Paradigma ausgeht.38 Unser Beschreibungsmodell wird deshalb auf drei Ebenen erschlossen:

(1) Auf der Ebene der Tiefenstruktur mit den historisch invarianten Konstituenten der satirischen Schreibweise. (2) Auf der Strategie-Ebene; hier ergeben sich spezifische Interaktionen der konstitutiven Merkmale von Satire im Sinne der Intentionalität satirischer Schreibweise. Die Realisierung dieser Strukturen ist jedoch variabel, sie ist abhängig von den historischen Bedingungen der jeweiligen Kommunikationssituation. (3) Auf der Repräsentanz-Ebene, auf der die Konstellationen von Tiefenstruktur und Strategie im sprachlich-stilistischen Erscheinungsbild der Textgestaltung individuell umgesetzt werden.

Die Vorgaben der Tiefenstruktur sind konstant, ebenso sind es – in der funktionalen Logik, nicht in der Konkretisation – die Interaktionen auf der Strategie-Ebene. Auf der Repräsentanz-Ebene ergibt sich – kontrolliert von den Vorgaben der beiden anderen Ebenen – eine relativ große Variabilität an ›Oberflächenphänomenen‹ der satirischen Schreibweise. In der Textgestaltung sind satirische Texte von anderen Texten (beispielsweise komischen oder parodistischen) oft nicht zu unterscheiden. Stilistische oder formal-phänomenologische Verfahren der Satire-Bestimmungen im Sinne der Inventarisierung von ›Oberflächenphänomenen‹ laufen deshalb leer; systematische Abgrenzungen müssen durch Rekurs auf die Ebenen der Strategie und der Tiefenstruktur getroffen werden.

Abb. 1: Modellstruktur

Die entscheidenden Bedingungen für die Eingrenzung ›satirisch‹ innerhalb der Handlungen literarischer Kommunikation ergeben sich durch die schreibweise-konstitutiven Merkmale der Tiefenstruktur und durch die Struktur der Interaktionen auf der Strategie-Ebene.39

2.1. Die Ebene der Tiefenstruktur

Hier sind die schreibweise-spezifischen Textformanten angelegt,40 die auf dieser Ebene das Satirische konstituieren. Zu den konstitutiven Merkmalen zählen die Entscheidung zugunsten der höherwertigen Gegennorm, die tendenziös-einseitige Vermittlung dieser Gegennorm unter Kritik und Ablehnung der Objektnorm, die Zweckgerichtetheit in der Pragmatik der satirischen Schreibweise und damit verbunden die Funktionalisierung des ästhetischen Objekts nach dem Prinzip der aggressiven Entstellung bei der Abbildung des Objekts bzw. des Objektbereichs in der Textwelt. Wenn hier im Folgenden für dieses Verfahren als verkürzende Sprachregelung der Terminus ›a-mimetisch‹ eingesetzt wird, ist damit nicht die Festlegung auf den ›nennend-implizierenden‹ Wirklichkeitsbezug gemeint, wie sie Hempfer vollzieht. Auch darstellende (im engeren Sinne ›mimetische‹) Verfahren sind einbezogen.41 Entscheidend ist das Moment der aggressiven Entstellung des Objekts zugunsten eines Ziels, unter dem sich auch ›Aggression‹ bestimmen lässt: nämlich »negativ wertende kritische Energie« freizusetzen.42 Nur wenn alle diese Aspekte textuell realisiert sind, kann von satirischer Schreibweise gesprochen werden.

In der Tiefenstruktur erfolgt die Wahl der primären Schreibweise, denn die satirische Schreibweise (als sekundäre Schreibweise)43 kann sich nur in Überlagerung mit einer primären Schreibweise zur ›Schreibweise‹ formieren.44 Dabei ist zu berücksichtigen, dass die oben genannten konstitutiven und konstanten Merkmale auch bei anderen Schreibweisen auftreten können, doch in ihrer charakteristischen Verbindung die satirische Schreibweise in der Tiefenstruktur bestimmen. In dieser Zuordnung erscheinen sie als »Basisannahme«45 für diverse satirische Gattungstypen oder Genres. Das dominante Merkmal der Satire ist dabei die tendenziöse Entscheidung zugunsten der höherwertigen Gegennorm, die durchgehend die Texterzeugung bestimmt. Bereits in der Tiefenstruktur geht ein, dass die satirische Schreibweise von einer spezifischen Pragmatik gekennzeichnet ist: Der Autor will beim Rezipienten Zustimmung erreichen für seine literarisch vermittelte Aggression gegenüber bestimmten Objekten oder Erfahrungen der gemeinsamen oder konkret rekonstruierbaren Lebenspraxis.

Satirische Aggression ist also zielgerichtet: Sie gilt der Negativierung des Satire-Objekts und seiner Objektnorm;46 sie orientiert sich an der Höherwertigkeit der Gegennorm. Die literarische Satire-Kommunikation verfolgt einen bestimmten Zweck: Ihre Leistung – der Aufbau einer ›Textwelt‹ (der ›Objekt-Abbilder‹) – wird funktionalisiert im Sinne der Kritik und Aggression gegenüber der empirischen Umwelt. Diese Zielgerichtetheit bestimmt die Pragmatik der satirischen Mitteilung in besonderer Weise. Hiermit ist freilich nur eine graduelle Unterscheidung gegenüber anderen Verfahren literarischer Kommunikation bezeichnet; sie ist zur Abgrenzung der satirischen Schreibweise mit den anderen Merkmalen der Tiefenstruktur zu verbinden. Damit wird eingelöst, was J. N. Schmidt für die Pragmatik der satirischen Schreibweise kennzeichnet: Satire sei »eingespannt zwischen eine Vielzahl literarischer und außerliterarischer Bezüge, wobei dies für jede Art von Literatur gilt, die Satire sich nach Maßgabe und Art dieser Bezüge definiert«.47 Das bedeutet, dass in die textuelle Struktur in besonderer Weise außertextuelle Bedingungen und Aspekte der Pragmatik eingehen. Fasst man den literarischen und damit auch den satirischen Text als ›Zeichen‹ im semiotischen Sinn auf, so wird der Text zum Bedeutungsträger durch bestimmte Selektions- und Kombinationsverfahren aus dem kulturell vorgegebenen Zeichensystem.

Jedes sprachliche Einzelzeichen, das in das Werk integriert wird, hat eine doppelte Funktion: es verweist als potentieller Bedeutungsträger den Leser auf eine außerliterarische Wirklichkeit, die es ›bezeichnet‹; zum anderen erhält es für den Leser Bedeutung durch seine spezifische Funktion im Bedeutungszusammenhang des Werkes, in dessen Struktur als ästhetischem Objekt. Dabei ist nun zu beachten, dass die zweite Bedeutungsrichtung die erste bricht. Sie biegt jede Einzelaussage in ihrer Gerichtetheit auf vorgegebene Wirklichkeit auf das Werk selbst zurück und tritt erst über dessen Gesamtstruktur wieder in Bezug zur Außenwirklichkeit.48

Das literarische Werk kann somit als Zeichen gelten: als ein aus sprachlichen Zeichen zusammengesetztes komplexes Zeichen mit ästhetischer Funktion.49

Sind literatursatirische Texte vom semiotischen Status her zunächst durch die ästhetische (poetische) Funktion bestimmt, so ergibt sich im Sinne der Intentionalität der satirischen Schreibweise eine zusätzliche Akzentuierung zugunsten appellativer Funktionen: Die Konstruktion des Textes ist so angelegt, dass sie zunächst auf sich selbst verweist – auf das sie bestimmende Prinzip der a-mimetischen Abbildung, gegebenenfalls auch auf die Konventionen und Traditionszusammenhänge, die dieses Verfahren rechtfertigen.50 Doch gerade durch diese besondere Organisation der Textwelt wird zugleich aggressive oder kritische Energie gegenüber dem abgebildeten Objekt entwickelt, wobei der Rezipient zur Übernahme der Einstellung des Autors, zur Teilhabe an dieser Energie bewogen und für die Bestätigung oder Akzeptanz der Gegennorm gewonnen werden soll.

Zu diesem Zweck manifestiert sich die grundsätzliche Doppelfunktion des poetischen Zeichens – die Spannung zwischen dem Verweis auf außertextuelle Wirklichkeit und deren ›Brechung‹ im Bedeutungszusammenhang des ästhetischen Objekts – in der Satire in einer schreibweise-spezifischen Relation und Abhängigkeit.51 Die Thematisierung dieses Wirklichkeitsbezugs im Bild des satirischen (Zerr-)Spiegels gehört neben Aussagen zur intendierten Wirkung (strafen, bessern, heilen, belehren, abschrecken) zum Bestand der Konventionen, die satirische Kommunikation in der sozialen Realität verankern.52 Das Prinzip der a-mimetischen Darstellung bezeichnet wiederum keine klassifikatorische Unterscheidung zu anderen Verfahren literarischer Kommunikation, sondern markiert in seiner Geltung eine graduelle Differenz. Sie begründet die satirische Schreibweise durch die kritische oder aggressive Funktionalisierung der Darstellung in der Spannung zwischen abzulehnender Objektnorm und positiver Gegennorm.

Diese Spannung ist bereits in der Tiefenstruktur eingebracht und soll in der ›Tendenz‹ der Kommunikationshandlung zugunsten der Durchsetzung der Gegennorm aufgelöst werden. Noch mehr als in anderen Handlungen literarischer Kommunikation hängt in der satirischen Kommunikation das Gelingen der intendierten Handlung, der erfolgreiche Vollzug der kommunikativen Aktion, von der Einstellung des Rezipienten ab. Die satirische Mitteilung ist in Struktur und Funktion so angelegt, dass in jedem Schritt nicht nur die Bedeutung, sondern zugleich auch die Tendenz der Mitteilung vom Rezipienten (re-)konstruiert werden soll. Dabei wird die negativ zu bewertende Realität im Objekt-Abbild auf kritische oder aggressive Weise sichtbar gemacht – im ständigen Rekurs auf die Sicht des Rezipienten und auf mögliche Folgen für dessen Lebenspraxis. Der Rezipient soll deshalb nicht nur die Objekt-Referenz des Textes nachvollziehen, er soll auch die mit der Darstellung des Objektbereichs verbundenen Bewertungen im Sinne des Autors umsetzen: in Erkenntnisprozesse zur Bestätigung oder Veränderung von Einstellungen, gegebenenfalls auch zu konkreten Handlungen, die dazu helfen, die Geltung der abzulehnenden Objektnorm einzuschränken und den Anspruch der Gegennorm zu erweitern.

In dieser Zweckgerichtetheit ist Satire durch konstitutive Rückbindung an das Kommunikationsziel und den intendierten Rezipientenkreis funktional bestimmt. Diese Funktionalität soll nun in ihrer Relevanz für die Textstruktur auf der Strategie-Ebene verfolgt werden. Vorgeschaltet ist den Überlegungen ein Exkurs zu ›sekundären Schreibweisen‹.

Exkurs zu ›sekundären Schreibweisen‹

Die Bestimmung der satirischen Schreibweise als Überlagerung einer primären und sekundären Schreibweise in der Tiefenstruktur der Texte fordert dazu auf, die Erscheinungsformen der Schreibweisen gegeneinander abzugrenzen. Hempfer leistet dies für die primären Schreibweisen (narrativ/dramatisch), für die sekundären belässt er es bei Andeutungen.53 Auch hier kann kein schlüssiger Entwurf zu einer ›Systematik sekundärer Schreibweisen‹ vorgestellt werden. Das nachstehende Schema ist als ein erster Versuch zu betrachten, aus der Kombination der funktionalen Akzentuierung poetischer Texte und aus dem Bezug der Normensysteme von Objektwelt und Fiktionswelt (als dem konstitutiven Moment der Text-Wirklichkeitsrelation) vorläufige Abgrenzungen zu entwickeln. Das Schema geht davon aus, dass sich aus den jeweils unterschiedlich angelegten Normbezügen wesentliche Aussagen über den Fiktionstyp der Texte treffen lassen.

Als Aspekte der Normenkonstitution in der Textwelt werden eingesetzt: Die Übernahme des Normensystems der Objektwelt (im wesentlichen soziale Normen); die Vertauschung von positiver Normativität und negativem Gegenbild in der Fiktion; der Aufbau einer Spannung zwischen negativiertem Normensystem der Objektwelt und positiver Gegenbildlichkeit; die spannungsfreie Aufhebung des Normensystems der Objektwelt durch ein fiktives, nicht weiter begründetes Normensystem.

Die Bezeichnungen innerhalb des Schemas sind zunächst als vorläufige eingesetzt, um die Möglichkeiten dieser Systematisierung zu erproben. Für die kennzeichnenden Attribute zu den sekundären Schreibweisen wurden traditionelle Begriffe für Darstellungsverfahren mit unterschiedlicher Reichweite eingesetzt. Die Charakterisierungen der Schreibweisen erfolgen erst einmal versuchsweise.

Abb. 2: Typologie zu ›sekundären Schreibweisen‹

Die unterschiedlichen sekundären Schreibweisen sind noch kurz zu erläutern. Wir beschränken uns dabei auf die sekundären Schreibweisen, deren Zuordnung zu den Aspekten des Schemas als diskussionswürdig gelten könnte.

  • Didaktische Schreibweise: Hier wäre vor allem mit Texten weltanschaulicher oder politisch engagierter Literatur zu rechnen. Die Schreibweise ist so angelegt, dass die Gültigkeit des textuellen Normsystems auch für die angesprochene Objekte angesetzt wird, ohne auf mögliche ›Widerstände‹ aus der Objektwelt einzugehen – es sei denn, dass diese aus taktischen Gründen konstruiert würden.
  • Utopische Schreibweise: Nur in Überlagerung mit satirischer oder phantastischer Schreibweise erscheint die Negativität der Objektwelt in der textuellen Konstruktion. In der Regel wird die Durchsetzbarkeit des textuellen Normsystems angenommen und appellativ dargelegt.
  • Absurde Schreibweise (Schreibweise des Absurden): Bezieht sich hier auf die Konstellation, dass in der Fiktionswelt die für den dargestellten Objektbereich geltenden Kausalitäten und normativen Bedingungen ›spielerisch‹ oder mit ›Tiefsinn‹ aufgehoben werden (vgl. für literarische Realisierungen beispielsweise die Literatur des Dadaismus).
  • Kritische Schreibweise: Von dem Normsystem der Objektwelt wird auch in dem Abbild der Fiktion ausgegangen, in der Abbildung wird es jedoch durch Bezug auf eine explizite oder implizite Gegennorm in Frage gestellt; für die Abbildungsweise gilt das mimetische Prinzip.
  • Phantastische Schreibweise: Das textuelle Normsystem ist primärer Bezugspunkt der Darstellung, die Abweichung zum Normensystem der empirischen Objektwelt wird jedoch mitgestaltet. Es erfolgt kein Appell zur Durchsetzung des textuellen Systems im außertextuellen Bereich, das Normsystem ›genügt sich selbst‹.
  • Parodistische Schreibweise: In jedem Schritt der Vertauschung zwischen dem eigentlichen Abbild des Objekts (im Sinne einer Positivierung seines Normbezugs) und dem uneigentlichen Abbild (im Sinne einer Entstellung des Normanspruchs des Objekts) bleibt die Aktion der Vertauschung sichtbar, die Gegebenheiten des parodistisch behandelten Objekts scheinen auch im Abbild durch.
  • Komische Schreibweise: In der Abbildung einer Objektwelt werden deren positive Normen negativiert und umgekehrt. Diese Vertauschung verweist aber als ›Spiel‹ auf sich selbst, sie wird – ohne Folgen für den Norm-Aspekt gehabt zu haben – wieder aufgehoben.54
  • Tragische Schreibweise: Normbezüge, die in der Objektwelt negativiert sind, werden im Abbild positiviert. Auch hier gilt die Vertauschungsregel; in der Fiktionswelt setzt sich die Normativität der Objektwelt wieder durch. Allerdings wird ›appellativ‹ der Anspruch erhoben, den in der Fiktion positivierten Normen auch in der historisch-konkreten Objektwelt Geltung zu verschaffen.
  • Ironische Schreibweise: Die Vertauschung von Positivität und Negativität bleibt sichtbar, ihre Inszenierung ist vor allem an Handlungen oder Einstellungen des Sprechers gebunden, die entsprechend signalisiert werden.55
  • Realistische Schreibweise: Die in der Objektwelt vorgefundenen Normbezüge werden ohne Akzentuierung oder Manipulation in das fiktive Abbild übernommen.
  • Symbolische Schreibweise: Die in der Objektwelt vorgefundenen normativen Konstellationen weisen im Abbild über sich hinaus auf eine bestimmte Idee oder Ordnungsvorstellung.
  • Pathetische Schreibweise: In der Abbildung der Normkonstellationen der Objektwelt wird für deren Verfestigung plädiert.
  • Emphatische Schreibweise: Zur Verfestigung der vorgefundenen Normbezüge trägt vor allem das textuell repräsentierte Engagement des Sprechers bei.

