Theorien der Literaturwissenschaft

Dominik
Schreiber
Mannheim

Literarische Kommunikation

Zur rekursiven Operativität des Literatursystems

Die literaturwissenschaftliche Rezeption der Systemtheorie Niklas Luhmanns überspannt mittlerweile einen Zeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten, in dem sich die systemtheoretische Literaturwissenschaft zu einer wenn auch nicht maßgeblichen, aber immerhin beachtenswerten Strömung entwickeln konnte.1 Nach ersten verhaltenen Adaptionsversuchen in den 1980er Jahren2 setzen zu Beginn der 1990er Jahre Forscher wie beispielsweise Gerhard Plumpe und Niels Werber Akzente. In ihrem Bochumer Ansatz geht es vornehmlich um eine Fruchtbarmachung der Systemtheorie für synchrone und diachrone Studien. Untersucht werden die Wechselbeziehungen von Literatur zu anderen gesellschaftlichen Teilsystemen und die Ausdifferenzierung des modernen Literatursystems.3 Ein ähnliches literaturgeschichtliches Interesse leitet die schon in den 1980er Jahren aufkommende und vorrangig von Siegfried J. Schmidt vertretene ›Empirische Literaturwissenschaft‹, die sich allerdings von bestimmten Prämissen Luhmanns distanziert.4 Ebenfalls zu erwähnen ist das am Leidener Institut für Systemtheorie und Humanoria (LISH) entworfene Text-Kontext-Modell. Dieser hauptsächlich mit den Namen Matthias Prangel und Henk de Berg verknüpfte Ansatz versteht sich als systemtheoretisch fundierte Deutungstheorie, die dem ursprünglichen Entstehungskontext eines literarischen Textes eine zentrale Rolle beimisst.5 Außerdem zu nennen sind die unter anderem von Oliver Jahraus und Claus Michael Ort betriebenen Forschungen zur Literatur als Symbolsystem in Abgrenzung zur Literatur als Sozialsystem.6

Schon in dieser hier nur knapp skizzierten Pionierzeit der literaturwissenschaftlichen Systemtheorie ist ein spezieller Punkt erkennbar, an den die Diskussion auch in der Folgezeit und bis heute immer wieder gelangt. Im Vordergrund zahlreicher Denkversuche stand und steht die Frage nach der Primärcodierung des Literatursystems. Der binäre Leitcode eines jeden sozialen Systems ermöglicht als beobachtungsleitende Unterscheidung die Produktion von systemspezifischer Kommunikation und erhält damit das System am Leben. So operiert beispielsweise das Wissenschaftssystem mit dem Code wahr / unwahr und das Rechtssystem mit dem Code Recht / Unrecht. Nur an diesen Codes ausgerichtete Kommunikationen sind für das jeweilige System relevant.

Beide Vorschläge Luhmanns für das Literatursystem – bzw. für das übergeordnete Kunstsystem –, schön / hässlich7 und stimmig / nicht stimmig,8 finden keine Zustimmung innerhalb der Kunst- und Literaturtheorie. Stattdessen werden zahlreiche eigene Vorschläge ins Rennen geschickt, so dass Stefan Hofer im Jahr 2007 nicht weniger als elf Varianten auflisten kann und mit dem Code polykontextural /nicht polykontextural auch ein eigenes Angebot unterbreitet.9 Die Schwierigkeit, eine zufriedenstellende Lösung zu finden, hängt damit zusammen, dass Literatur und Kunst allgemein keinen thematischen und formalen Beschränkungen unterliegen. Sie können prinzipiell alles auf jede erdenkliche Weise beobachten.10 Oliver Sill gelangt deshalb zu der anzweifelbaren These, dass literarische Texte gar nicht an einen blinden Fleck gebunden seien und vollkommen unterscheidungsfrei beobachten würden.11 Dem ist zu entgegnen, dass Texte an sich überhaupt nicht beobachten können, wie noch gezeigt wird, und außerdem das unterscheidungsfreie Beobachten höchstens einem göttlichen Beobachter zugeschrieben werden kann, der in der Lage ist, »jedes Unterscheidungsschema als Differenz und als Einheit des Unterschiedenen zugleich [zu] realisieren«.12 Literatur kann zwar diese göttliche Beobachterposition thematisieren, sie aber nicht prozessierend vorführen.

Bemerkenswert ist ein Vorschlag von Albrecht Koschorke. Er überlegt, Literatur losgelöst von den gesellschaftlichen Funktionssystemen in einen kulturellen »chaotischen, in seinen Koordinaten stets veränderlichen Raum des Dazwischen oder Davor [anzusiedeln], in dem sich die verschiedenen Rationalitätstypen berühren, kreuzen, mischen, verstärken und widerstreiten«.13 Da »Texte so vielen Code-Operationen gleichzeitig Raum gewähren«,14 könne man eventuell von einem ›Hypercode‹ sprechen.

Insgesamt jedenfalls hat dieses manisch anmutende Entwerfen und Verwerfen von Code-Anwärtern anscheinend solche Aufmerksamkeit in Anspruch genommen, dass ein der Code-Frage benachbarter Aspekt bisher nur marginal und unzureichend betrachtet wurde: der rekursive Produktions- und Reproduktionsprozess des Literatursystems. Es stellt sich die Frage, wie es literarischen Kommunikationen gelingt, sich rekursiv aufeinander zu beziehen und so die Existenz ihres Systems zu sichern. Die systemtheoretische Perspektive macht deutlich, dass Literatur nicht aus zusammenhangslosen Einzelwerken, sondern aus miteinander verbundenen Textkommunikationen besteht. Inwiefern unterscheidet sich diese literarische rekursive Bezugnahme von den gängigen Verknüpfungsmodi anderer sozialer Systeme? Wodurch zeichnet sich die spezifische Operativität des Literatursystems aus?