Für die Anwendungsmöglichkeiten des Schemas sind noch einige Erläuterungen notwendig. Durch Verbindung einer primären Schreibweise (narrativ oder dramatisch) mit einer der hier dargestellten sekundären Schreibweisen kann eine ›Schreibart‹ konstituiert und in deren Umsetzung ein Darstellungsverfahren und/oder eine Gattung oder ein Genre entwickelt werden: beispielsweise die Tragödie oder die dramatische Ironie, der utopische Roman, die Fabel oder die ›satura‹. Solche Schreibarten können in einem zweiten Schritt durch Überlagerung mit weiteren sekundären Schreibweisen ›deformiert‹ werden und dann auch entsprechend komplexe Darstellungsverfahren und/oder Genres bzw. Genretypen ausbilden: etwa allegorische56 oder groteske Verfahren, die Tragikomödie als Umsetzung von tragischer und komischer Intentionalität auf der Basis des Dramatischen. Bei Deformation der satirischen Schreibweise etwa durch die utopische Schreibweise auf der Basis der Narrativik entsteht der Genretyp des satirisch-utopischen Romans, der gekennzeichnet ist durch die ausgedehnte Formulierung der Gegennorm.

Von solchen deformierenden Überlagerungen in der Tiefenstruktur – als deren Ergebnis sich auch die humoristische Darstellung verstehen ließe57 – ist dann die Konstruktion der Fiktionswelt in allen Bezügen bestimmt. Davon zu unterscheiden sind komplexe Texte, die in verschiedenen Segmenten unterschiedliche Schreibweisen dominant setzen, so dass bestimmte Textabschnitte dem satirischen, andere dem komischen, parodistischen, tragischen oder phantastischen Verfahren der Textkonstitution folgen. Jean Pauls große Romane mit ihren Appendices – beispielsweise der Titan – wären hier einzuordnen, aber auch ein Text wie das Satyricon des Petron. Bei Texten, in denen die satirische Schreibweise in Konkurrenz zu anderen Schreibweisen steht, in denen das »Reizangebot des Textes somit reichhaltiger«58 ist, können im Laufe der Rezeptionsgeschichte die Dominanzverhältnisse verändert werden: Die Texte werden dann als ›dominant satirisch‹ oder als ›dominant parodistisch‹ oder als ›dominant realistisch‹ gelesen.

Von solchen Überlagerungen und Deformationen sind schließlich Textbildungen zu unterscheiden, bei denen Vertextungsverfahren bestimmter Schreibweisen infolge von Entscheidungen auf der Strategie-Ebene zur Gestaltung der ›Textoberfläche‹ in der Umsetzung vorgegebener Strategien benutzt werden, ohne dass dabei die satirische Schreibweise deformiert wäre. Das heißt, Verfahren der ironischen, parodistischen, phantastischen, realistischen, komischen oder invektiven Schreibweisen werden dabei nur zur Verwirklichung der satirischen Intentionalität eingesetzt; sie haben keinen intentionalen Eigenwert, sondern dienen der Durchsetzung der aggressiven Entstellung des Objekts oder der Legitimation des Autors und der Konsensusbildung. Wo die Zweckbindung dieser Verfahren auf der Repräsentanzebene an die Intentionalität der Tiefenstruktur nicht mehr sichtbar wird oder nachvollziehbar ist (z. B. durch historische oder kulturelle Distanz), werden die Texte ›falsch‹, nämlich nur von der ›Oberfläche her gesehen‹ gelesen: als komische Geschichte, als folgenlose Parodie, als phantastische Reisebeschreibung.

Unter diesem Aspekt erklärt sich auch die vielfach festzustellende Affinität komischer Verfahren zur Satire. Die Komik ist keine notwendige Bedingung für die satirische Schreibweise:59 Das Prinzip der folgenlosen Vertauschung von negativierter Objektnorm und positiver Gegennorm widerspricht der satirischen Schreibweise. An der ›Textoberfläche‹ werden jedoch oft komische Verfahren sichtbar. Zum einen konkurriert die ›Entstellung‹ des Objekts der Satire in der Fiktionswelt mit dem Erscheinungsbild oder dem Anspruch in der empirischen Objektwelt.60 Zum anderen können die Phänomene der Komik auch signalisieren, dass der Anspruch des Objekts auf Positivität zu Unrecht besteht, dass in der Lebenspraxis das Objekt analog seiner Erscheinung in der Fiktionswelt negativiert werden muss (dieses Verfahren findet sich besonders dann, wenn sich Autor und Rezipient über die Ablehnung des Objekts einig sind). Die Fähigkeit des Rezipienten, die Vertauschungsoperation der komischen Darstellung durchschauen und auflösen zu können, bestätigt dann die gemeinsame Position mit dem Autor. Zum dritten kann das komische Verfahren an der ›Textoberfläche‹ auch so eingesetzt werden, dass die Vertauschung von Positivität und Negativität als bedrohlich erscheint, indem ›komisch-realistisch‹ dargestellt wird, das heißt, dass die positive Bewertung des Negativen als weithin geltend und die negativierende Vertauschung als singuläre und leicht aufzuhebende Aktion erscheinen. Dem Objektbereich soll dann mit verstärktem Engagement für die Gegennorm begegnet werden. Schließlich kann durch die Umkehrung eines real geltenden Verhältnisses von Negativität und Positivität mit Hilfe der Vertauschungsregeln der komischen Darstellung suggeriert werden, dass der reale Geltungsanspruch des Negativen korrigierbar ist: Autorität wird erschüttert, Angst abgebaut. In der Intentionalität der satirischen Schreibweise soll dann darauf hingewirkt werden, solche Vertauschungen des Anspruchs von Objektnorm und Gegennorm nicht nur fiktiv vorzunehmen, sondern real zu vollziehen.

In allen Fällen gilt, dass ohne Rekurs auf die satirische Intentionalität der Tiefenstruktur die intendierte Wirkung verfehlt wird. Komik ist also für die Satire nur ein fakultatives Verfahren der Texterzeugung. Die komische und die satirische Schreibweise benutzen und bewerten die Normenkonstellation von Positivität und Negativität mit unterschiedlichen Absichten.
Damit ist der Exkurs zu den sekundären Schreibweisen beendet.

Das nachstehende Schaubild zu unserem Beschreibungsmodell muss im Hinblick auf die ›komplette Kommunikationssituation‹ noch um das außertextuelle System mit dem konkreten Autor und dem realen Rezipienten ergänzt werden. Die hier eingeführten Ebenen der Textstrukturierung (nämlich die Ebene der Tiefenstruktur, der Strategie und der ›Textoberfläche‹) haben nur heuristischen Charakter, sie entsprechen keinen konkreten oder einzeln voneinander abzulösenden Textelementen.

Abb. 3: Strukturmodell der ›satirischen Schreibweise‹

2.2. Die Strategie-Ebene

Die ›Intentionalität‹ der satirischen Schreibweise wird durch notwendige Verfahren der Vertextung auf der Strategie-Ebene entfaltet und äußert sich in der Struktur des Textes als »Organisation von Elementen und Verfahren in ihrer system-spezifischen Funktion«:61 in einem Interaktionszusammenhang, der auf den Konstituenten der Tiefenstruktur aufbaut und die Rahmenbedingungen für die Konkretisationen des Satirischen in den Kommunikationshandlungen festlegt.

In die Strategie-Ebene gehen die Bedingungen der konkreten Kommunikationssituationen ein, d. h. die Annahmen des Autors bezüglich seiner Erfahrungswelt, bezüglich des intendierten Rezipientenkreises und der Durchsetzbarkeit seines Kommunikationsziels. Die konstanten Merkmale, die sich auf dieser Ebene festlegen lassen, sind noch stärker als die Merkmale der Tiefenstruktur von der funktionalen Zielsetzung der satirischen Schreibart bestimmt. Sie dienen auch der Wirkungssicherung und sollen eine Rezeption der satirischen Mitteilung im Sinne des Autors ermöglichen. Im einzelnen lassen sich folgende Aspekte kennzeichnen: auf der Seite des abstrakten Autors Aggression gegen den Objektbereich und Kontrolle ihrer Umsetzung, Anspruch auf Autorität und Legitimation durch den Rezipienten; auf der Seite des abstrakten Lesers Vollzug der Ablehnung des Objektbereichs, Engagement für die Sache und Konsens mit dem Autor.

In diesen Regelzusammenhang von Interaktionen zwischen abstraktem Autor und abstraktem Leser sind Strategien der Informationsvergabe bezüglich Objekt- und Gegennorm einzubringen. Die Abbildung des Objekts erfolgt auf der Grundlage bestimmter Präsuppositionen (vgl. Abschnitt 4) unter dem Prinzip der »transparenten Entstellung«.62 Die Entstellung ist so angelegt, dass idealiter das Objekt nicht nur in seinem ›entstellten‹ Abbild, sondern auch in seiner realen Existenz abgelehnt wird. Die Negativität des Gegenstandes soll also durch ›Negativierung‹ in der Abbildung sichtbar gemacht oder verstärkt werden. Obwaltende Redetaktik der Darstellung ist die ›persuasio‹, die den Rezipienten zur Ablehnung des gemeinten Objekts sowie der Objektnorm und zur Bestätigung der Gegennorm bewegen soll. Worauf die satirische Kommunikation zunächst einmal abzielt, ist die »Einlösung einer tendenziösen Realitätssicht«.63 In der Ablehnung des Objektbereichs ergreift der Leser die Partei des Satirikers. Ob diese Einstellung anhält oder Konsequenz für Handlungen in der Lebenspraxis hat, ist zunächst von sekundärer Bedeutung.

Die nachstehende Skizze verdeutlicht diese Korrelation im Rahmen des textimmanenten Bezugssystems. Das außertextuelle System ist durch Projektion der Textgrößen und Funktionen in die reale Kommunikationssituation ohne Schwierigkeiten zu ergänzen.

Abb. 4: Funktionenmodell der Satire-Kommunikation

Der Autor begegnet dem Objekt und der Objektnorm aggressiv zum Zweck der Negativierung, die sich in der Spannweite von Infragestellung bis hin zur Aufhebung vollzieht. Die Aggression hat sich jedoch nicht selbst zum Ziel, sondern verweist auf die Überlegenheit der Gegennorm. Der Autor setzt beim Rezipienten Interesse für das Objekt voraus. In dieses Interesse soll eine besondere Betroffenheit infolge des Geltungsanspruchs der Objektnorm und/oder Engagement für die Gegennorm eingeschlossen sein, gegebenenfalls wird diese Einstellung erst im Kommunikationsprozess herbeigeführt. Die Negativierung von Objekt und Objektnorm soll beim Rezipienten zur Ablehnung des Objektbereichs und zum Konsensus mit dem Autor im Hinblick auf die Gegennorm führen bzw. diesen bestätigen. Dieser Vorgang wird gestützt durch Autorität und Legitimation des Autors. Die aggressive und negativierende Einstellung des Autors bedarf als ›abweichendes Verhalten‹ auch der reflektierenden Distanz und besonderer Kontrolle zur Wirkungssicherung beim Rezipienten. Ihm gegenüber müssen Einstellung und Absicht des Autors verdeutlicht werden. Die in dieser Skizze beschriebenen Konstellationen und Interaktionen müssen nicht in jeder Kommunikationssituation (bzw. in ihrer textuellen Grundlegung) in allen Beziehungen konkretisiert werden; sie prägen jedoch – auf der Grundlage von literarischen Traditionen und sozialen Konventionen – die Haltungen und Erwartungen der am Kommunikationsvorgang Beteiligten.

2.3. Die Repräsentanzebene

Die jeweils zu vollziehenden Festlegungen der satirischen Intentionalität und die Entscheidungen auf der Strategie-Ebene werden über fakultative Vertextungsverfahren in Abhängigkeit von den Annahmen der jeweiligen Kommunikationssituation und den verfügbaren Mitteln der tradierten literarischen Verfahren realisiert. Über diese Realisierung der konstitutiven Merkmale der Tiefenstruktur und der Strategie-Ebene lassen sich in dem hier erläuterten Modell keine systematischen Angaben mehr bereitstellen. Auf der Repräsentanz-Ebene können Ableitungen anderer sekundärer Schreibweisen auftreten: also Momente des Realistischen, des Komischen, des Phantastischen. Auch dafür ergeben sich bestimmte Konventionen der Darstellung: beispielsweise Traum, Reise, absurde Schlussfolgerung, komische Charakterskizze, Verfahren der witzigen Verknüpfung, der Parodie oder Stilfiguren der Verkürzung und Übertreibung. Diese ›Oberflächenphänomene‹ sind Konsequenz der transparenten Entstellung, der Abweichung von der gewohnten Sicht der Objekte. Alle Verfahren zur Ausbildung der Oberflächenstruktur sind in funktionaler Abhängigkeit von den Elementen der Tiefenstruktur und der Strategie-Ebene zu sehen. Sie sind gebunden an die Realisierung der satirischen Intentionalität, orientieren sich an der Zweckgerichtetheit satirischer Schreibweise und realisieren die jeweiligen Einschätzungen der Kommunikationssituation.

Die begrifflichen Festlegungen der einzelnen Elemente und Interaktionen sowie die Verfahren zur Überführung der Konstellationen auf der Strategie-Ebene in die Repräsentanz-Ebene sollen in Abschnitt 4 diskutiert und beschrieben werden. Dabei ergeben sich auch weitere Konsequenzen für die Anwendung des Modells in der Textanalyse und für die Beschreibung historischer Entwicklungen. Im folgenden Abschnitt 3 geht es darum, die Umrisse des Beschreibungsmodells in der Auseinandersetzung mit wichtigen Beiträgen zur Satire-Theorie näher zu bestimmen und die bezogene Position zu festigen.

Sie soll in einem zweiten Fazit festgehalten werden: Das dominant ›a-mimetische‹ Darstellungsverfahren der satirischen Schreibart zielt darauf, in literarischer Aggression durch Abweichung von gewohnten Objektvorstellungen (›transparente Entstellung‹) beim Autor und Rezipienten Energien freizusetzen, die zur Negativierung des satirischen Objekts innerhalb der vorentschiedenen Konkurrenz zwischen Objektnorm und Gegennorm genutzt werden.

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3. Relation des Modells zu den Forschungsbeiträgen von J. Brummack, K. W. Hempfer, I. Hantsch und W. Preisendanz

Die im Abschnitt 2 entworfene Skizze eines Beschreibungsmodells der Satire gibt zugleich die Aspekte der Analyse vor, der die literaturtheoretischen Konzepte von Brummack, Hempfer, Hantsch und Preisendanz nun unterzogen werden sollen. Die kritische Darstellung folgt jeweils einem festgelegten Schema: Herausstellen der konstitutiven Merkmale für Satire im theoretischen Ansatz und Diskussion des Entwurfs unter den für unser Modell relevanten Aspekten. Damit sei gesagt, dass es nicht um eine Einzelrezension oder einen zusammenfassenden Forschungsbericht geht; wichtig sind mögliche Bezüge und Abweichungen zu dem hier vorgelegten Modell.