Der Aufsatz möchte sich diesen Fragen annehmen und hierzu einen Gedankengang in zwei Schritten entfalten. Im ersten Schritt wird die einzelne literarische Kommunikationseinheit theoretisch reflektiert. Ein Verständnis der Funktionsweise dieses systemischen Grundbausteins ist Voraussetzung, um dann im zweiten Schritt die Verknüpfungsstruktur der Einheiten in den Blick zu nehmen. Auf diesem rekursiven Verfahren, das Kommunikation an Kommunikation reiht, basiert das Literatursystem. Ziel der Untersuchung ist es, die Besonderheit literarischer Operativität aufzuzeigen. Um einen provisorischen Freiraum für diese Perspektive zu schaffen, werden Fragen nach der Codierung und nach der gesellschaftlichen Funktion15 des Literatursystems komplett ausgeklammert. Deshalb gewinnt insbesondere Luhmanns Kommunikationstheorie an Relevanz, die nun einleitend kurz vorgestellt wird.

1. Luhmanns Kommunikationstheorie

Luhmanns Gesellschaftstheorie unterscheidet sich vom soziologischen Mainstream insbesondere darin, nicht menschliches Handeln als Grundlage des Sozialen anzusehen, sondern auf Kommunikation zu setzen. Soziale Systeme basieren auf Kommunikationen, nicht auf Handlungen.16 Das Wissenschaftssystem reiht beständig wissenschaftliche Kommunikation an wissenschaftliche Kommunikation, das Politiksystem politische Kommunikation an politische Kommunikation und das Literatursystem, als Subsystem der Kunst, literarische Kommunikation an literarische Kommunikation. Überschneidungen oder Austausch auf operativer Ebene kommen nicht zustande. Diese operative Geschlossenheit ist Voraussetzung für die Beobachtung von Umwelt, zu der es jedoch keinen direkten Kontakt gibt: »Alle Umweltbeobachtung muß im System selbst als interne Aktivität mit Hilfe eigener Unterscheidungen (für die es in der Umwelt keine Entsprechung gibt) durchgeführt werden.«17 Literarische Kommunikation ist demnach die operative Einheit, die das Literatursystem verwendet, um sich in der Produktion der Unterscheidung von System und Umwelt selbst zu reproduzieren.18

Um diesen rekursiven Vorgang beschreiben zu können, entwickelt Luhmann auf Basis von Karl Bühlers Organonmodell19 eine eigene Kommunikationstheorie. Auch hier bricht er mit gängigen Vorstellungen und verwirft die metaphorische Vorstellung, im Kommunikationsprozess werde eine Information wie ein Paket vom Sender zum Empfänger transportiert.20 Stattdessen definiert er in Anlehnung an Bühler Kommunikation als einen dreistelligen Selektionsvorgang von Information, Mitteilung und Verstehen. Information bezeichnet die Auswahl aus einem mehr oder weniger engen Möglichkeitsrahmen und stellt »eine Art Überraschung im Auswahleffekt«21 dar. Sie muss eine Neuigkeit für das System bedeuten. Diese Information wird von jemandem (Alter) mitgeteilt und von jemand anderem (Ego) verstanden. Verstehen meint hier die Differenzierung von Mitteilung und Information, ohne welche Kommunikation nicht zustande kommt. »Die Kommunikation erzeugt in ihrer Verstehenskomponente überhaupt erst die Zweiheit: Information und Mitteilung, die sie zur Kommunikation macht«.22 Werden Information und Mitteilung nicht getrennt, so handelt es sich folglich nicht um Kommunikation, sondern je nach Perspektive um Wahrnehmung23 oder Verhalten ohne Kommunikationsabsicht.24

Richtiges Verstehen ist keine zwingende Voraussetzung für Kommunikation, da Missverständnisse nicht notwendigerweise zu einem Abbruch derselbigen führen. Verstehen ist nicht zu begreifen als Duplikation des Mitgeteilten in ein anderes psychisches System, sondern als Anknüpfungspunkt für weitere Kommunikationen im sozialen System. Im Verstehen als Ereignis offenbart sich die Zeitpunktgebundenheit der Kommunikation.25 Die drei Selektionen können nicht unabhängig voneinander vollzogen werden. Sie konstituieren sich ausschließlich in ihrem wechselseitigen Zusammenspiel, ihr jeweiliger Selektionshorizont wird erst durch die Kommunikation erzeugt.26

2. Die literarische Kommunikationseinheit

Vor diesem theoretischen Hintergrund richtet sich nun das Augenmerk auf den Sonderfall der literarischen Kommunikation. Gemeint ist damit ausschließlich Kommunikation durch Literatur und nicht Kommunikation über Literatur.27 Innerhalb der an Luhmann anschließenden systemtheoretischen Literaturwissenschaft hat Oliver Sill die Tauglichkeit von Luhmanns Kommunikationskonzept zur Beschreibung literarischer Kommunikation diskutiert.28 Sills Argumentation wird im Folgenden einer Überprüfung unterzogen.