3.1. Zu Jürgen Brummack

Brummack unterscheidet in Zu Begriff und Theorie der Satire von Satire als einer fest umrissenen historischen Gattung die »Satire als eine Empfindungsweise und ihre Äußerungen« (S. 276),64 wobei er die Satire im engeren Sinn als »ästhetische Darstellung und Kritik des Falschen (Normwidrigen) mit der Implikation zu sozialen Zwecken« (ebd.) eingegrenzt wissen möchte. Dabei soll Satire nicht als systematischer Begriff, als »Typ«, aufgefasst werden, sondern als »Naturform« und »philosophische Gattung«. Für Satire im Sinne der zweiten Unterscheidung stellt er drei konstitutive Elemente auf. Diese weisen eine psychologische, soziale und ästhetische Dimension auf (vgl. S. 282). Als erstes Element nennt er ein individuelles: Hass, Wut, Aggressionslust, irgendeine private Irritation (vgl. ebd.). Das zweite konstitutive Merkmal ist für ihn ein soziales: Der Angriff dient einem guten Zweck, soll abschrecken oder bessern und ist an irgendeine Norm gebunden (vgl. ebd.). Das dritte Element ist das ästhetische, »das zwar in seiner Besonderheit von den beiden ersten bedingt ist, aber nicht einfach auf sie zurückgeführt werden kann« (vgl. ebd.). Diese drei Elemente zusammen ergeben den satirischen Impuls. Daraus leitet Brummack seine Formel ab: »Satire ist ästhetisch sozialisierte Aggression« (ebd.).

Diskussion

Brummack will den »Wert seiner Formel durch die Satire-Geschichte aufgefüllt sehen« (S. 284) und mit seiner Bestimmung keine Definition durch Merkmalsangaben erarbeiten, sondern den »Ursprung« von Satire, nicht jedoch ihre Erscheinungsformen aufzeigen (vgl. ebd.). Er will damit eine möglichst große Offenheit gegenüber allen Manifestationen des Satirischen erreichen. Dabei stellt sich bei ihm aber das Problem, dass er nicht zwischen den Konstituenten von Satire auf der außertextuellen und textuellen Ebene differenziert, sondern sie als gleichrangig ansetzt.

Auf der außertextuellen Ebene spricht Brummack vom realen Autor, der durch Aggressionslust und private Irritation charakterisiert wird. Hier bewegt sich Brummack auf der Ebene der Biographie und der Psychologie des Satirikers. Da für Brummack aber Aggressivität am Text nachweisbar sein muss, verschiebt er die ›persönliche Problematik‹ auf die Textebene und spricht damit ein Strukturprinzip satirischer Schreibweise an. Somit wäre ›Aggression‹ auf den beiden Ebenen mit unterschiedlichen Kategorien zu bestimmen.

Das soziale Element von Satire bezeichnet die Funktionalität von Satire. Der satirische Angriff soll bessern oder abschrecken; damit wird die Intention des Satirikers bezüglich seiner intendierten Rezipienten angesprochen. Diesen pragmatischen Aspekt verbindet Brummack implizit wieder mit der Textebene, indem er von ›Angriff‹ spricht, der an bestimmte Normen gebunden ist. Ein solcher Angriff muss in der Strategie als Textelement nachweisbar sein. Sowohl ›Angriff‹ als auch ›Norm‹ sind als Vertextungselemente auf der textuellen Ebene aufzufassen. Erst über diese Vermittlung können sie für die Wirkung auf den Rezipienten funktionalisiert werden.

Ebenso ist die fehlende Abgrenzung der beiden Ebenen im Rahmen von »sozialisiert« festzustellen. Brummack spricht von »Angreifer, Opfer und Adressat« (S. 282) und hält fest, dass mit der Verwendung von Zeichen immer schon eine Sozialisierung gegeben ist. Angreifer, Opfer und Adressat sind Elemente der außertextuellen Wirklichkeit, die auf die textuelle Ebene projiziert werden und dann wiederum auf die außertextuelle Wirklichkeit verweisen. Diese drei Bezugspunkte können somit in der empirischen Realität festgelegt werden und sind außertextuell vorhanden, werden aber durch den spezifischen Doppelcharakter des sprachlichen Zeichens in den Bedeutungsaufbau des literarischen Textes transformiert und gewinnen erst über den Text neue außertextuelle Relevanz. Sozialisierung der Aggression würde dann auf der außertextuellen Ebene, als Ergebnis der per Text vermittelten Kommunikation, anzusetzen und ausschließlich als Element der Pragmatik zu verstehen sein. Da Brummack eine Abgrenzung zu »anderen Formen« durch die Einbeziehung der Rezipienten bei satirischer Schreibweise vorschlägt (vgl. ebd.), versteht er den Adressaten zum ersten textintern als Strukturgröße und zum zweiten als reale außertextuelle Größe, wobei er aber zwischen beiden ›Systemen‹ nicht unterscheidet.

Als drittes konstitutives Element für Satire nennt Brummack das ästhetische. Dieses macht er abhängig von den beiden ersten Elementen, stellt aber keine Relationen zwischen den Elementen auf. Weil er auch bei diesem konstitutiven Merkmal das sprachliche Zeichen nicht in seiner spezifischen ästhetischen Funktion im literarischen Text differenziert, ist es schwierig festzustellen, was Brummack unter »ästhetisch« versteht. Für satirische Schreibweise ist aber konstitutiv, dass das Ästhetische nicht Selbstzweck ist, sondern darüber hinaus funktionalisiert wird. Auf diese Probleme geht Brummack nicht ein. Somit wird seine Formel insofern problematisch, als er »ästhetisch«, »sozialisiert« und «Aggression« auf eine gleichwertige Ebene stellt, ohne dabei die jeweils unterschiedlichen textuellen und außertextuellen Relationen zu unterscheiden und in ihrer für ›Satire‹ konstitutiven Relation zu thematisieren.

Diese Vermischung hängt einmal von der Annahme ab, dass Satire ihre Konstante im Bereich der Anthropologie hat und nicht durch Merkmale der literarischen Kommunikation bestimmt werden kann (vgl. S. 281), zum zweiten ist die Vermischung darin zu sehen, dass Brummack den spezifischen Zeichencharakter des literarischen Werks vernachlässigt. Er nimmt eine kausale Verbindung zwischen dem Autor, dem Werk und dem Rezipienten an und nicht eine ›gebrochene Kausalität‹ auf Grund der Eigenschaften des ästhetischen Objekts.

3.2. Zu Klaus W. Hempfer

Hempfer misst in Tendenz und Ästhetik. Studien zur französischen Verssatire des 18. Jahrhunderts dem Wirklichkeitsbezug der Satire grundlegende Bedeutung zu: »im Zusammenhang mit dem Wirklichkeitsbezug ist die spezifische Intentionalität dieser Schreibart zu sehen« (S. 31). Diese spezifische Intentionalität besteht in der Negierung von Existentem oder als existent Behauptetem. Satire ist damit eine Schreibweise typisch zweckhafter Art, die Hempfer unter dem Aspekt »Tendenz« (ebd.) erfasst. Die Tendenz und nicht die Norm wird zum bestimmenden Strukturelement und zwar »Tendenz als Vehikel der in ihr implizierten Norm« (S. 32). Als konstitutives Merkmal gilt das Propagandistisch-Tendenziöse der Satire. Damit verbunden ist die Zielgerichtetheit des satirischen Sprechens (vgl. S. 33). Diese Bestimmungskriterien führen zu folgendem Strukturmodell für satirische Schreibart: Satire ist immer dann gegeben, wenn »ästhetische Information« zum Ausdruck einer Tendenz funktionalisiert bzw. mediatisiert ist, die in negativ abwertender Weise auf ein Wirkliches der historisch-empirischen Faktizität zielt, wobei dieses Wirkliche nicht dargestellt, sondern in der Vermittlung der Tendenz impliziert ist, oder kürzer: »Satire ist funktionalisierte (mediatisierte) Ästhetik zum Ausdruck einer auf Wirkliches negativ und implizierend zielenden Tendenz« (S. 34).

Ziel Hempfers ist es, die Satire nicht durch Addition von Einzelelementen zu beschreiben, sondern zwischen ihnen Relationen zu erstellen. Strukturbildend für die satirische Schreibweise ist die »spezifische Interaktion von Elementen« (S. 35), die als Einzelelemente auch in anderen Schreibweisen oder Gattungen auftreten.

Diskussion

Hempfer versucht, das Problem der satirischen Schreibweise und ihrer historischen Realisation im System der Gattungsproblematik zu lösen (vgl. S. 17ff.), indem er davon ausgeht, dass die konstante Schreibweise durch Transformationen (die zwischen allgemeiner Struktur des Satirischen und den historisch-individuellen Ausprägungen vermitteln) zu konkreten Oberflächenstrukturen gelangt (vgl. S. 35). Zu berücksichtigen ist dabei, dass er den Gattungsbegriff nicht normativ verwendet. Damit ist Satire als Gattung nicht nur im Traditionszusammenhang der römischen Satire zu sehen, sondern jede historische Konkretisation der satirischen Schreibweise erscheint als Beitrag zur ›Gattung‹, wobei bei komplexen Texten verschiedene Arten von Strukturüberlagerungen mit anderen Schreibweisen auftreten können.

Indem Hempfer versucht, im Rahmen seines theoretischen Systems von überzeitlichen Konstanten mit jeweils spezifischen Transformationen für ein bestimmtes Textkorpus auszugehen, bewegt er sich innerhalb des Systems ›Textwelt‹, das er im Hinblick auf Tiefenstrukturen und Oberflächenrealisationen entwickelt. Sein Strukturmodell setzt mit dieser theoretischen Differenzierung auf der Ebene der satirischen Schreibweise an und gilt als »Fundament jeder einzelnen Realisation der Gattung« (S. 22). Da sich Hempfers Interesse primär auf die Ebene der Vertextung, das heißt die formalen Verfahren und deren Funktion im System ›Text‹ sowie auf die das Erzeugen der satirischen Information richtet, wird die spezifische Pragmatik der Satire nicht in das Strukturmodell einbezogen. Hempfer klammert die pragmatische Funktion von Satire aus, denn seine Fragestellung und Problemorientierung beziehen sich auf eine »strukturale Poetik der Satire« (S. 10)65 , er vernachlässigt die Frage »wie wirkt Satire?« (S. 33).

Damit stellt sich aber das Problem, inwieweit es möglich ist, den pragmatischen Aspekt und – damit verbunden – die textuelle Integration der Wirkungsabsicht und Wirkungssicherung der Satire zu vernachlässigen, wenn man davon ausgeht, dass Satire auch durch ihre textexterne Intentionalität konstituiert wird. Hempfer spricht zwar implizit diese spezifische Pragmatik der satirischen Schreibweise an, indem er von der Intentionalität und Zweckgebundenheit des Satirischen (dessen Ziel primär nicht die Konstruktion eines ästhetischen Objekts, sondern dessen Funktionalisierung ist) ausgeht. Diese Einsicht bezieht er aber nur auf die Ebene der Texterzeugung und Darstellung. Die Relation der entsprechenden Strukturelemente wird somit nicht unter dem Aspekt gesehen, welche Funktionen und Wirkungen sich mit dem möglichen Rezipienten verbinden lassen. Inwieweit die Strukturmerkmale der satirischen Schreibart von den außertextuellen Bedingungen beeinflusst werden, spricht Hempfer nur implizit an. Für ihn ist der nennend-negative Bezug zur empirischen Realität als Angriff über den Text hinaus funktionalisiert und in dieser Form schreibweise-konstitutiv. Wie und wozu diese Funktionalisierung des Ästhetischen erzielt werden soll, wird durch seinen strukturellen Ansatz nicht beantwortet. Ebenso kann das Problem der funktionalen Abhängigkeit von außertextuellen Bedingungen sowie deren Integration in den Text und ihre Auswirkung auf die Struktur der literatursatirischen Texte mit diesem Modell nicht dargestellt werden. Die funktionale Korrelation der ›Textwelt‹ der Satire zu den außertextuellen Bedingungen und Wirkungsbereichen manifestiert sich vor allem auf der Ebene der Strategie und der damit verbundenen Vertextungsverfahren, die Hempfer nicht anspricht.

3.3. Zu Ingrid Hantsch

Ingrid Hantsch differenziert in Semiotik des Erzählens. Studien zum satirischen Roman des 20. Jahrhunderts zwischen der satirischen Schreibweise und ihren konkreten Realisationen. Die satirische Schreibweise ist durch zwei Faktoren gekennzeichnet: »durch ihre Stellung zur den Satiriker umgebenden Umwelt und durch ihre innere Ausrichtung auf das Publikum« (S. 21). Diese zwei Faktoren bestimmen eine »besondere Art der Gegenständlichmachung« (ebd.), die für satirische Schreibweise konstitutiv wird. Die relevanten Kriterien für satirische Schreibweise ergeben sich nach Hantsch auf der Ebene der Intentionalität und auf der Ebene der Repräsentanz, wobei beide in ihrer funktionalen Abhängigkeit gesehen werden (vgl. ebd.). Die Intentionsstruktur des satirischen Textes wird durch außertextuelle Bedingungen bestimmt, die dann die für Satire typische »tendentiell-intentionale Vertextungsstrategie« (S. 36) erfordern. Diese außertextuelle Motivation bestimmt die Selektion und Kombination des Wirklichkeitsaspekts für die Darstellungsebene: »diese sind bereits der satirischen Absichtlichkeit unterworfen und stehen unter dem Impetus satirischer Sichtbarmachungsabsicht« (S. 25). Aus der Motivation und Intention des Satirikers ergibt sich textintern die Intentionalität als »sigmatisch-pragmatische Bedeutungsebene« (S. 28), das heißt die besondere Relation der Zeichen zur Wirklichkeit und zum Zeichenbenutzer ist konstitutiv für die satirische Schreibweise, wobei textintern eine »amimetische Wirklichkeitsmodellierung« (S. 34) erfolgt. Die Repräsentanzstruktur des satirischen Textes wird dadurch gekennzeichnet, dass »Satire eine manipulativ-strategische Redetaktik ist« (S. 38), deren Ziel in der Überredung des Rezipienten liegt. Dabei bedingt die pragmatische Absichtlichkeit semantisch und strukturell die Textkonstitution (vgl. S. 54), wobei alle Informationen des Textes auf die spezifische sigmatische Dimension bezogen sind.

Diskussion

In der doppelten Zielprojektion, die Hantsch verfolgt (vgl. S. 20), ist die Analyse ihres Ansatzes insofern schwierig, weil Hantsch die Ergebnisse der Satire-Forschung aneinanderreiht und die einzelnen konstitutiven Merkmale von Satire und ihrer Konkretisationen nicht konsequent in einen funktionalen Zusammenhang stellt.

Hantsch setzt die konstitutiven Merkmale für Satire sowohl auf der außertextuellen als auch auf der textuellen Ebene an und bezieht die Integration der außertextuellen Bedingungen in den Text in die Beschreibung der Schreibweise ein. Auf Grund der pragmatischen Absichtlichkeit, die ein dominant konstitutives Merkmal der Satire darstellt, ist es für Hantsch notwendig, den satirischen Text und die Bedingungen der Schreibweise innerhalb der vollständigen Kommunikationssituation zwischen Autor, Werk und Rezipient zu beschreiben.

Zu den außertextuellen Bedingungen gehört die Absicht des Autors, die Rezipienten von seiner ›Weltsicht‹ zu überzeugen und dadurch zu kritischer Erkenntnis oder Einstellungsänderung zu bewegen (vgl. S. 37). Textuell manifestiert sich diese pragmatische Absichtlichkeit zum einen in der Intentionalitätsstruktur, zum anderen in der Repräsentanzstruktur des Textes. Hantsch setzt damit die Struktur in Relation zur Funktion, thematisiert diese Relation aber nicht als methodisches Problem.