Autor und Leser ordnet Sill als psychische Systeme in die Umwelt des Kommunikationssystems Literatur ein (vgl. S. 14, 135, 176f.). Die Termini Text und Kommunikation werden gleichbedeutend behandelt, woraus sich eine textinterne Ansiedlung der drei Instanzen Information, Mitteilung und Verstehen ergibt. Vor diesem Hintergrund versucht Sill, Luhmanns Kommunikationsmodell mit gängigen literaturtheoretischen Erkenntnissen in Bezug zu setzen:

Information, die Auswahl einer bestimmten Information unter vielen, entspricht dem, was als Thema, als Gegenstand oder Stoff eines literarischen Textes bezeichnet werden kann. Mitteilung, also die Mitteilung dieser Information in einer bestimmten, doch stets auch anders denkbaren Art und Weise, verweist auf das Wie der Darstellung, auf die verbindliche, in Form einer bestimmten Struktur realisierten [sic] Gestalt des literarischen Textes. Verstehen als selektiver Vorgang impliziert die Verschiedenverstehbarkeit literarischer Texte, deren jeweiliges semantisches Potenzial unterschiedliche Möglichkeiten des Verstehens bereithält. (S. 157f.)

Diese Übertragung von Luhmanns Kommunikationstheorie auf den Spezialfall des literarischen Textes zeige jedoch eine Schwachstelle an: Das Modell könne der Besonderheit literarischer Kommunikation nicht gerecht werden, da in der literarischen Kommunikation Information und Mitteilung untrennbar ineinander verwoben seien.

Der Sinngehalt eines literarischen Textes, sein Bedeutungspotenzial, ließe sich schwerlich mit dem Terminus ›Information‹ belegen, weil diese Potenziale eben nicht vom Wie der Darstellung, also von der Mitteilungsseite, abgelöst werden können. (S. 158)

Sill attestiert Luhmanns Entwurf deswegen eine geringe Aussagekraft bezüglich literarischer Kommunikation und arbeitet vor allem unter Rückgriff auf die Erzähltextanalyse und die Fiktionstheorie Wolfgang Isers einen Verbesserungsvorschlag aus, der hier jedoch nicht weiter verfolgt werden muss (vgl. S. 167ff.).

Trifft die von Sill gegen die Systemtheorie vorgebrachte Kritik aber wirklich zu? Der Einordnung von Autor und Leser in die psychische Umwelt des Literatursystems kann vorbehaltlos zugestimmt werden. Die inneren Zustände dieser psychischen Systeme haben als Umweltbedingungen für literarische Kommunikation aufgrund ihrer operativen Geschlossenheit keine weitere Relevanz für das Literatursystem. Kommunikative und psychische Systeme irritieren sich gegenseitig im Rahmen ihrer strukturellen Kopplung,29 wandeln die Irritationen jedoch nach systeminternen Kriterien in Informationen um.30

Als problematisch erweist sich hingegen Sills Gleichsetzung von Text und Kommunikation, da hiermit die Operativität und Prozesshaftigkeit von Kommunikation aus dem Blick geraten. Ein Text ist nämlich nicht per se auch Kommunikation: Ein Roman, der im Regal einer Bibliothek oder auf einem Dachboden verstaubt, trägt nicht zur Autopoiesis31 des literarischen Systems bei.

Texte gibt es nur im Kontext kommunikativer Systeme, es gibt sie also nur in der Aktualität ihrer Benutzung in Prozessen der Kommunikation und nicht als für sich bestehende Artefakte. […] Aber als Texte werden sie nur wahrgenommen, wenn man versucht (zumindest das!), sie zu lesen und zu verstehen.32

Ein Text muss, so banal das auch klingen mag, geschrieben und gelesen werden. Und dieses Schreiben und Lesen kann in der Schriftkommunikation genausowenig wie das Sprechen und Zuhören in der mündlichen Kommunikation auf psychische Systeme subsumiert werden. Kommunikation, ob schriftlich oder mündlich, entsteht im Zusammenspiel von Mitteilung, Information und Verstehen. Wenn man, wie Sill es tut, diese drei Selektionen als textinterne Instanzen behandelt, blendet man das Kommunikation auszeichnende Bewegungsmoment, ihre Operativität, aus.

Diese Unstimmigkeit bei Sill kommt nicht von ungefähr, sondern steht anscheinend in enger Verbindung mit seiner Nichtberücksichtigung der Überlegungen Luhmanns zur Spezifität der Schriftkommunikation. Schriftkommunikation löst nämlich nach Luhmann die in einer operativen Gleichzeitigkeit einer Gesprächssituation bestehende dreiwertige Kommunikationseinheit auf und »entkoppelt das kommunikative Ereignis«.33 Ein Text muss deshalb die Rekombination der Einheit gewährleisten, indem er dem Verstehen die Möglichkeit des Differenzierens von Mitteilung und Information anbietet. Er muss das Nichtvorhandensein eines situativen Kontextes kompensieren, indem er aus sich selbst heraus verständlich ist: Er führt den für das Verstehen nötigen Kontext selber mit, um anschlussfähig für weitere Kommunikationen zu sein.34 Da Sill auf diese Argumentation nicht eingeht, kann er nicht erkennen, dass Texte nicht alle drei Selektionen vereinnahmen können.