Die Funktionalisierung des ästhetischen Objekts bestimmt die Repräsentanzstruktur satirischer Texte, indem die semantische, syntaktische und ästhetische Information von der sigmatischen Relation und der pragmatischen Funktion überlagert werden. Damit bringt Hantsch als zweite Perspektive für die konstitutiven Merkmale satirischer Schreibweise die »Ebene der Repräsentanz, die Gesagtes betrifft« (S. 21), ein. Ihr Ansatz wird deshalb kompliziert, weil sie die konstitutiven Merkmale der Schreibweise auf zwei textuellen Ebenen ansetzt. Die Repräsentanzstruktur ist unseres Erachtens zwar abhängig von der Tiefenstruktur der Schreibweise, aber erst auf einer vermittelten ›höheren‹ Ebene, vor der die Ebene der Strategie einzuschalten ist, über die konstitutive Merkmale der Tiefenstruktur an die ›Textoberfläche‹ transformiert werden. Hantsch stellt zwar fest, dass es auf der Oberflächenebene keine obligatorischen Vertextungsverfahren (vgl. S. 54) für die Konkretisation satirischer Schreibweise gibt, sieht aber die Repräsentanzstruktur als eine definierende Größe für die Grundstruktur des Satirischen: Die Korrelation von Intentions- und Repräsentanzstruktur erstelle ein Strukturmodell für Satire. Für Hantsch ist die Repräsentanzstruktur zum einen eine Kategorie, die Aspekte der Strategie einschließt, zum anderen subsumiert Hantsch darunter auch fakultative Verfahren, die für die ›Textoberfläche‹ charakteristisch und nicht mehr in ein Strukturmodell integrierbar sind. Somit kann nicht immer geklärt werden, ob sie die einzelnen Merkmale als konstitutive Elemente für die Tiefenstruktur oder als mögliche Elemente der Oberflächenstruktur ansetzt.

Hantsch geht von den schreibweise-spezifischen Konstituenten der pragmatischen Absichtlichkeit und Intentionalität aus, verbindet dieses Strukturelement aber mit konstanten Merkmalen der Repräsentanzstruktur und mit fakultativen Elementen aus dem Bereich der Texterzeugungsstrategien. Die spezifische Interaktion konstitutiver Merkmale der Satire stellt sie erst wieder im »Strukturmodell« dar. Dabei erweist es sich als problematisch, dass Hantsch nicht mehr die konstitutiven Merkmale, die sie im Kapitel über die Intentionsstruktur ausgeführt hat – wie Aktualität, satirisches Objekt, Norm, satirische Moral (vgl. S. 36f., 54f.) – , als strukturbildend integriert. Die Merkmale werden im Modell nicht mehr als schreibweise-spezifisch relevant. Eine Einbeziehung dieser Kategorien ist nur dann möglich, wenn sie unter »Autorintentionalität« und »Hörerintellektualität« (S. 55) subsumiert wären.

Will man ihr Modell – so das Ziel von Hantsch – als ein »gattungstheoretisches, operationales Analyse- und Deskriptionsmodell satirischer Schreibweise« (S. 20) benutzen, muss festgehalten werden, dass das Modell nur eingeschränkt die theoretischen Überlegungen von Hantsch integriert. Die jeweils spezifische Interaktion der ermittelten konstitutiven Elemente als strukturbildende Größen wird nur partiell zum Gegenstand der Definition. Die Überlegungen von Hantsch zeigen aber, dass auch außertextuelle Bedingungen für die satirische Schreibweise konstitutiv sind. Sie bestimmen die Texterzeugung, da Intentionalität und Absichtlichkeit von außertextuellen Faktoren abhängen. In dieser spezifischen Relation von textexternen und textinternen Bedingungen beeinflussen sie Vertextungsstrategien und Vertextungsverfahren, um dadurch wiederum außertextuell zu wirken.

Exkurs zum Problem des Wirklichkeitsbezugs von Satire

Der spezifische Wirklichkeitsbezug von Satire wird bei den einzelnen Autoren unterschiedlich charakterisiert. Brummack stellt keine hinreichenden Kriterien zur Diskussion dieser Frage zur Verfügung, Hempfer und Hantsch rechnen das konstitutive Merkmal des spezifischen Wirklichkeitsbezugs zur Tiefenstruktur der Schreibweise. Unseres Erachtens ist es aber möglich, dieses Merkmal als Verbindung zwischen Tiefen- und Oberflächenstruktur auf der Ebene der Vertextungsstrategie einzuordnen. Damit könnte auch eine Erklärung für die Konkurrenz von ›nennend-implizierendem‹ und ›darstellend-transparentem‹ Wirklichkeitsbezug aufgestellt werden. Hempfer geht davon aus, dass das satire-spezifische Wirklichkeitsverhältnis insofern ein »nennend-implizierendes« ist, als »eine real vorgegebene Faktizität in der ›Satire‹ nicht dargestellt wird, sondern in deren Aussagetendenz implizit angesprochen ist, die sich ihrerseits nur auf dem Hintergrund dieses als bekannt vorausgesetzten oder in den Anmerkungen mitgelieferten Informationshorizontes konstituieren kann.«66 Hantsch nimmt zwar auch eine a-mimetische Wirklichkeitsmodellierung an, sieht das Wirklichkeitsverhältnis aber auch an als ein darstellendes, nicht nur als ein nennend-implizierendes.67

Beide Autoren gehen vom spezifischen Zeichencharakter des literarischen Textes und dem Doppelcharakter des sprachlichen Zeichens im literarischen Werk aus.68 Im nicht-satirischen literarischen Text hat das Zeichen keine direkte Referenz für die empirische Realität, denn es verweist zunächst auf sich selbst als Bedeutungsträger und erst in einem zweiten Schritt auf die außertextuelle Wirklichkeit. Für das satirische Wirklichkeitsverhältnis wird die Spannung zwischen der Referenz und der Selbstreflexion der Zeichen zum konstitutiven Merkmal. Die sprachlichen Zeichen weisen trotz ihrer Integration in den Bedeutungsaufbau des literarischen Textes eine direkte Referenz zur außertextuellen Realität auf. Dieser Verweischarakter – er kann explizit oder implizit sein – wird von Hempfer und Hantsch wie von Preisendanz (vgl. 3.4) festgehalten.

Die Differenz zwischen einem nennend-implizierenden und einem darstellend-transparenten Verfahren ist nicht schreibweise-konstitutiv, sondern ein Unterschied auf der Ebene der Vertextungsstrategie. Welche Strategie gewählt wird, hängt zum einen von dem Status des Gegenstandes, der anvisierten Publikumsgruppe und der intendierten Wirkung, zum anderen von der Wahl der primären Schreibweise in der Tiefenstruktur und möglichen Überlagerungen mit anderen Schreibweisen ab. Texte, in denen das Satirische nur wenige Überlagerungen eingeht und nur das primär satirische Kommunikationsziel (die Negativierung des Objektbereichs) verfolgt wird, weisen in der Regel einen nennend-implizierenden Wirklichkeitsbezug auf. Satire, die in ihrer konkreten Realisation weniger Aggression und mehr kritische Information und Didaxe vermitteln will, wird die Strategie des darstellend-transparenten Wirklichkeitsbezugs bevorzugen.

Die Problematik des Wirklichkeitsbezugs zeigt, dass es notwendig ist, den Wirkungs- und Funktionsaspekt, das heißt die funktionale Relation von außertextuellen und textuellen Bedingungen der Schreibweise bereits in die Tiefenstruktur zu integrieren. Der nennend-implizierende und der darstellend-transparente Wirklichkeitsbezug kann dann jeweils als fakultative Vertextungsstrategie unter Funktionalisierung der Schreibweise gesehen werden, das heißt in Abhängigkeit von den Bedingungen der primären und sekundären Schreibweise und den dabei vollzogenen Überlagerungen in der Tiefenstruktur.
Ende des Exkurses zum Problem des Wirklichkeitsbezugs von Satire.

3.4. Zu Wolfgang Preisendanz

Im Gegensatz zu den oben behandelten Autoren hat Preisendanz keine eigentliche ›Theorie der Satire‹ entwickelt. In seinen Beiträgen im Sammelband Das Komische bezieht er sich jedoch auf zwei wichtige Aspekte in der Diskussion theoretischer Probleme der Satire: auf das Darstellungsverfahren, insbesondere auf die Allianz von Satire und Komik, sowie auf die Frage nach der positiven Norm des satirischen Vorgehens.69 Damit sind die am meisten umstrittenen Positionen in den – nach Brummack – entscheidenden Perspektiven »Indirektheit, Normbezug und Aggression« angesprochen.

Preisendanz wendet sich gegen die notwendige Verbindung von Satire und Komik unter dem Gesichtspunkt der Aggression. Die Abwertung des Gegenstands im Aufzeigen seines lächerlichen Zustandes sei weder konstitutiv für Satire, noch historisch konstant (vgl. Korrelation, S. 411f.). Die Verbindung von Satire und Komik beziehe sich eher auf die besondere Relation zwischen dem Objekt und seinem Erscheinungsbild in der satirischen Darstellung: Das Komische resultiere dabei »aus dem Verhältnis von gemeinter, anvisierter faktischer Wirklichkeit einerseits, von dargestellter artistisch elaborierter Wirklichkeit andererseits« (ebd., S. 412), aus der »Relation des Präsentierten zum Repräsentierten« (ebd., S. 413). Das Komische folgt somit nicht aus der Erfahrung des »Bezugsgegenstandes« in der Lebenspraxis, sondern aus dem Kontext seiner satirischen Darstellung. Für dieses Verfahren prägt Preisendanz den treffenden Begriff der »transparenten Entstellung« (ebd.) der unseres Erachtens die ›Text-Wirklichkeitsrelation‹ der Satire besser beschreibt als ›Indirektheit des Vorgehens‹. ›Transparente Entstellung‹ bezieht sich sowohl auf die aggressive Haltung des Satirikers gegenüber dem Objektbereich als auch auf die zweckgerichtete Orientierung gegenüber dem Rezipienten, der genötigt wird, seine ›mitgebrachte Vorstellung vom Gegenstand‹ mit der ›Entstellung‹ im satirischen Vorgehen zu verbinden und aus dieser Erfahrung auf den Gegenstand zu reagieren. Obwohl Preisendanz solche Bezüge nur skizziert, wird mit dem Begriff ›transparente Entstellung‹ Genaueres über die spezifische satirische ›Mimesis‹ ausgesagt als bei Hempfer und Hantsch, weil Preisendanz Verfahren und Funktion der Darstellung im kommunikativen Zusammenhang beschreibt.

Diese Perspektive gilt auch für die Frage nach der Präsenz eines positiven Gegenbildes im satirischen Vorgehen. Preisendanz stellt die Notwendigkeit einer – wie auch immer zu fixierenden – Gegennorm in Abrede, solange nicht die »konkreten Bedingungen der Möglichkeit impliziter Gegenbilder« (»Negativität«, S. 415) im Vorgang satirischer Kommunikation geklärt sind. Er überprüft diese Konstellation an historischen Erfahrungen im Verstehen und Missverstehen satirischer Texte. Seiner Meinung nach kann die Feststellung der Negativität eines ›a‹-Objektes zwar auf die »Potentialität des non-a« bezogen sein; diese lässt sich jedoch nicht auf »eine definitive Gegenbildlichkeit« (ebd., S. 414) festlegen; das heißt der Rezipient kann den satirisch herbeigeführten Zustand der Negativität des Objekts mit beliebigen Gegenbildern in Verbindung bringen oder auch die intendierte Gegenbildlichkeit verkennen (vgl. ebd., S. 415).

Dieser Argumentation ist entgegenzuhalten, dass im ersten Fall die Kommunikation durchaus den Kommunikationsmustern (dem Strukturgesetz) der Satire folgt, indem die Position einer ›Gegennorm‹ besetzt wird. Wenn dies nicht im Sinne des Autors geschieht (Preisendanz bezieht sich auf die Publikumsreaktionen bei einer Züricher Aufführung der Heiligen Johanna der Schlachthöfe von Brecht), liegt es entweder an der vom Autor mangelhaft kontrollierten Strategie des satirischen Verfahrens oder an seiner Fehleinschätzung der Voraussetzungen für die Kommunikationssituation zwischen Autor und Publikum. Gerade Brecht pflegte ja dann solche Fehleinschätzungen durch Veränderungen im Text zu korrigieren.

Mit ähnlichen Argumenten ist auch dem zweiten Einwand von Preisendanz zu begegnen: Dass in bestimmten historischen Situationen oder von bestimmten Publikumsgruppen Satire etwa ›humoristisch‹ rezipiert wird, sagt nichts darüber aus, ob die satirische Darstellung auf Gegenbildlichkeit im Sinne der Satire angelegt war. Unseres Erachtens ist entscheidend, dass bei der Analyse der Textstruktur und der intendierten symbolischen Interaktionen zwischen Autor und Rezipient Gegenbilder eingesetzt werden können und dass im Aufforderungscharakter für das Leseverhalten die Rahmenbedingungen für die ›Potentialität des non-a‹ geschaffen sind. Dieser Rahmen ist konkret beschreibbar – folgt man beispielsweise den Vorgaben von Wolfgang Iser.70 Der Rahmen kann das ›non-a‹ in unterschiedlicher Deutlichkeit und Begrenztheit einfassen. Dass der Rezipient in den Rahmen ein Gegenbild einbringt, gehört allerdings zu den konventionalisierten Bedingungen der satirischen Schreibweise: zur Rechtfertigung der Aggression und des Engagements der Beteiligten an der Kommunikationshandlung. Selbst dort, wo Autoren in der bewussten Verweigerung der Konvention argumentieren und das Gegenbild aussparen, bleibt seine Funktionalität als Leerstelle einer »zweiten Negation« (im Sinne Isers) erkennbar.

Auf die hier angesprochenen möglichen (text-)strukturellen Verankerungen der grundsätzlichen Funktionen satirischer Kommunikation wird im folgenden Abschnitt nun genauer eingegangen.

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4. Explikation des Modells im Detail

4.1. Das Verhältnis von Autor und Rezipient als Problem satirischer Kommunikation

Jeder literarische Text als Basis von Kommunikationshandlungen schließt eine Vielzahl relevanter außertextueller Bezüge ein, die für das Gelingen der Kommunikation (im Sinne der Intention des Autors) einbezogen werden müssen. Satirische Funktionalisierung der fiktiven Wirklichkeit (des Objekt-Abbilds) im Hinblick auf die empirische Realität von Autor und Rezipient führt dazu, dass außertextuelle Bedingungen in besonderem Maße über die Strategie-Ebene in die Textstruktur eingehen. Es ist deshalb notwendig, mögliche außertextuelle Bezüge voneinander abzugrenzen und als Teilmengen der Gesamtgröße ›Text-Wirklichkeitsrelation‹71 systematisch aufeinander beziehen.

Eine solche Teilmenge ist der »referentielle Kontext«,72 dessen (Re-)Konstruktion darauf verweist, in welchem Bezugsrahmen das Objekt der literarischen Mitteilung steht. Darunter sind die jeweiligen historischen, politischen, kulturellen, sozialen Kontexte zu subsumieren. Für die literatursatirische Kommunikation ist es wichtig, einen breiten Kontext einzubeziehen, der bezüglich des dargestellten Objektbereichs von dem »Bild dieser Ereignisse oder Erscheinungen im kollektiven Gedächtnis abhängt«73 (vgl. Abschnitt 4.7), da Argumentation und Aggression auch aus diesem Zusammenhang entwickelt werden. Über die jeweilige Ausdehnung des referentiellen Kontextes können im Beschreibungsmodell keine systematisierbaren Angaben gemacht werden, da die Kontexte für die einzelnen konkreten Realisationen der Satire historisch variabel und damit jeweils neu zu erstellen sind.