Auch das von Sill unterstellte Verhältnis von Mitteilung, Information und Verstehen in literarischer Kommunikation weist Schwächen auf. So verweist die Mitteilungsseite gerade nicht auf das Wie der Darstellung, da auch die Struktur eines literarischen Textes Informationsgewinn ermöglicht und somit der Informationsselektion zuzurechnen ist.35 Stattdessen besteht die Mitteilung eines Textes schlicht und ergreifend in der implementierten Aufforderung, gelesen zu werden. Die Markierung eines Textes durch sich selbst als Artifizielles, als Hergestelltes, lädt zum Verstehen ein.36 Ein Text lässt seine Entstehungssituation mit der Loslösung von Raum und Zeit hinter sich, womit das Schreiben in den Hintergrund tritt und das Geschriebensein des Textes die Funktion der Mitteilung übernimmt.37

Auf diese Weise werden im Text auch die Unsicherheiten nonverbaler Kommunikation überwunden. Sprache hat Luhmann zufolge die Funktion, das bei nonverbaler Kommunikation unsichere Verstehen wahrscheinlich zu machen. Zur Veranschaulichung ein Beispiel: Sieht ein Mensch zufällig einen schnell gehenden, ihn nicht beachtenden Bekannten auf der Straße, so kann dieses schnelle Gehen als Mitteilung der Information, dass der Zweite keine Lust hat, sich mit dem Ersten zu unterhalten, aufgefasst werden. Aber es ist nicht sicher, ob das schnelle Gehen wirklich ein Mitteilungssignal ist oder einfach nur Verhalten, das wahrgenommen wird.38 Sprachliche Äußerungen hingegen lösen diese Unsicherheit, da sie die Aufforderung, ihre Information zu verstehen, stets mitführen.39 Wenn diese Situation nun in einem literarischen Text beschrieben wird, dann liegt unzweifelhaft eine Kommunikation vor, da der Text die Mitteilungsselektion garantiert. Die Kommunikation findet jedoch nicht auf einer textinternen Ebene, etwa zwischen den Figuren, sondern im System der Literatur statt. Das schnelle Gehen hat eine Bedeutung für den Text und nicht zwingend für diejenige Figur, die innerhalb des Textes den Eiligen beobachtet. Dies veranschaulicht die überaus komplexe Bedeutungsstruktur eines literarischen Textes, in dem auch nebensächlich erscheinende Bestandteile nicht überlesen werden dürfen.40

Die Informationsselektion umfasst nicht, wie Sill vermutet, nur das Thema oder den Stoff eines literarischen Textes, sondern alles, was ein Text an Informationen anbietet, also alles, was er mitteilt, wenn er verstanden wird. Auch das Mitführen des Autornamens ist eine solche Information. Man könnte meinen, diese Information setze den Autor als mitteilende Instanz ein. Aber die Information der Namensnennung leistet nicht etwa der Autor, sondern der (Para-) Text selbst.

Literarische Kommunikation unterscheidet sich bezüglich ihrer Informationsseite grundlegend von anderen Kommunikationsarten. Noch einmal zur Erinnerung: Eine Information ist nach Luhmann immer eine Neuigkeit, die den jeweiligen Systemzustand verändert. Ein Zeitungsartikel beispielsweise verliert seinen Neuheitswert, nachdem er gelesen worden ist. Es macht keinen Sinn, den Artikel nach der ersten Lektüre ein zweites Mal zu lesen und zu hoffen, dass er dann eine neue Information preisgibt.41 Bei literarischer Kommunikation ist dieses mehrmalige Lesen jedoch nicht nur möglich, sondern ein für die Autopoiesis des Literatursystems wichtiger Operationsmodus. Ein literarischer Text wird nicht nur einmal gelesen und dann archiviert oder weggeworfen. Literarische Kommunikation kann sich mehrfach auf Grundlage eines bestimmten Textes vollziehen, ohne dass der Informationsgehalt sich erschöpft.42

Ebenfalls muss Sills Auslegung der Verstehensselektion revidiert werden: Verstehen impliziert nicht die Möglichkeiten der Verschiedenverstehbarkeit, sondern ist in erster Linie funktional zu betrachten. Für das Zustandekommen einer Kommunikation ist es nur wichtig, dass eine mitgeteilte Information irgendwie verstanden wird. Es kommt nur darauf an, dass im Verstehen die Differenz von Information und Mitteilung erkannt wird. Wie verstanden wird, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Erst in einer Anschlusskommunikation wird ersichtlich, wie die vorausgehende literarische Kommunikation im herkömmlichen Sinne verstanden worden ist.43 Auch dieses rekursive Mitprüfen des Verstehens findet auf der Ebene der Kommunikation statt.44 Die Operationen der psychischen Systeme in der Umwelt der Kommunikation sind belanglos.

Abschließend ist zu betonen, dass die Selektionen von Information, Mitteilung und Verstehen sich in ihrem wechselseitigen Zusammenspiel konstituieren und nicht als Seinsqualitäten missverstanden werden dürfen. Information ist beispielsweise kein genuines, dem Text innewohnendes Merkmal, sondern eine operativ erzeugte Selektion im Kommunikationsprozess.

Die hier insgesamt gegen Sill vorgebrachte Kritik verdeutlicht, dass seine Adaption der Systemtheorie anzweifelbar ist und seine Beanstandung daher Luhmanns Theorie gar nicht trifft. Das von Sill formulierte Problem, Luhmanns Kommunikationsmodell erfasse »die Spezifik literarischer Organisation von Sprache«45 nicht, hat seinen Ursprung in Sills Arrangement der systemtheoretischen Elemente und ist somit hausgemacht. Die Diskussion von Sills Ansatz hat im Gegenteil gezeigt, dass das systemtheoretische Kommunikationsmodell durchaus fähig ist, die Besonderheiten literarischer Kommunikation zu beschreiben.

3. Die Operativität des Literatursystems

Nachdem die aus Information, Mitteilung und Verstehen bestehende literarische Kommunikationseinheit herausgearbeitet worden ist, interessiert nun, wie das Literatursystem diese Kommunikationseinheiten operativ verknüpft und aneinander reiht, um die eigene Existenz zu sichern. Diesem Vorhaben sind insofern Grenzen gesetzt, als die Frage nach dem beobachtungsleitenden Primärcode des literarischen Systems hier ausgelassen wird. Es kann deshalb nicht erklärt werden, wie das System seine Differenz zur Umwelt aufbaut. Das blockiert jedoch nicht das angestrebte Unterfangen: Es reicht aus, behelfsmäßig davon auszugehen, dass das Literatursystem fähig ist, die Trennung von System und Umwelt zu (re-) produzieren, um eigene Operationen als solche zu identifizieren und weitere Operationen anzuknüpfen.

In diesem Zusammenhang muss die spezifische Ereignishaftigkeit von literarischer Kommunikation näher untersucht werden. Einen geeigneten Einstieg stellt eine Überlegung Oliver Jahraus’ dar. Dieser kritisiert Luhmanns Aussage, dass schriftliche Kommunikation gegenüber mündlicher Kommunikation eine »ent-ereignend[e]«46 Wirkung habe. Schriftliche Kommunikation ist Jahraus zufolge ebenfalls auf Ereignishaftigkeit angewiesen, die sich jedoch von der Ereignishaftigkeit mündlicher Kommunikation unterscheidet.47

Schriftliche Kommunikation ist nicht zeitunabhängig; sie kann aber Zeit auf andere Weise [als mündliche Kommunikation] in Anspruch nehmen, indem sie die Phasengleichheit von Produktion und Rezeption entkoppelt und somit das, was als schriftliches kommunikatives Ereignis gefasst werden könnte, aus der engeren Differenzialität freisetzt. (S. 445)

Mündliche Kommunikation finde als eine kontinuierliche Aneinanderkettung von Ereignissen statt, wobei ein Ereignis durch die Differenz zum Folgeereignis bestimmt werde (vgl. S. 445f.). Jahraus argumentiert, dass diese Differenzialität der Ereignisse bei schriftlicher Kommunikation »funktional äquivalent textintern […] geleistet werden« (S. 446) muss, indem die Ereigniskette in den Text übertragen wird. Erst diese textinterne Kette ermögliche die Rückbindung eines Textes an eine externe Ereigniskette und somit den Vollzug von schriftlicher Kommunikation. Die konkrete interne Ereigniskette eines bestimmten Textes könne jedoch nicht expliziert, sondern nur als abstrakte Größe behandelt werden (vgl. S. 449).

Die schriftliche Komplexität von Texten besteht also darin, daß innerhalb eines Textes so etwas wie Ereignisse aufblitzen, weil andere Ereignisse bei diesen Ereignissen zwischen Information und Mitteilung unterscheiden und wiederum andere Ereignisse die Unterscheidung als bestimmten Anschluß dieser Ereignisse an die ersten ausweisen. (S. 450)

Schriftliche Kommunikation basiere demzufolge auf einer diskontinuierlich ablaufenden Differenzialität. Die vom Medium Schrift erschaffenen Brüche, wie beispielsweise das Ende eines Textes, müssen kommunikativ überbrückt werden.48 Anhand der Beschaffenheit der inneren Ereigniskette versucht Jahraus, die Spezifität von literarischer Kommunikation herauszustellen: Als literarisch könne man solche Texte bezeichnen, deren innere Ereigniskette für an sie anschließende Folgeereignisse »ein Höchstmaß an verbindlicher Unverbindlichkeit garantier[t].« (S. 451). Im Gegensatz dazu definiert Jahraus nicht-literarische Texte als Texte, die Anschlusskommunikationen über die Anlage der inneren Ereigniskette kontrollieren und vorgeben.

Jahraus’ Argumentation ist in sich stimmig. Lediglich seine Kritik an Luhmanns These des ent-ereignenden Effekts schriftlicher Kommunikation wirkt ein wenig konstruiert, da Luhmann die spezifische Ereignishaftigkeit von Schrift keinesfalls übersehen hat. So heißt es in Die Gesellschaft der Gesellschaft, dass

[…] die elementare Operation der Gesellschaft ein zeitpunktgebundenes Ereignis ist, das, sobald es vorkommt, schon wieder verschwindet. Dies gilt für alle Komponenten der Kommunikation: für Information, die nur einmal überraschen kann, für Mitteilung, die als Handlung an einen Zeitpunkt gebunden ist, und für das Verstehen, das ebenfalls nicht wiederholt, sondern allenfalls erinnert werden kann. Und es gilt für mündliche wie für schriftliche Kommunikation mit dem Unterschied, daß die Verbreitungstechnologie der Schrift das Ereignis der Kommunikation zeitlich und räumlich an viele Adressaten verteilen und damit zu unvorhersehbar vielen Zeitpunkten realisieren kann. (Hervorhebung durch D.S.)49

Damit wird Jahraus’ Argumentation freilich nicht widerlegt, sondern entwickelt sich vielmehr zu einer voll kompatiblen Ergänzung von Luhmanns Konzept.