Anders als beim Objekt-Kontext und den realen Bezügen zu den Elementen ›Autor‹ und ›Rezipient‹ lässt sich für die Beziehung zwischen Autor und Rezipient von den Einstellungen und Erwartungen der realen Autoren und Rezipienten abstrahieren, weil die prinzipiellen Möglichkeiten zur Interaktion als strukturelle Größen in die Strategie-Ebene eingehen und systematisierbar sind. Die Zweckgerichtetheit von ›Satire‹ und das wirkungsbezogene Vermittlungsinteresse (als Intentionalität der satirischen Schreibweise) werden durch folgenreiche vortextuelle Annahmen des Autors über den anzusprechenden Rezipientenkreis zu Faktoren der Texterzeugung. Dabei ist davon auszugehen, dass nicht alle Entscheidungen des Autors im Text verankert sind. Sie können auch in den konventionalisierten Rahmenbedingungen der Kommunikationshandlung erfasst sein. Solche vortextuellen Entscheidungen spielen bei anderen Konstellationen literarischer Kommunikation ebenfalls eine Rolle. Für die satirische Schreibweise werden sie jedoch konstitutiv, da sie die spezifische Pragmatik mitbestimmen. Im einzelnen entscheidet der Autor angesichts seiner Erfahrungen der historischen Realität über das abzulehnende oder anzugreifende Objekt; er verbindet damit ein Kommunikationsziel, das im weitesten Rahmen als ›Tendenz zum Aufklären‹ mit möglicherweise handlungsbezogenem Impetus umschrieben werden kann. Er orientiert sich an einem bestimmten Rezipientenkreis, mit dem er über den Text in Kommunikation treten und den er in seinem Sinn beeinflussen will. Diese vortextuelle Entscheidungen legen die Strategie fest.

Die Effektivität der intendierten Wirkung (z. B. Aufklärung und Belehrung im Sinne des Autors), die richtige Bewertung der dargestellten Objekte, der Konsensus bezüglich des abzulehnenden und des zu bejahenden Normbereichs sowie die Einsicht in die Höherwertigkeit der Gegennorm hängen ab von der adäquaten Kodierung der satirischen Information und des satirischen Kommunikationsziels im Text. Hierzu muss der Autor vortextuelle Annahmen über den intendierten Rezipientenkreis treffen, auch wenn diese Annahmen höchst allgemein bleiben. In der Regel gelingt die satirische Kommunikation nur dann, wenn Autor und Rezipient über weitgehend gemeinsame »komplexe Voraussetzungssituationen«74 verfügen. Sie umfassen die »sozialen, individuellen, kognitiven, volitiven und emotiven Faktoren eines Subjekts zum jeweiligen Zeitpunkt des kommunikativen Handlungsspiels«.75 Dabei ist es nicht notwendig, dass Autor und Rezipient jeweils alle Voraussetzungssituationen gemeinsam haben, jedoch muss eine (historisch und kulturell variable) Teilmenge übereinstimmen.

Die Kommunikationssituation für Satire ist durch zwei Voraussetzungen geprägt. Zu bedenken ist (1) die Einstellung der Kommunikationspartner gegenüber dem Objekt. Die Einstellung des Autors ist gekennzeichnet durch Aggressivität, sie hat einen Spielraum vom Infragestellen bis hin zur Vernichtung des betreffenden Objekts. Die Einstellung des Rezipienten kann von latentem Interesse über Engagement für die Sache bis hin zum völligen Einverständnis mit der Haltung des Autors reichen. Autor und Rezipient müssen (2) eine Information über den Kontext des anzugreifenden Objekts teilen. Notfalls wird diese Information für literarische Satire über nicht-fiktive Paratexte bereitgestellt. Für die Rezipienten ist zu erwarten, dass sie die Fähigkeit besitzen, die Absicht satirischer Kommunikation zu erkennen und dazu bereit sind, Zugewinne an ›Informiertheit‹ zu erzielen.

Aufgrund der genannten Voraussetzungen können mögliche Rezipientengruppen voneinander abgegrenzt werden. Zwischen ihnen gibt es verschiedene Abstufungen, die für die Texterzeugung graduelle, aber nicht prinzipielle Entscheidungen in der textuellen Organisation der Strategie bewirken. Im wesentlichen sind vier Rezipientengruppen zu markieren.

Die erste Gruppe ist dadurch bestimmt, dass Autorinstanz und Rezipienten eine gemeinsame Voraussetzungssituation teilen. Diese Rezipienten verfügen über die Informationen, die notwendig und relevant sind, um den satirischen Angriff mitvollziehen zu können. Sie sind einverstanden mit der Wertung, die der Autor vornimmt. Eine zweite Gruppe kann durch die Merkmale ›geteiltes Engagement, Verfügen über verstehensrelevante Informationen, aber fehlendes Einverständnis bezüglich der impliziten satirischen Tendenz und Wertung‹ bestimmt werden. Eine dritte Gruppe ist dadurch gekennzeichnet, dass die Rezipienten mit dem Autor in der Akzeptanz der Gegennorm übereinstimmen, zur entschlossenen Ablehnung des Objekts der Satire aber noch Informationen über den Objektbereich brauchen. Der vierte Rezipientenkreis bringt das notwendige Interesse gegenüber dem Objekt auf, besitzt aber weder die notwendigen Informationen, noch zeigt er prinzipielles Einverständnis im Bezug auf die Wertung des Objekts.

Abb. 5: Konstellationen der Satire-Kommunikation

Für Gruppe 2, 3 und 4 werden die ›komplexen Voraussetzungssituationen‹ erst über das Kommunikationsmedium Text aufgebaut: für die zweite Gruppe bezüglich der Bewertung des Objekts zur Herstellung des notwendigen Konsens; für den dritten Rezipientenkreis müssen im Kommunikationsakt Informationen über Erscheinung, Anspruch und Geltung des Objektbereichs geliefert werden; mit ähnlichen Informationen muss die vierte Gruppe versorgt und zur ›richtigen Einstellung‹ veranlasst werden. Für die erste Gruppe ist der Aufbau von Konsens qua Text nicht mehr nötig, da er außertextuell schon vorhanden ist. Die Kommunikation dient nicht primär der Informationsvermittlung und Aufklärung, sondern der Bestätigung der Gruppe und der Bekräftigung der Einstellung des Autors gegenüber dem abgelehnten Objekt. Der Aufbau eines Konsens für die Rezipientenkreise 2, 3 und 4 ist noch nicht durch gemeinsame Voraussetzungen gegeben, sondern hängt davon ab, wie es dem Autor gelingt, seine gezielten Referenz-Entscheidungen bezüglich der Erfahrungswelt zu vermitteln und den Rezipienten, nachdem er über die notwendige Information verfügt, zum Nachvollzug der Negativierung des Objekts im Sinne der Höherwertigkeit der Gegennorm zu veranlassen.

Das Durchsetzungsvermögen des Autors lässt sich unter der Kategorie der ›Autorität‹ des Satirikers erfassen. Sie kann außertextuell vorgegeben sein durch den sozialen Status, eine entsprechende Funktion, besondere Fähigkeiten oder Voraussetzungen (z. B. Erfahrungsreichtum und ›Blick hinter die Kulissen‹), durch Vertreten der von der jeweiligen Rezipientengruppe bereits akzeptierten Gegennorm. Die Autorität kann jedoch auch erst im Kommunikationsvorgang per Legitimation des Autors erworben werden: über den affektiven und kognitiven Gewinn, den der Satiriker dem Rezipienten durch die Art der Darstellung vermittelt.

Vor allem bei den Rezipientengruppen 2 und 4 können auch oppositionelle Gruppen, die Vertreter der Objektnorm, angesprochen sein. In diesem Fall bestünde das Kommunikationsziel darin, die Gruppe zur Akzeptanz der höherwertigen Gegennorm zu bringen und somit Konsens herzustellen. Ebenso ergibt sich die Möglichkeit der Polarisierung. Das Kommunikationsziel beschränkt sich dann auf Sichtbarmachen des Angriffs und der Position des Autors; Autor und Rezipient verbleiben jedoch im Dissens. Aber auch bei dieser Konstellation ist es notwendig, dass die Rezipienten Aggressivität gegenüber dem Objekt und das Engagement für die Gegennorm erkennen. Diese Haltungen werden jedoch nur operational übernommen, es kommt zu keiner Einstellungsänderung.

Insgesamt gesehen lässt sich die außertextuelle Beziehung zwischen Autor und Rezipient unter drei Perspektiven einordnen, die einander ergänzen oder überlagern können. Über die affektive Komponente werden Aggression, Engagement und Betroffenheit erfasst; kognitive Momente sind wichtig beim Erkennen und Einschätzen der Gegennorm und bei der Rückführung des ›transparent entstellten‹ Objekt-Abbildes auf die Objekt-Erfahrungen der Lebenspraxis. Schließlich spielen soziale Faktoren eine Rolle: Die Autorität des Autors muss vom Rezipienten ebenso akzeptiert sein wie die Aggression gegen das Objekt; der herzustellende Konsens ist ein soziales Faktum, das sowohl von affektiven wie kognitiven Momenten bestimmt wird. Welche Momente der Autor in der Trias ›affektiv, kognitiv, sozial‹ ansprechen oder besonders gewichten will, hängt von der Einschätzung des Objekts und der Rezipienten ab. Die vortextuellen Entscheidungsprozesse des Autors im Bezug auf den Objektbereich, das intendierte Ziel, die damit verbundene Wirkungsabsicht und den angesprochenen Rezipientenkreis prägen die Entwicklung und die Interaktion der konstitutiven Merkmale der Schreibweise auf der Strategie-Ebene. Die außertextuell gültigen Einstellungen und Entscheidungen des Autors gehen als ›Intentionalität‹ und ›Strategie‹ in die Organisation des Textes ein, wobei die Instanz des ›abstrakten (impliziten) Autors‹ und des ›abstrakten (impliziten) Adressaten‹ als Strukturelemente im satirischen Text anzusehen sind.

4.2. ›Strategie‹ als Entfaltung des Verhältnisses von Autor und Rezipient

»Strategie«76 kann auf Grund ihrer Mittlerfunktion zwischen dem außertextuellen Bereich und der Tiefenstruktur des Textes als integratives Moment für die Verbindung praktischer Wirkungsabsicht mit dem poetischen Status des zu konstruierenden Textes gesehen werden. Sie steuert zweckgerichtet den Aufbau der ›Textwelt‹, unterliegt dabei den spezifischen Konventionen der satirischen Schreibweise und den jeweils geltenden kulturellen Bedingungen des künstlerischen Textes; sie ist jedoch nicht mehr gebunden an die Bedingungen der Erfahrungswelt, auf die im Text referiert wird. Dabei sind für den Begriff ›Strategie‹ zwei Elemente zu unterscheiden: »die Realisierung von Intention« und die »Durchsetzung bestimmter Zielvorstellungen.«77 Die Intention des satirischen Autors wird über die Strategie zur Strukturgröße der textinternen Intentionalität, die »Durchsetzung bestimmter Zielvorstellungen« zeigt sich für die Zweckgerichtetheit satirischer Schreibweise im bewertenden Einbringen der außertextuellen Voraussetzungen und der Reflexion zu den besonderen Bedingungen der Kommunikationshandlung. Unter den Begriff der Strategie fallen damit noch nicht die einzelnen Strategien, die im Mitteilungsvorgang zur Realisierung dieser beiden wichtigen Aspekte dienen. Die konstitutiven Merkmale der satirischen Schreibweise bestimmen sowohl die prinzipielle Strategie zur Gestaltung der satirischen Kommunikationssituation wie auch die einzelnen Strategien zur Organisation des Textes.

Die satirische Informationsvermittlung ist durch die dominante Redetaktik der Überredung und Überzeugung gekennzeichnet. Die persuasive Kommunikation wird definiert als »eine persuasiv funktionalisierte Sequenz von Sprechakten, in denen vermittels sprachlicher Argumente die Kommunikationspartner sich wechselseitig zu beeinflussen versuchen mit dem Ziel, durch adäquaten Meinungswandel einen Konsens herzustellen«78 – im Sinne einer Bestätigung von Bewertungen oder eines diesbezüglichen Meinungswandels. Alle Strategien, die zur Realisierung dieses Zieles führen, unterliegen somit dem Prinzip der persuasio. Diese kann sowohl auf »intellektuelle Überzeugung«79 als auch auf »affektivische Zustimmung«80 zielen. Welche Strategie gewählt wird, hängt von der intendierten Rezipientengruppe, dem Gegenstand und der Position des Autors ab, aber auch von der Wahl der primären Schreibweise. In die Strategie sind vom Autor auch Kontrollen einzubringen, um ihr Gelingen zu sichern. Folgende Schritte sind im Hinblick auf das Kommunikationsziel abstrahierend zu unterscheiden (sie können in der Praxis unterschiedlich gewichtet und aufeinander bezogen werden): Kennzeichnen der Objektnorm; Ansprechen oder Einbringen der Gegennorm, Feststellen der Normabweichung beim Objekt, Ausweis der Überlegenheit der Gegennorm, Negativierung der Objektnorm. Diese Operationen vollziehen sich unter der Vorgabe der transparenten Entstellung des Objekts. Sie hilft dazu, die Geltung der Objektnorm in Frage zu stellen, sie disponibel zu machen. Dabei gilt es, im entstellenden Abbild den repräsentierten außertextuellen Objektbereich zu erkennen und zu bewerten.

4.3. Die Akzentuierung der Zeichenfunktionen in satirischen Texten81

Die satirische Schreibweise ist auf Grund ihrer spezifischen Intentionalität und Zweckgerichtetheit in der verstärkten Orientierung am Rezipienten vor allem mit der referentiellen und appellativen Zeichenfunktion (im Sinne R. Jakobsons) verbunden. Die poetische Zeichenfunktion literarischer Texte82 wird bei dieser Schreibweise in besonderer Ausprägung realisiert. In der satirischen Schreibart verweist das Abbildungsverfahren der transparenten Entstellung in unterschiedlicher Intensität auch auf sich selbst (als künstlerische Leistung), diese Entstellung soll jedoch zum einen – referentiell – stets auf das ›entstellte Objekt‹ bezogen werden, zum anderen erfolgt sie appellativ zu einem bestimmten Zweck. Der phatischen Zeichenfunktion kommt bei satirischen Texten deshalb Bedeutung zu, weil sie dazu hilft, die permanente Interaktion zwischen Autor und Rezipient einzuleiten und aufrecht zu erhalten, was von besonderer Bedeutung bei Divergenz in der Einstellung zum Objekt der Satire ist. Die Akzentuierung der emotiven Funktion kann dazu helfen, Solidarität mit dem Autor herzustellen. Inwieweit die appellative, die emotive und die phatische Funktion besonders betont werden, hängt vom intendierten Rezipientenkreis ab. Konstitutiv für alle Umsetzungen der satirischen Schreibweise ist hingegen die Spannung zwischen referentieller und poetischer Funktion.

Die erste Gruppe der möglichen Rezipienten wurde (in Abschnitt 4.1) durch die Merkmale ›Interesse, vorhandene Information und Einverständnis gegenüber der Bewertung des Objekts und der Höherwertigkeit der Gegennorm‹ bestimmt. Ziel der satirischen Kommunikation ist dabei die Erprobung und Bestätigung eines bereits vorhandenen Konsensus. Die Intentionalität der satirischen Schreibweise wird deshalb in entsprechenden Texten nicht dominant durch das Prinzip der persuasio umgesetzt. Als Vermittlungsziel kann bereits Entfaltung und Nachvollzug von Aggression gegenüber den abgelehnten Objekten gesehen werden. Dadurch, dass es nicht mehr um die Überredung des Rezipienten geht, sondern um eine Selbstdarstellung des Autors und der Potenz der Gegennorm, wird die appellative Zeichenfunktion weniger stark akzentuiert. Dominant für diese Art der Realisierung satirischer Schreibweise kann die emotive Funktion werden, es kommt zu Überlagerungen mit der sekundären Schreibweise der Invektive (vgl. Abschnitt 2.1).