Luhmann erklärt den rekursiven Prozess der Selbstreproduktion von Kommunikationen aus Kommunikationen anhand der Medien Sprache und Sinn. Diese beiden Medien stehen in einem engen Zusammenhang, da Sinn eine Vorbedingung für Sprache ist. Eine sprachliche Operation, ob psychisch oder sozial, bewegt sich immer im Sinn-Medium, ohne es verlassen zu können. Daraus folgt, dass die drei Selektionen von Information, Mitteilung und Verstehen stets sinnhafte Selektionen sind. Sinn spielt eine wichtige Rolle bei der rekursiven Verknüpfung von Kommunikationen, da er in jeder Kommunikationseinheit eine Auswahl an Anschlussmöglichkeiten für nachfolgende Kommunikationseinheiten bereithält. Kommunikation nutzt diesen selbst erzeugten Verweisungshorizont, um rekursiv Einheit an Einheit zu reihen.50 Dieser Prozess wird, wie dem obigen Zitat zu entnehmen ist, auch von Luhmann als eine Aneinanderreihung von Ereignissen gedacht. Umgekehrt werden bei Jahraus Ereignisse als kommunikative Ereignisse im Sinne der Systemtheorie angesehen. Neu an Jahraus’ Ansatz ist die Trennung von interner und externer Ereigniskette und die daraus abgeleitete Erklärung der Besonderheit literarischer Kommunikation.51

Die systemtheoretische Fundierung von Jahraus’ Ausführungen erlaubt eine unkomplizierte Reintegration in Luhmanns Theorie. Innere wie äußere Ereignisketten konstituieren sich, verstanden als kommunikative und systeminterne Ereignisse, über die Medien Sprache und Sinn. Über sie gelingt wiederum die Anknüpfung an die oben diskutierte Kommunikationseinheit als Trias von Information, Mitteilung und Verstehen. Damit ist eine theoretische Basis geschaffen, von der aus man die Frage nach der Selbstreproduktion des Literatursystems im eingangs eingegrenzten Rahmen angehen kann.

Die operative Geschlossenheit eines Systems wird durch zwei Funktionsweisen garantiert: Einerseits durch die Autopoiesis, die als rekursive Verknüpfungsstruktur der Kommunikationen dem System eine Gegenwartsbestimmung ermöglicht und dessen Operationsfähigkeit gewährleistet, und andererseits durch den Prozess der Selbstorganisation, der die Herausbildung von Situationen überdauernden Strukturen und Identitäten bewirkt.52 Die beiden Funktionsweisen müssen im Folgenden auseinander gehalten werden. Zuerst wird die Autopoiesis behandelt, deren Untersuchung trotz Ausklammerung von Code und Funktion des Literatursystems möglich ist. Die Thematik der Selbstorganisation hingegen kann hier nur angeschnitten werden, da sie in die weiten Bereiche der Gattungstheorie und Literaturgeschichte führt.

Texte sind keine Kommunikationen, wie bereits veranschaulicht wurde. Um zu einer Operation des Kommunikationssystems Literatur zu werden, muss ein (geschriebener) Text gelesen werden. Mit Jahraus gesprochen: Die innere Ereigniskette eines Textes muss durch ein äußeres Ereignis aktiviert werden, um als aktuelles, konkretes Ereignis zur Autopoiesis des Systems beizutragen. Eine Operation des literarischen Systems besteht folglich immer dann, wenn ein Text gelesen wird.53

Da das System auf Schriftkommunikation basiert, ist seine Operativität von Diskontinuität geprägt. Es werden nicht wie in mündlicher Kommunikation kontinuierlich Kommunikationseinheiten aneinander gereiht. Das Literatursystem hat es Jahraus zufolge immer mit Brüchen in der Kommunikation zu tun. In der Handhabung dieser Brüche, in ihrer Überbrückung, unterscheidet sich das literarische System wesentlich von anderen vornehmlich schriftlich operierenden Systemen. Im Wissenschaftssystem54 beispielsweise ist die rekursive Verbindung der Kommunikationseinheiten viel stärker ausgeprägt: Thesen, Standpunkte und Erkenntnisse müssen argumentativ begründet werden und die ihnen zugrunde liegenden Rekursionen mittels Zitationsverfahren und Quellenangaben offenlegen. Gewonnene Forschungsergebnisse veralten und regen die Produktion neuer Texte an, die sich explizit auf die vorhergehenden Texte beziehen. Die im Primärcode angelegte Wahrheitsprüfung verlangt eine dichte Rückbezüglichkeit, um Kommunikationen als wahr oder falsch klassifizieren zu können.

Im Vergleich dazu funktioniert das Literatursystem ganz anders. Literarische Kommunikationen transportieren eine derartig verbindliche Unverbindlichkeit, dass es in der Regel zu keiner weiteren, wohlgemerkt systeminternen, Anschlusskommunikation kommt.55 Ein Text wird gelesen, das Buch wird zugeklappt und im Normalfall wird kein neuer Text geschrieben, der an den vorigen anknüpft.56 Als eine Art sekundäre oder indirekte Anschlusskommunikation könnte man die Tatsache ansehen, dass man sich normalerweise nach der Lektüre eines Buches ein anderes Buch vornimmt. Aber es kommt nicht zur Produktion eines neuen Textes, auf dessen Grundlage das literarische System fortfährt.

Trotz dieser fortwährenden Existenzbedrohung gelingt es dem Literatursystem offenbar, seine Autopoiesis aufrecht zu erhalten, neue Texte zu erzeugen und nicht an ein Ende zu gelangen. Dies erreicht es, indem es eine enorme Menge an literarischen Kommunikationen produziert, um damit die Wahrscheinlichkeit für Texte produzierende Anschlusskommunikationen zu erhöhen. Die unabdingbare Voraussetzung für diese quantitative Steigerung stellt der pluralistische Informationsgehalt eines Textes, seine spezielle innere Ereigniskette, seine verbindliche Unverbindlichkeit dar. Da literarische Texte im Prinzip nicht Gefahr laufen, zu veralten, kann das System immer wieder auf sie zurückgreifen und somit die Anzahl der Kommunikationen potenzieren.57

Die Produktion eines neuen Textes erfolgt nicht als Anschlusskommunikation an eine konkrete vorgängige Kommunikation. Der Bruch der Kommunikation, und hier bleibt Jahraus ein wenig unpräzise, vollzieht sich nicht als bloße Unterbrechung des Kommunikationsflusses im Sinne einer zeitlich verzögerten Folgekommunikation. Ein neuer Text bezieht sich, seine kommunikative Ereignishaftigkeit immer vorausgesetzt, niemals auf eine lokalisierbare vorhergegangene Kommunikation. Der einem neuen Text theoretisch zur Verfügung stehende Selektionshorizont besteht aus der Gesamtzahl der literarischen Kommunikationen, die auf der Basis aller zuvor entstandenen Texte im System auftauchen. Die quantitative Potenzierung der Kommunikationen erzeugt ein für einen externen Beobachter überkomplexes, und damit in seiner Feinheit unbeobachtbares Kommunikationsgefüge, auf das sich ein neuer Text beziehen kann. Freilich aktualisiert ein Text niemals das gesamte Potenzial dieses Selektionshorizontes, aber die Bezugnahme ist extrem vielschichtig und verwoben. Die Rekursivität ist nahezu unerschöpflich. Sie wird niemals in einer so eindeutigen, abschließenden Weise vollzogen, als dass man das Informationspotenzial eines Vorgängertextes abarbeiten könnte, da die innere Ereigniskette im äußeren Ereignis der Kommunikation immer wieder neu konstituiert wird. Es wäre zu überprüfen, inwiefern diese Überlegungen die bisherige Diskussion um Intertextualität bereichern könnten.58

Soviel zur Autopoiesis. Ein Beschreibungsversuch der Selbstorganisation des Literatursystems führt unumgänglich in die literaturwissenschaftlichen Bereiche der Gattungstheorie und der Literaturgeschichte und kann deshalb hier nur angerissen werden, indem einige Anknüpfungspunkte dieser Bereiche mit der Systemtheorie skizziert werden.

Grundsätzlich ist vor der Versuchung zu warnen, die in der Selbstorganisation des Literatursystems herausgebildeten Strukturen direkt als Gattungen oder Epochen zu beschreiben. Mit einer derartig unreflektierten Übernahme von Begriffen wie ›Lyrik‹, ›Epik‹, ›Drama‹, ›Sturm und Drang‹, ›Romantik‹ etc. verspielt man sich nämlich das besondere Potenzial der Systemtheorie. Dieses Potenzial liegt offensichtlich darin, Kommunikationen bestimmten Systemen zuordnen zu können. Gattungsklassifikationen und Epocheneinteilungen sind dem literaturwissenschaftlichen (und nicht dem literarischen) System zuzuschreiben, auf die die Literaturwissenschaft angewiesen ist, um die Selbstorganisationsstrukturen des Literatursystems in ihrer Komplexität zu reduzieren und damit beobachtbar machen zu können. Literatur kann diese Einordnungen zwar wiederum beobachten und konfirmieren, ist aber nicht an sie gebunden: Sie kann die Klassifikationen durchbrechen, ohne Gefahr zu laufen, nicht mehr als Literatur anerkannt zu werden. Überträgt man die in der Literaturwissenschaft gängigen Gattungs- und Epochenkonzepte einfach in die Systemtheorie, kommt nicht viel mehr dabei heraus als eine Neuformulierung bereits bekannten Wissens. Der Vorteil liegt dann immerhin darin, dass man plausibel erklären könnte, wie sich die Strukturen stabilisieren und fortschreiben.

Die auf dem Beobachter basierende konstruktivistische Erkenntnistheorie innerhalb der Systemtheorie bewahrt zudem vor der ontologischen Falle, Gattungseinteilungen als Naturgegebenheiten anzusehen und dann in Erklärungsschwierigkeiten zu geraten, wenn man sieht, dass ein Text im historischen Verlauf zu unterschiedlichen Gattungstypen gezählt werden kann.59 Mit der systemtheoretischen Trennung von Mensch und Kommunikation könnte man auch die von der Gattungstheorie entworfene Rückzugsposition des seine eigenen, subjektiven Gattungskriterien benutzenden Lesers verabschieden. Gattungsentwürfe müssten dann nicht mehr in den »Bewusstseinsrealitäten«60 von transzendentalen Subjekten verankert werden, sondern könnten als von sozialen Systemen erzeugte Kommunikationsrealitäten angesehen werden.

Es wäre dann weiterhin zu fragen, inwieweit die Systemtheorie über die Lokalisierung der Unterscheidung im literaturwissenschaftlichen System hinaus fähig ist, die herkömmlichen Beschreibungen zu erweitern. Besonders der evolutionstheoretische Teil der Systemtheorie könnte sich in diesem Zusammenhang als ergiebig erweisen.61

Zum Abschluss sei noch einmal darauf hingewiesen, dass bei den hier angestrengten Reflexionen zur Autopoiesis und Selbstorganisation des Literatursystems der Zusammenhang von Codierung und Funktion ausgeklammert wurde. Die durch den Code und seine Programmierungen vorgegebene Art der Umwelt- und Selbstbeobachtung und die vom System bestimmte Funktion für die Gesellschaft beeinflussen zwar entscheidend die Weise, in der ein System Kommunikationen an Kommunikationen reiht, das ändert jedoch nichts an der beschriebenen Operativität des Literatursystems.

Dieser Aufsatz hat die Komplexität des literarischen Systems und seiner Operationsweise vor Augen geführt. Die kommunikative Erzeugung stetig neuer Informationen auf Basis von Texten und die multireferenzielle Rekursivität literarischer Kommunikationen bilden ein hochkomplexes Beziehungsgeflecht, das für jeden Beobachter innerhalb und außerhalb des literarischen Systems eine Herausforderung darstellt.