Die zweite und vierte Rezipientengruppe wurden dadurch charakterisiert, dass über die Kommunikation auf der Basis des satirischen Textes eine Einstellungsänderung herbeigeführt und zur Akzeptanz der Höherwertigkeit der Gegennorm bewogen werden muss. Um dieses Kommunikationsziel zu erreichen, ist das dominante Strategie-Prinzip, die persuasio, verbunden mit der verstärkten Ausrichtung auf den Empfänger: Die appellative Funktion dominiert. Dazu kommt die Möglichkeit, explizite Appelle des Autors an die Rezipienten textuell zu vermitteln, um die kritische Intentionalität zu bezeichnen und die intendierte Wirkung zu verstärken; die emotive Funktion ist in solchen Konstellationen reduziert.

Im Fall der dritten Gruppe wird die referentielle Funktion zu verstärken sein, um die Rezipienten hinreichend mit Informationen über den Objektbereich zu versorgen. Die appellative Funktion kann eingeschränkt werden, da bereits Konsens über die Höherwertigkeit der Gegennorm besteht.

4.4. Die textuelle Integration außertextueller Wirklichkeit

Grundsätzlich gelingt die Überredung nur durch eine hinreichende und unterstützende Informationsvergabe über Objektwelt und Gegennorm auf der textuellen Ebene. Die zweckgerichtete Auswahl von Elementen der Erfahrungswirklichkeit und ihre manipulierende Kombination in der Organisation des Textes dienen mit Hilfe der transparenten Entstellung der persuasio. Damit wird das Ziel verfolgt, positive Bewertungen (des eigentlich Anzugreifenden) durch die Adressaten zu verhindern, wobei oft durch die Redundanz von negativierender Information eine »Überdetermination«83 entsteht, die Bewertungsambivalenz verhindert und somit die Wirkungssicherung unterstützt. Welche Teilstrategien der transparenten Entstellung im einzelnen angewendet werden, ergibt sich aus der Einschätzung des jeweiligen Objektbereichs und der darauf zu beziehenden Kommunikationssituation.

Das Verfahren der transparenten Entstellung bezeichnet die schreibweise-spezifische Selektion und Kombination von Wirklichkeitselementen. Ergänzend zur Verwendung des Begriffs bei Preisendanz sind hier die folgenden Aspekte herauszustellen. Die Entstellung bezieht sich auf die vorherrschende Wahrnehmung und Bewertung des Objekts in einem soziokulturellen Kontext. Sie reagiert also auf bestimmte soziale Vorgaben, die als Präsuppositionen in den Text eingehen. Die künstlerische Leistung besteht zum einen in der herzustellenden Transparenz des Abbilds zum Objekt, zum anderen im erfolgreichen Kalkül dieser Entstellung im Hinblick auf die Negativierung des Objekts und der Objektnorm. Voraussetzung ist dabei, dass vom Rezipienten das Verfahren der Entstellung akzeptiert wird.

Im Sinne der Intentionalität satirischer Schreibart ist es nicht entscheidend, ob das Abbild in der Entstellung der gewohnten Wahrnehmung des Objekts zu einem neuen ›Objektbild‹ führt. Wichtig ist, dass dem Rezipienten durch die transparente Entstellung ›Lustgewinn‹ vermittelt wird: Freude am sprachmächtigen Umgang eines Satirikers mit seinem Gegenstand, Gewinn in affektiver, kognitiver oder sozialer Erfahrung (vgl. dazu Abschnitt 5). Dieser Lustgewinn ist in der Regel komplexer Art, er bezieht sich auf die Gesamterfahrung ›ästhetisch sozialisierter Aggression‹. Die Entstellung soll also sowohl transparent als auch folgenreich und akzeptabel für den Rezipienten sein.84 Teilstrategien zur Durchführung der transparenten Entstellung sind Verfahren der Verfremdung und Abweichung,85 der generalisierenden Abstraktion oder der konkretisierenden Partialität, der Ersetzung, Verzerrung und Vertauschung von Teilen des Objekts in seinem Abbild.

Zusammenfassend: Die transparente Entstellung erfolgt durch sprachliche Umsetzung von Aggression zum Zweck der Negativierung des abgebildeten Objekts (oder zur Bestätigung einer solchen Einstellung) unter dem Rechtfertigungsaspekt von erweitertem oder bestätigtem Wissen sowie einem Überlegenheits- oder Entlastungsgefühl gegenüber dem Objekt. Es gehört in der Regel zu den Konventionen der satirischen Kommunikation, dass diese Verfahren der Reduktion auf das Typische oder der Verallgemeinerung zugunsten des Wesentlichen ohne explizite Begründung des Satirikers zulässig sind. Vielfach werden die Konventionen zu Beginn der Kommunikation abgerufen durch zitierende Formeln oder Signale, die auf die satirische Intentionen verweisen.

4.5. Objektnorm und Gegennorm als Bezugspunkte für die außertextuelle Wirklichkeit

Das Problem des Verhältnisses von Objekt- und Gegennorm muss in die textuelle Integration von Wirklichkeitserfahrungen einbezogen werden, »denn die im literarischen Text repräsentierten Normen« stellen nach Kanzog »die entscheidende Verbindung zur gesellschaftlichen Realität her.«86 Dabei ist ein spannungsreicher Normbezug auf der Ebene der Tiefenstruktur anzusetzen (vgl. Abb. 3);87 er wird über die referentielle Funktion des Textes mit Wirklichkeitserfahrungen konkretisiert. Für die Strukturierung dieses Normbezugs ergibt sich für die satirische Schreibweise das konstitutive Merkmal der Spannung zwischen Gegenstandsnorm und Objektnorm, die zugunsten der höherwertigen Gegennorm aufgelöst werden soll. Im Rekurs auf die außertextuelle Wirklichkeit verläuft die Informationsvergabe deshalb zwischen den Polen von Objekt- und Gegennorm; sie ist sowohl auf außertextuelle Gegebenheiten bezogen als auch textspezifisch unter den Aspekten der Überlegenheit der Gegennorm organisiert.

Auf Grund der Vorentscheidung des Autors zugunsten der Gegennorm – die nicht mit der Einstellung des Rezipienten übereinstimmen muss – kann sich eine Differenz zwischen textimmanenten und textextern geltenden Bewertungen ergeben. Für die literatursatirische Kommunikation kann es als ästhetische Herausforderung gelten, wenn die beiden Wertskalen sich nicht decken.88 Eine solche Aussage kann in bestimmten literarhistorischen Konstellationen prinzipiell für literarische Texte relevant sein; sie hat jedoch auch dann für ›Satire‹ besonderes Gewicht, da das Spannungsverhältnis zwischen realer Positivität der Objektnorm und deren Negativierung in der Fiktionswelt mit Hilfe von überzeugenden Legitimationen der Gegennorm aufgelöst werden soll. Welche Norm, welches »Normspektrum«89 und welche Kombinationen von Objekt- und Gegennorm aus der Erfahrungswelt textuell realisiert werden, hängt ab von der Zweckorientierung in der satirischen Schreibweise und von der Wahl der primären Schreibweise (und den daraus resultierenden textuellen Strukturen).

Zum literaturwissenschaftlichen Umgang mit dem Norm-Begriff kann hier keine Auseinandersetzung mit Definitionen und Verfahren der Sozialwissenschaften eingeschaltet werden, doch ist zu verdeutlichen, dass in unserem Beschreibungsmodell ›Norm‹ ebenso wie ›Autor‹ und ›Rezipient‹ in einem Doppelstatus gebraucht werden – also sowohl im Hinblick auf außertextuell vorgegebene soziale Normen (einschließlich von ästhetischen Normen, die wegen ihrer begrenzten Durchsetzungsfähigkeit eher als ›Konventionen‹ zu bezeichnen wären) als auch auf das textuelle Normen-System, in dem die sozialen Normen ›literarisiert‹ eingehen und in einen textspezifischen Begründungszusammenhang gestellt werden.90

Der Objektnorm entspricht in der Regel ein außertextuelles Korrelat von sozialer Relevanz. Bei der Gegennorm wird dies häufig der Fall sein, sie kann jedoch auch erst durch spezifische Organisation von Wirklichkeitselementen im Kommunikationsprozess konstituiert oder als ›Leerstelle‹ angelegt sein, die der Rezipient unter dem Gesichtspunkt der Ablehnung der Objektnorm ›ex negativo‹ auffüllen muss. Damit ist die – für die Praxis der Satire konventionalisierte – Frage gestellt: »Wo bleibt das Positive?« Die Gegennorm muss nicht explizit in den Text eingebracht werden, aber sie muss für die Entwicklung der satirischen Strategie funktional angelegt und gedacht sein. Inwieweit die Gegennorm expliziert wird, ist von den historischen Konstellationen und der Einschätzung der Kommunikationssituation durch den Satiriker abhängig. Der Satiriker wird beispielsweise durch Explikation der Gegennorm seine Autorität sichern, den soziokulturell bedingten Geltungsansprüchen des Objektbereichs begegnen oder Verständigungshilfen bei elaborierten Verfahren geben. Aber auch außertextuelle Bedingungen – wie mögliche Sanktionen gegenüber den beanspruchten Orientierungsleistungen der Gegennorm – beeinflussen ihre textuell realisierte Präsenz im Kommunikationsprozess.

Die Eindeutigkeit des Angriffs und die Kontur der Gegennorm können in der Darstellung aus taktischen Gründen verschleiert sein. Sie sind jedoch im Hinblick auf das Objekt und den Rezipienten in der Strategie des Autors stets sichtbar. Die Gegennorm kann sich als außertextuelles Wissen auf kulturelle Konventionen beziehen, die durch bestimmte Begriffe nur zitierend abgerufen werden (vgl. beispielsweise die theologische Festlegung des Begriffs ›Narr‹ im Spätmittelalter und dessen literarische Umbesetzung), sie kann aber auch erst im Rahmen der Kommunikationshandlung entwickelt werden. Die Gegennorm muss sich nicht auf eine konkrete Position (etwa weltanschaulicher Art) beziehen. Sie kann auch auf ein abstraktes Prinzip (wie etwa ›Verpflichtung zur Wahrheit‹) ausgerichtet sein – der Satiriker will dann einen dem Objekt soziokulturell zugeordneten Anspruch zugunsten der von ihm postulierten ›Eigentlichkeit‹ des Objektes bestreiten.

Im Gegensatz zu Preisendanz bevorzugen wir hier der Begriff der Negativierung (gegenüber Negation und Negativität) zur Beschreibung der satirischen Intentionalität. Damit soll die Prozessualität der satirischen Kommunikation (die oft erst zu erreichende Überzeugung des Adressaten) betont werden. Negativierung ist also ein Prozess, der auf die funktionale Notwendigkeit einer Gegennorm ausgerichtet ist, während Negation nur die Ablehnung des Objektanspruchs meint. Diese Argumentation belegt die Notwendigkeit, in der Tiefenstruktur der satirischen Schreibweise die Normenkonkurrenz als konstitutives Merkmal einzusetzen, die dann über die satirischen Strategien zugunsten der Gegennorm aufgehoben wird. Die Aggression gegen die Objektnorm wird textuell oft dadurch gerechtfertigt, dass ihre Geltungsansprüche im Vergleich mit der Erfahrungswirklichkeit noch gesteigert werden, so dass sie bedrohlich wirken. Im textuell basierten Kommunikationsablauf wird eine positive Bewertung der Objektnorm in Frage gestellt und in Spannung zur Gegennorm gesetzt. Auch wo sie zunächst in ironischer Bestätigung erscheint, ist im Hinblick auf das Vertauschungsprinzip der Ironie die Normenkonkurrenz gegenwärtig.

Für das Gelingen der satirischen Kommunikation ist notwendig, dass der Rezipient im Kommunikationsprozess (nicht unbedingt in der realen Einstellung der Lebenspraxis) die Gegennorm zumindest probehalber übernimmt und einsetzt, um die Strategie der Darstellung nachzuvollziehen. Ob dieses Verhalten auch Konsequenzen für seine reale Einstellung hat, ist im Kommunikationsvorgang zunächst von sekundärer Bedeutung. Diese Konstellation erklärt, warum satirische Intentionalität auch von Rezipienten nachvollzogen werden können, die nicht die Normen-Position des Autors teilen.

4.6. Informationsvergabe und satirischer Wirklichkeitsbezug

Im Vorgang der Informationsvergabe muss der satirische Wirklichkeitsbezug in der Ablehnung der Objektnorm und in der Verpflichtung zugunsten der Gegennorm hergestellt werden. Im Hinblick auf die skizzierten Rezipientengruppen 1 bis 4 (vgl. Abb. 5) ist es notwendig, Verfahrensweisen der Informationsvergabe unter den Aspekten von »nennend-implizierenden« und »darstellend-transparenten« Darstellungen des Objektbereichs zu unterscheiden (vgl. auch Abschnitt 3.4).

Für die erste Rezipientengruppe ist der Aufwand in der Informationsvergabe auf der textuellen Ebene gering, da die Adressaten über die notwendigen Informationen bereits verfügen. Der satirische Wirklichkeitsbezug kann somit ein nennend-implizierender sein, der vorhandene Information präsupponiert und funktionalisiert. Die Informationen, die sich auf die Geltung der Gegennorm und die kritische Bewertung des Objektbereichs beziehen, können sowohl explizit als auch implizit vermittelt werden. Soll vor allem ein bereits gegebener Konsensus bestätigt werden, können Bewertung und Gegennorm auch implizit erscheinen. Sollen jedoch beim Rezipienten Handlungen ausgelöst werden, werden Gegennorm und Wertungen zumeist explizit vermittelt.

Für die zweite Rezipientengruppe ist sowohl der nennend-implizierende als auch der darstellend-transparente Wirklichkeitsbezug möglich. Da diese Gruppe die notwendigen Informationen zum Nachvollzug der satirischen Absichten bereits besitzt, kann das notwendige Wissen im Sinne von Titzmanns Vorgaben für Strukturale Textanalyse als ›pragmatische Präsuppositionen‹ (vgl. S. 283)91 einbezogen werden. Zusätzlich können Teilstrategien des darstellend-transparenten Wirklichkeitsbezugs genutzt werden; sie objektivieren die Aggressivität des Autors und wirken auf die Einstellungen der Rezipienten. Für die dritte und vierte Rezipientengruppe erweist sich der darstellend-transparente Wirklichkeitsbezug als funktional notwendig, da hiermit sowohl Information geliefert als auch in der Entfaltung der Objektnorm-Gegennorm-Spannung die Wertungsposition aufgebaut wird. Konsensus ist durch ausreichende und explizierende Informationsvergabe und dadurch nachvollziehbaren Bewertungen herzustellen.

4.7. Präsuppositionen und satirischer Wirklichkeitsbezug

Die Strategien des nennend-implizierenden und des darstellend-transparenten Wirklichkeitsbezugs sind in Verbindung mit dem Problem der pragmatischen Präsuppositionen und dem »faktisch relevanten kulturellen Wissen« (ebd.) zu sehen. »Jeder Text präsupponiert pragmatisch das Wissen der Kultur, der er angehört« (S. 268), wobei in der Regel für die literarische Kommunikation nur Teilmengen dieses Wissens für die Texterzeugung vorausgesetzt werden (vgl. S. 272). Pragmatische Präsuppositionen, die für den jeweiligen Kommunikationsprozess als faktisch relevantes Wissen gelten, können in zwei Teilmengen gegliedert werden: einmal in »textuelle Propositionen«, »die sich aus den Textdaten ableiten lassen« (S. 268) und einmal in »kulturelle Propositionen«, die »außertextuelles Wissen repräsentieren« (ebd.).

Die Strategie des nennend-implizierenden satirischen Wirklichkeitsbezugs setzt außertextuelles Wissen (als kulturelle Proposition) voraus, das im satirischen Text nur mehr implizit funktionalisiert und – im Sinne der satirischen Tendenz – einer Wertung unterzogen wird. Ohne textuellen Rückbezug auf dieses Wissen wird der nennend-implizierende Wirklichkeitsbezug funktionslos: Die Mitteilung wird ›hermetisch‹, die satirische Intention ist nicht mehr nachvollziehbar. Erst dann, wenn in einer zusätzlichen (in der Regel) außerliterarischen Kommunikationshandlung das Wissen vermittelt wird, gelingt die satirische Kommunikation. Ein solches Wissensdefizit kann bei zeitgenössischen Rezipienten innerhalb eines Kulturkreises auftreten, besonders häufig entsteht es bei zeitlich oder kulturell versetzten Rezeptionen.

Auch der darstellend-transparente Wirklichkeitsbezug präsupponiert Teilmengen kulturellen Wissens im Bezug auf den zu kritisierenden Objektbereich. Doch werden diese pragmatischen Präsuppositionen in der Regel als textuelle Propositionen realisiert: Das notwendige Wissen ist aus den ›Textgegebenheiten‹ abzuleiten; das entsprechende außertextuell organisierte Wissen ist nur potentiell, nicht aber faktisch relevant. Für einen Text der satirischen Schreibweise sollen im Hinblick auf textuelle Propositionen folgende Überlegungen gelten: In der transparenten Entstellung des Objekts kann der Wirklichkeitsbezug nicht unmittelbar mit dem geltenden kulturellen Wissen gesichert sein; er kann in der Rückführung der Entstellung (in Kenntnis der negativierenden Absicht des Autors) erreicht werden. Im Rekurs auf das besondere Wertsystem des satirischen Textes und die Auswirkungen der entstellenden Verfahrensweise ist aus den textuellen Propositionen ein potentiell relevantes außertextuelles Wissen zu erschließen; dadurch können die aggressive Tendenz der Entstellung und die negative Bewertung nachvollzogen werden. Im Vergleich mit dem aktuell geltenden kulturellen Wissen zum jeweiligen Objektbereich wird die satirische Absicht erkennbar und wirkungsvoll; sie kann akzeptiert oder abgelehnt werden.

Auf Grund der notwendigen Integration von historisch und soziokulturell relevantem Wissen in den Darstellungsverfahren und Bewertungen des Objektbereichs literatursatirischer Kommunikation wird die (Re-)Konstruktion der satirischen Intention mit zunehmendem zeitlichen Abstand zur Entstehung entsprechender Texte häufig erschwert, da das präsupponierte kulturelle Wissen durch Zusatzinformationen erschlossen werden muss. Aber auch wenn hinreichend Information vorhanden ist, um »Dunkelstellen«92 erhellen zu können, ist der satirische Angriff oft nur als abstrakte Konfiguration der Strategie-Ebene nachzuvollziehen. Die pragmatische Funktion kann dann nicht im Herstellen von Betroffenheit oder in Einstellungsänderungen eingelöst werden, da der jeweilige Objektbereich seine Aktualität verloren hat. In dieser Hinsicht werden die Grenzen des hier vorgestellten Beschreibungsmodells erneut deutlich. Es hat einen heuristischen Anspruch für die Analyse von Struktur und Funktionen satirischer Texte; für die Beschreibung und Erklärung konkret vollzogener Textlektüren und ihrer Folgen sind außertextuell zu sichernde Informationen heranzuziehen.

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5. Zur Typologie satirischer Produktion und Pragmatik

Soweit aus der spezifischen Konzeption der literatursatirischen Kommunikation Annahmen zu typischen Konstellationen für die Pragmatik der Texte in ihrer konkreten Rezeption abzuleiten waren, ist dies in Abschnitt 4 geschehen. Mit Erfahrungen zur historischen Entwicklung der satirischen Schreibweise wären diese Aussagen zu präzisieren und zu erweitern. Dies bleibt die Aufgabe einer ›Geschichte der Satire‹, die für die deutschsprachige Literatur noch zu schreiben ist. In das theoretische Konzept dieses Beitrags sollen deshalb nur einige Hinweise zu möglichen Abstraktionen für historische Konstellationen einbezogen werden – als Ansatzpunkte für noch zu erstellende Typologien der Erzeugung satirischer Texte und ihrer beabsichtigten Wirkungen.

Eine erste Typologie betrifft die Produktionssituation. Es war schon im Eingang dieses Beitrags herausgestellt worden, dass Satire als Handlung literarischer Kommunikation stets in einen sozialen Zusammenhang einbezogen und durch entsprechende Vorgaben, Einstellungen und Erwartungen institutionalisiert ist. Dazu gehören auch die Rollenbilder für den Satiriker als öffentlich agierender literarischer Aggressor und Kritiker, die sich in Anlehnung an traditionsprägende Autoren (Persius, Juvenal, Horaz) und an Aktionen der Selbstexplikation des Satirikers in der literarischen Tradition herausgebildet haben.

Diese Rollenbilder schließen Aussagen über die persönliche Motivation des Satirikers, seine gesellschaftliche Legitimation, seine Verfahrensweisen und seine Wirkungszuversicht ein. Gemeint sind Formeln und Selbstcharakteristiken wie »satiram non scribere difficile est«, »ridendo dicere verum«, »die Arznei in verzuckerter Pille verabreichen«, »die Narren peitschen«, »ein Arzt am Leibe der Menschheit sein«, »wie ich euch hasse«, »der Nörgler«, »wir Negativen«. Diese zunächst persönlichen Aussagen wurden in der literarischen Tradition als Elemente möglicher Rollenbilder zu Konventionen; sie können durch Zitat in Motti, Bilddarstellungen und Paratexten abgerufen werden, um im sozialen Kontext Einstellung, Verfahren oder Wirkungsabsichten des Satirikers darzustellen. Das nachstehende Schema versucht die wichtigsten Rollenbilder der Satire-Geschichte in einem Bezugsrahmen einzuordnen; die Pfeilverbindungen zwischen den Plus- und Minuszeichen bezeichnen Übergänge zwischen den Extremen.

Abb. 6: Satiriker-Rollen

Weitere Möglichkeiten zu abstrahierenden Typologien, die das historische Material ordnen und in Beziehung setzen können, ergeben sich im Anschluss an die Gruppen möglicher Rezipienten, deren Abgrenzung im Beschreibungsmodell systematisch entwickelt wurde (vgl. Abschnitt 4.1). Die folgende Typologie betrifft strategische Verfahren im Hinblick auf mögliche affektive, kognitive und soziale Wirkungen beim Rezipienten; die bereits beschriebenen vier Rezipientengruppen werden zugeordnet.

Abb. 7: Strategien in der Satire-Kommunikation

Den historischen Erfahrungen gemäß liegen die Schwerpunkte der satirischen Aktivität in den Gruppen 1 und 2. Für die Vermittlung von Information (wichtigstes Problem in Gruppe 3) kann nichtliterarische Kommunikation zuverlässiger eingesetzt werden; so findet man beispielsweise im Kabarett der Gegenwart oft nicht-literarische Kommunikationshandlungen zur Vermittlung unterdrückter Information. Gruppe 4 wird selten zur eigentlichen Zielgruppe des Satirikers.

Abstrahierend kann man drei Möglichkeiten sozialer Konkretisation des Strategie-Elements ›Konsens‹ voneinander abgrenzen, die in der Praxis zumeist ineinander übergehen: die Entrüstungsgemeinschaft (affektiv akzentuiert), die Meinungsgemeinschaft (kognitiv akzentuiert) und die Handlungsgemeinschaft (lebenspraktisch akzentuiert). Realiter ist die Wirkung satirischer Kommunikationshandlungen zumeist auf die beiden erstgenannten Konstellationen beschränkt: Die bereits bestehende Überlegenheit der Rezipienten gegenüber den Objekten der Satire wird durch den ›Lustgewinn‹ der gemeinsamen und sprachmächtigen Negativierung der Objekte sowohl affektiv als auch kognitiv stabilisiert, oder die Bedrohungs- und Ohnmachtserfahrungen gegenüber den Ansprüchen des satirischen Objektbereichs werden durch Mobilisierung affektiver und kognitiver Energie sowie durch Solidarisierungserfahrungen vermindert oder abgebaut.

Das Gelingen der Kommunikation ist oft auf das Auslösen von Lachen angelegt. Lachen erscheint als Zeichen der Erleichterung durch Affektentladung oder als Signal der Freude über einen kognitiven und/oder sozialen Gewinn (durch Wissenserweiterung, Norm-Bestätigung und Gemeinschaftsbildung). Das Lachen bezeichnet die individuelle Entlastung von den Mühen abweichender Erfahrung und Bewertung eines Objekts in sozialen Kontexten. Zugleich ist es Ausdruck für bestätigte oder neu gewonnene Überlegenheit; es signalisiert das Einverständnis zwischen Autor und Rezipient.

Innerhalb des Gesamtzusammenhangs eines ›sozialen Systems‹ können satirische Kommunikationshandlungen (je nach Art ihrer Institutionalisierung) funktionale und dysfunktionale Wirkungen haben:

(1) In der satirischen Kommunikation beweist sich die Geltung eines bestehenden Wertesystems durch Negativierung von Positionen der Abweichung (konsolidierende Funktion der Satire). (2) Die satirische Kommunikation entwickelt Entlastungsfunktionen (›Sozialhygiene‹) im Abbau eines Affektstaus gegenüber den Ansprüchen der gesellschaftlich etablierten Objektnorm. Durch deren Negativierung in der satirischen Kommunikationshandlung kommt es zur affektiven Erleichterung, unter Umständen auch zu kognitivem Gewinn; an der realen Geltung der Objektnorm ändert sich allerdings nichts (systemstabilisierende Funktion der Satire). (3) Die satirische Kommunikation provoziert das soziale System zum partiellen Abbau von Sanktionen und Restriktionen angesichts der Infragestellung der gesellschaftlich etablierten Objektnorm; ihre Negativierung in der Satire hat zur Folge, dass der Freiraum für ›abweichendes Verhalten‹ ausgedehnt wird: Es werden assimilierende und adaptierende Reaktionen des sozialen Systems ausgelöst; die Objektnorm gilt jedoch im Wesentlichen weiterhin (›lindernde‹ Funktion der Satire). (4) Die satirische Kommunikation wird zur symbolischen Handlung des Protests und der Rebellion gegen den gesellschaftlich verankerten Anspruch der (negativen) Objektnorm; diesen symbolischen Handlungen soll Aktionen in der Lebenspraxis folgen (appellative Funktion der Satire). (5) Mit Hilfe satirischer Kommunikation wird in Situationen der sozialen und normativen Destabilisierung durch Herausstellen und Bestätigen der Gegennorm in symbolischen Handlungen die Geltung neuer Normen vorbereitet (reformierende Funktion der Satire).

Diese Typologie möglicher lebenspraktischer Wirkungen satirischer Kommunikation könnte dazu helfen, bestimmte Konstellationen in der Geschichte der Satire unter sozialhistorischen Perspektiven zu analysieren. Der Anspruch unseres Beschreibungsmodells besteht auch darin, solche Perspektiven aufnehmen und bis in die Textanalyse verlängern zu können. Auf diesem Weg sollten Ergebnisse erreicht werden, die verdeutlichen, dass Literatur nicht nur in Abhängigkeit von ›Kontexten‹ reagiert, sondern auch aus der Eigengesetzlichkeit literarischer Textkonstruktion Erkenntnis- und Handlungspotential gegenüber den materiellen und ideellen Bedingungen solcher Kontexte freisetzen kann.

Zur Inhaltsübersicht

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Inhaltsübersicht

Vorwort

1. Probleme der Satire-Theorie

2. Entwurf des Beschreibungsmodells
2.1. Die Ebene der Tiefenstruktur
Exkurs zu ›sekundären Schreibweisen‹
2.2. Die Strategie-Ebene
2.3. Die Repräsentanzebene

3. Relation des Modells zu den Forschungsbeiträgen von J. Brummack, K. W. Hempfer, I. Hantsch und W. Preisendanz
3.1. Zu Jürgen Brummack
3.2. Zu Klaus W. Hempfer
3.3. Zu Ingrid Hantsch
Exkurs zum Problem des Wirklichkeitsbezugs von Satire
3.4. Zu Wolfgang Preisendanz

4. Explikation des Modells im Detail
4.1. Das Verhältnis von Autor und Rezipient als Problem satirischer Kommunikation
4.2. ›Strategie‹ als Entfaltung des Verhältnisses von Autor und Rezipient
4.3. Die Akzentuierung der Zeichenfunktionen in satirischen Texten
4.4. Die textuelle Integration außertextueller Wirklichkeit
4.5. Objektnorm und Gegennorm als Bezugspunkte für die außertextuelle Wirklichkeit
4.6. Informationsvergabe und satirischer Wirklichkeitsbezug
4.7. Präsuppositionen und satirischer Wirklichkeitsbezug

5. Zur Typologie satirischer Produktion und Pragmatik

Literaturverzeichnis

  • 1. Ich habe – 30 Jahre später – vor dieser Veröffentlichung vergeblich versucht, mit Recherchen im WWW Kontakt zu meiner damaligen Co-Autorin herzustellen. Das Modell von 1980 habe ich für diese Veröffentlichung nun ›im Alleingang‹ stilistisch bearbeitet und gekürzt.
  • 2. Eine erheblich vereinfachende Ausarbeitung des hier vorgestellten Modells habe ich vorgestellt unter dem Titel »Zur Definition und Analyse von Satire am Beispiel von Herbert Heckmanns Lebenslauf eines Germanisten in aufsteigender Linie (1969)« in meiner Publikation Perspektiven zur Sozialgeschichte der Literatur. Beiträge zu Theorie und Praxis (Tübingen 2007). Vgl. zur ›Anwendung‹ des Modells die (für Mai 2011 geplante) Publikation meiner Habilitationsschrift Satirische Aufklärung. Konstellationen und Krise des satirischen Erzählens in der deutschen Literatur der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts (eingereicht 1976 bei der Philosophischen Fakultät der Universität München) unter www.goethezeitportal.de.
  • 3. Vgl. insbesondere Siebert: Heinrich Mann. – Bibliographische Angaben zu Verweisen im Haupttext erfolgen in den Fußnoten mit ›Name: Kurztitel‹; die vollständigen Angaben finden sich im abschließenden Literaturverzeichnis.
  • 4. Vgl. dazu insbesondere Brummack: »Satire« 2003; Hanuscheck: »Satire«; mit Erweiterungen Meyer-Sickendiek: »Satire«; ders.: »Theorien des Satirischen«.
  • 5. Vgl. beispielsweise Könneker: Satire im 16. Jahrhundert; Trappen: Grimmelshausen; Deupmann: ›Furor satiricus‹; Weiß: Swift; Košenina: Gelehrtensatire; Classen: Satirisches Erzählen im 20. Jahrhundert; Braese: Satire und NS-Faschismus; Wilhelm: Literarische Satire in der SBZ/DDR; Zehrer: Dialektik der Satire; Künzel: Gisela Elsner.
  • 6. Vgl. für die deutschsprachige Literaturwissenschaft etwa Schwind: Satire; Mahler: Moderne Satireforschung; Riha: Kritik, Parodie, Satire.
  • 7. Burkhard Meyer-Sickendieks Kommentar vom 22.04.2011, vgl. auch ders.: »Theorien des Satirischen«.
  • 8. Griffin: Satire, S. 35–94.
  • 9. Mahler: Moderne Satireforschung, S. 43. – Bezüglich der Mehrdeutigkeit der kommunikativen Funktion unterscheidet schon Könneker im Rekurs auf Schönert (Roman und Satire) und Gaier (Satire) zwischen der nennenden bzw. gelenkten und der darstellenden bzw. ungelenkten Satire: Während in der ungelenkten Satire der Autor in den Hintergrund tritt und dem Leser die Interpretation überlässt, versucht er in der gelenkten Satire, den Leser direkt zu überzeugen und zu belehren, wobei meist, wie in der Moralsatire, der Leser selbst das Ziel des satirischen Angriffs ist – Könneker: Satire im 16. Jahrhundert, S.15f.
  • 10. Lapp: Ironie, S. 24.
  • 11. Meyer-Sickendiek: »Satire«, S. 447.
  • 12. Vgl. Meyer-Sickendiek: Sarkasmus.
  • 13. Vgl. Weiß: Swift.
  • 14. Vgl. Stollmann: Groteske Aufklärung.
  • 15. Vgl. Košenina: Gelehrtensatire.
  • 16. Vgl. Walker: Ulrich von Hutten.
  • 17. Vgl. Riha: Kritik, Parodie, Satire.
  • 18. Vgl. etwa Brummack: »Satire«; Gaier: Satire; Hantsch: Semiotik des Erzählens; Hempfer: Tendenz und Ästhetik; Hempfer: Gattungstheorie; Hess: Narrenzunft; Meyer-Minnemann: »Theorie der Satire«; Preisendanz u. Warning: Das Komische; J. N. Schmidt: Swift und Pope; J. Schmidt: Prosasatire der Reformationszeit; P. L. Schmidt: »Römische Satire«.
  • 19. Vgl. etwa Brummack: »Satire«, S. 222: »Satire ist ästhetisch sozialisierte Aggression.« – Hempfer: Tendenz und Ästhetik, S. 34: »Satire ist funktionalisierte (mediatisierte) Ästhetik zum Ausdruck einer auf Wirkliches negativ und implizierend zielenden Tendenz.« – Hantsch: Semiotik des Erzählens, S. 55: »Die satirische Schreibweise definiert sich als semiotische Systemerstellung, verstehbar als kommunikativer Akt innerhalb der Dimensionen ›Autorintentionalität‹ und ›Hörerintellektualität‹, wobei die pragmatische Absichtlichkeit die semantische, syntaktische und ästhetische Information der Texte überlagert, sie funktionalisiert und mediatisiert, und dadurch subtextuell die sigmatische Beziehung zwischen Textwirklichkeit und empirischer Wirklichkeit zeichenhaft so regelt, daß letzterer gegenüber negativ wertende kritische Energie frei wird.«
  • 20. Vgl. etwa Gaier: Satire.
  • 21. Vgl. aktuell zusammenfassend zu ›Schreibweise‹ Hempfer: »Schreibweise (2)«. – In dem hier vorgestellten Modell wird der Singular ›die Satire‹ bzw. ›das Satirische‹ gleichwertig mit ›satirische Schreibweise‹ gebraucht.
  • 22. Vgl. Hempfer: Gattungstheorie, S. 127. – Auf der Basis der ›satirischen Schreibweise‹ können unterschiedliche Genre-Traditionen angelegt und in der Tradition des Satirischen institutionalisiert werden, wie beispielsweise die bis ins 17. Jahrhundert relevante Tradition der römischen Satire, der ›satura‹ (vgl. Schmidt: »Römische Satire«, S. 259) oder der ›satyra‹ (vgl. Hess: Narrenzunft, S. 17ff.), die wiederum zu Traditionslinien wie der Verssatire, des satirischen Epigramms, der Mennipea führt. Zeitlich jüngere Entwicklungen sind beispielsweise der satirische Pikaro-Roman, die Verlachkomödie oder die satirische Reisebeschreibung (vgl. dazu etwa Meyer-Minnemann: »Theorie der Satire«, S. 117f.).
  • 23. Literatursatirische Texte konstruieren zumeist fiktive Aussagesituationen; ihre ›Differenzqualität‹ zu nicht-literarischen Texten ist das Ergebnis soziokulturell etablierter Konventionen. Für solche satirische Texte gilt in der Rechtsprechung der Bundesrepublik Deutschland der sog. Kunstvorbehalt (mit bestimmten Einschränkungen, die aus den Schutzvorgaben des BGB und den Sanktionen des StGB resultieren). In der satirischen Fiktion wird dem Satiriker ›Lizenz‹ zugestanden zum manipulierenden Umgang mit seinen Objekten und zum ›Rollenspiel‹ auf der Aussage-Instanz. Allerdings kann es dabei zu Missverständnissen kommen, wenn entsprechende Signale zum Beanspruchen dieser Lizenz nicht wahrgenommen werden.
  • 24. Vgl. zu diesen Aspekten (hier eingangs genannte) Arbeiten neueren Datums wie etwa Mahler: Moderne Satireforschung oder Meyer-Sickendiek: »Satire«.
  • 25. Vgl. Meyer-Minnemann: »Theorie der Satire«, S. 133.
  • 26. Zu Aspekten der Kommunikationssituation, die als Elemente der Textwelt realisiert werden, gehören beispielsweise Hinweise auf die Motivation des Satirikers und/oder seine Wirkungsabsichten – vgl. Schmidt: Prosasatire der Reformationszeit, S. 262f.
  • 27. Es versteht sich, dass der Gebrauch maskuliner Formen in diesen theoretisierenden Ausführungen auch die Geltung für Autorinnen und Leserinnen einschließt.
  • 28. In diesem Beitrag wird der Begriff ›Autor‹ primär im Sinne des aus dem Text zu erschließenden Subjekts der ›Textproduktion‹ gebraucht; ihm korreliert der Begriff ›Rezipient‹. Wo der ›empirisch‹ zu erfassende Autor oder ein auf diese Weise zu ermittelnder Rezipient (oder eine Rezipientengruppe) gemeint ist, wird dies angemerkt.
  • 29. Vgl. Meyer-Minnemann: »Theorie der Satire«, S. 128.
  • 30. Vgl. Hempfer: Gattungstheorie, S. 188f.
  • 31. Das Ausarbeiten von Konventionen zu bestimmten Haltungen und Verfahrensweisen in der literarischen Kommunikation führt zur soziokulturellen Verankerung von tradierbaren Texttypen (wie Gattungen und Genres) – vgl. Jauß: »Grenzziehung«, S. 371.
  • 32. Vgl. Anm. 23.
  • 33. Vgl. Hempfer: Gattungstheorie, S. 135f.
  • 34. Vgl. als Darstellungen mit gesellschaftspolitischen Implikationen beispielsweise Neubert: Juvenal. – Den Funktionswandel der Satire vom 18. zum 19. Jahrhundert belegt Brummack: Satirische Dichtung.
  • 35. Hantsch: Semiotik des Erzählens, S. 8.
  • 36. Warning: »Komödie«, S. 282.
  • 37. Vgl. Meyer-Minnemann: »Theorie der Satire«, S. 132: Die besondere Wirklichkeitsrelation der Satire sei in der »pragmatischen Dimension des Diskurs« aufzufinden.
  • 38. Vgl. Warning: »Komödie«, S. 280.
  • 39. Dort sind auch die jeweils geltenden Konventionen für die (von satirischer Schreibweise bestimmten) Gattungen bzw. Genres darzustellen; Gattungen und Genres werden hier verstanden als »fundierende Organisationsformen von Kommunikationsprozessen« (ebd., S. 281), die durch Traditions- und Konventionsbildungen soziokulturell verankert werden.
  • 40. Wie sich Konstituenten der Tiefenstruktur begründen und herleiten lassen – etwa aus anthropologischen Grunderfahrungen oder aus soziokulturelle Konstellationen – wird hier nicht angesprochen; vgl. zu sozialpsychologischen oder kulturgeschichtlichen Erklärungen für »ästhetisch sozialisierte Aggression« (Brummack) in der angelsächsischen Literaturwissenschaft beispielsweise Frye: Criticism; Elliott: Satire; Kernan: »Satire«.
  • 41. Der Umgang mit dem Mimesis-Begriff in der neueren Satire-Theorie lässt oft verdeutlichende Festlegungen wünschen. Im Grunde wird damit auf die ›abbildende Repräsentation‹ von historisch und soziokulturell geltenden Wirklichkeitsvorstellungen in fiktionale Vermittlungen verwiesen; vielfach ist dieser Verweis jedoch mit der normativen Implikation verbunden, dass solche Repräsentationen sich an den jeweils gültigen Erwartungen zur ›Angemessenheit‹ der literarischen Abbilder orientieren sollen. Der in unserem Beitrag für satirische Texte benutzte Begriff ›a-mimetisch‹ übernimmt diese Perspektive.
  • 42. Hantsch, S. 55.
  • 43. Vgl. Hempfer: Gattungstheorie, S. 225.
  • 44. In Gattungstheorie verwendet Hempfer die Begriffe ›Schreibweise‹ und ›Schreibart‹ in austauschbarer Funktion. Denkbar wäre, dass ›Schreibarten‹ aus der Überlagerung von primären Schreibweisen mit sekundären Schreibweisen zu bestimmen sind. Da ›Satire‹ von Hempfer zu den sekundären Schreibweisen gerechnet wird, könnten sich – im Rekurs auf die beiden primären Schreibweisen des Dramatischen und des Narrativen (›Mimesis‹ und ›Diegesis‹) – die unterschiedlichen ›Schreibarten‹ des Dramatisch-Satirischen und des Narrativ-Satirischen ergeben. Für das hier vorgelegte Beschreibungsmodell ist diese Folgerung allerdings ohne Relevanz.
  • 45. Hempfer: Tendenz, S. 17.
  • 46. Unter ›Objekt‹ (und ›Objektbereich‹) wird hier der Ausschnitt aus einer (Autor und Rezipienten gemeinsamen) Erfahrungswirklichkeit verstanden, auf den sich das textuelle ›Objekt-Abbild‹ bezieht. ›Objektnorm‹ meint die normativen Vorgaben, die für Einstellungen und Handlungsweisen dem Objektbereich in der Erfahrungswirklichkeit zugeordnet sind.
  • 47. Schmidt: Swift und Pope, S. 13.
  • 48. Striedter: »Einleitung«, S. XXIII.
  • 49. Vgl. ebd.
  • 50. Vgl. Meyer-Minnemann: »Theorie der Satire«, S. 123.
  • 51. Das im ›Abbild‹ satirisch ›entstellte‹ Objekt muss mit bestimmten Eigenschaften noch auf das ›Original‹ in der Erfahrungswirklichkeit verweisen, damit Rezipienten das Entstellungsverfahren nachvollziehen und gegebenenfalls auch billigen können – vgl. auch Hempfer: Tendenz, S. 34.
  • 52. Vgl. Meyer-Minnemann: »Theorie der Satire«, S. 121f.
  • 53. Vgl. beispielsweise Hempfer: Gattungstheorie, S. 26f., 160–163, 225f.
  • 54. Vgl. Warning: »Komödie«, S. 329–333.
  • 55. Vgl. dazu Warning: »Ironiesignale«.
  • 56. Das allegorische Verfahren ließe sich durch ›Deformation‹ der symbolischen Schreibweise mit Merkmalen der didaktischen Schreibweise bestimmen, das groteske Verfahren durch ›Deformation‹ der satirischen Schreibweise mit Merkmalen der absurden Schreibweise.
  • 57. Vgl. zu unterschiedlichen Überlagerungen (im Hinblick auf ironische, satirische, komische und tragische Schreibweisen) im Rollenspiel auf der Aussage-Instanz humoristischer Darstellungen Preisendanz: »Humor«, S. 428f.
  • 58. Link: »Appellstruktur«, S. 559.
  • 59. Vgl. auch Schmidt: Swift und Pope, S. 39: »Komik in der Satire besitzt eine rituelle, bestrafende, affektreinigende Funktion«, sie sei jedoch kein konstitutives Moment der Satire.
  • 60. Vgl. Preisendanz: »Korrelation«, S. 412.
  • 61. Striedter: »Einleitung«, S. XXXVII. – Vgl. auch Schönert: Roman und Satire, S. 28–33: Hier sind die genannten Elemente und einige ihrer Interaktionen bereits im Entwurf für das (von konkreten Realisationen abstrahierende) Beschreibungsmuster der ›satirischen (Kommunikations-)Situation‹ eingegangen; vgl. auch S. 13–18: mit Ausführungen, die der Umsetzung von Bedingungen der ›Strategie-Ebene‹ für die ›Repräsentanz-Ebene‹ zugeordnet werden können.
  • 62. Preisendanz: »Korrelation«, S. 413.
  • 63. Schmidt: Swift und Pope, S. 276.
  • 64. Die Nachweise für wörtliche und sinngemäße Zitate aus den zu erörternden vier Forschungsbeiträgen werden (in Klammern) im Haupttext eingebracht.
  • 65. Voraussetzungen sind dabei die erkenntnistheoretischen Grundlagen des epistemologischen Modells von Jean Piaget.
  • 66. Hempfer: Tendenz, S. 294.
  • 67. Vgl. Hantsch: Semiotik des Erzählens, S. 34.
  • 68. Vgl. dazu Striedter: »Einleitung«, S. XXIII.
  • 69. Auch in weiteren Beiträgen für Das Komische werden Probleme der Satire-Theorie angesprochen (insbesondere von Warning, zudem von Tschižewski und Jauß), ohne dass damit explizit ›Satire-Theorie‹ thematisiert wird.
  • 70. Vgl. insbesondere Iser: Akt des Lesens, S. 327–355.
  • 71. Vgl. insbesondere Meyer-Minnemann: »Theorie der Satire«.
  • 72. Titzmann: Textanalyse, S. 54.
  • 73. Červenka: Bedeutungsaufbau, S. 32.
  • 74. Schmidt: »Komik«, S. 175.
  • 75. Ebd.
  • 76. Kanzog: Erzählstrategie, S. 104
  • 77. Ebd.
  • 78. Kopperschmidt: Rhetorik, S. 99.
  • 79. Kanzog: Erzählstrategie, S.106.
  • 80. Ebd.
  • 81. Vgl. dazu Jakobson: »Poetik«.
  • 82. Die poetische Funktion der Sprachzeichen definiert sich als »die Einstellung auf die Nachricht als solche, die Zentrierung auf die Nachricht um ihrer selbst willen« – Jakobson: »Poetik«, S. 124.
  • 83. Titzmann: Textanalyse, S. 173.
  • 84. Dass in der literatursatirischen Repräsentation von Erfahrungswirklichkeit ›Abweichung‹ von konventionalisierten Wahrnehmungs- und Darstellungsverfahren für einen Objektbereich zu einem pragmatisch bestimmten Zweck erfolgt, unterscheidet dieses Vorgehen von ›Verfremdung‹ als einem allgemeinen Charakteristikum künstlerischer Verfahrensweise im Sinne des russischen Formalismus.
  • 85. Vgl. Preisendanz: »Korrelation«, S. 413.
  • 86. Kanzog: Erzählstrategie, S. 7.
  • 87. Vgl. ebd., S. 109.
  • 88. Vgl. Günther: »Grundbegriffe«, S. 235f.
  • 89. Kanzog: Erzählstrategie, S. 119. – Kennzeichnend für ›satirische Intentionalität‹ ist, dass in einem möglichen Normenspektrum der ›Textwelt‹ die freie Entscheidung des Rezipienten für die Akzeptanz eines bestimmten Normbereichs durch die angelegte Vorentscheidung zugunsten der durchzusetzenden Gegennorm eingeschränkt ist.
  • 90. Vgl. dazu Iser: Akt des Lesens, S. 328–330. – Im Zusammenhang der Überlegungen Isers wäre die satirische Darstellung als ein spezifisches Verfahren ›ästhetischer Negation‹ zu erörtern.
  • 91. Die Bezüge zu Titzmann: Textanalyse werden im Haupttext (in Klammern) nachgewiesen.
  • 92. Kanzog: »Schlüsselliteratur«, S. 647.