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WERBER, Niels: Literatur als System. Zur Ausdifferenzierung literarischer Kommunikation. Opladen 1992.

  • 1. Das wohl jüngste und eher ernüchternde Resümee zieht Klaus-Michael Bogdal: »Interdisziplinäre Interferenzen. Luhmann in den Literaturwissenschaften«. In: Soziale Systeme 12.2 (2006), S. 370–382. Ältere Überblicke bieten: Oliver Sill: Literatur in der funktional differenzierten Gesellschaft. Systemtheoretische Perspektiven auf ein komplexes Phänomen. Wiesbaden 2001, S. 41–200; Henk de Berg: »Kunst kommt von Kunst. Die Luhmann-Rezeption in der Literatur- und Kunstwissenschaft«. In: Ders. u. Johannes F. K. Schmidt (Hg.): Rezeption und Reflexion. Zur Resonanz der Systemtheorie Niklas Luhmanns außerhalb der Soziologie. Frankfurt/M. 2000, S. 175–221; Oliver Jahraus u. Benjamin Marius Schmidt: »Systemtheorie und Literatur. Teil III. Modelle Systemtheoretischer Literaturwissenschaft in den 1990ern«. In: IASL 23.2 (1998), S. 66–111; Henk de Berg: Luhmann in literary studies. A bibliography. LUMIS-Schriften 42 (1995). http://www.uni-siegen.de/ifm/lumis/norm/nr_42-95.pdf (zuletzt eingesehen am 29.9.2010).
  • 2. Werner Faulstich zum Beispiel verwendet den Begriff System als Synonym für Literaturbetrieb, ohne dass ein wirklicher Import systemtheoretischer Denkweisen stattfindet. Vgl. Werner Faulstich: »Literatur als Ware. Über die Faszination des bürgerlichen Literaturbetriebs«. In: Propyläen Geschichte der Literatur. Band V. Berlin 1988, S. 582–607, hier S. 586ff.
  • 3. Vgl. Gerhard Plumpe u. Niels Werber (Hg.): Umwelten der Literatur. Aspekte einer polykontexturalen Literaturwissenschaft. Opladen 1995; Gerhard Plumpe: Epochen moderner Literatur. Ein systemtheoretischer Entwurf. Opladen 1995; Gerhard Plumpe u. Niels Werber: »Literatur ist codierbar. Aspekte einer systemtheoretischen Literaturwissenschaft«. In: Siegfried J. Schmidt (Hg.): Literaturwissenschaft und Systemtheorie. Opladen 1993, S. 9–43; Niels Werber: Literatur als System. Zur Ausdifferenzierung literarischer Kommunikation. Opladen 1992.
  • 4. Kritisiert wird vor allem Luhmanns operative Trennung von Kommunikation (soziales System) und Bewusstsein (psychisches System). Vgl. Siegfried J. Schmidt: »Kommunikationskonzepte für eine systemorientierte Literaturwissenschaft«. In: Ders. (Hg.): Literaturwissenschaft und Systemtheorie. Opladen 1993, S. 241–268; Siegfried J. Schmidt: Die Selbstorganisation des Sozialsystems Literatur im 18. Jahrhundert. Frankfurt/M. 1989.
  • 5. Vgl. Matthias Prangel: »Zwischen Dekonstruktivismus und Konstruktivismus. Zu einem systemtheoretisch fundierten Ansatz von Textverstehen«. In: Ders. u. Henk de Berg (Hg.): Kommunikation und Differenz. Systemtheoretische Ansätze in der Literatur- und Kunstwissenschaft. Opladen 1993, S. 9–31; Henk de Berg: »Die Ereignishaftigkeit des Textes«. In: Ders. u. Matthias Prangel (Hg.): Kommunikation und Differenz. Systemtheoretische Ansätze in der Literatur- und Kunstwissenschaft. Opladen 1993, S. 32–53.
  • 6. Vgl. Oliver Jahraus: Literatur als Medium. Sinnkonstitution und Subjekterfahrung zwischen Bewußtsein und Kommunikation. Weilerswist 2003; Claus Michael Ort: »Sozialsystem ›Literatur‹ – Symbolsystem ›Literatur‹. Anmerkungen zu einer wissenssoziologischen Theorieoption für die Literaturwissenschaft«. In: Siegfried J. Schmidt (Hg.): Literaturwissenschaft und Systemtheorie. Opladen 1993, S. 269–294.
  • 7. Vgl. Niklas Luhmann: »Das Kunstwerk und die Selbstreproduktion der Kunst«. In: Hans-Ulrich Gumbrecht u.a. (Hg.): Stil. Geschichten und Funktionen eines kulturwissenschaftlichen Diskurselements. Frankfurt/M. 1986, S. 620–672, hier S. 620, 624f.
  • 8. Vgl. Niklas Luhmann: Die Kunst der Gesellschaft, Frankfurt/M. 1995, S. 301–318.
  • 9. Stefan Hofer: Die Ökologie der Literatur. Eine systemtheoretische Annäherung. Mit einer Studie zu Werken Peter Handkes. Bielefeld 2007, S. 211–218. Lutz Kramaschki nennt bereits 1993 fünf Vorschläge. Vgl. Lutz Kramaschki: »Zur Integration von Systemkonzepten in eine Empirische Literaturwissenschaft als kritische Sozialwissenschaft«. In: Siegfried J. Schmidt (Hg.): Literaturwissenschaft und Systemtheorie. Opladen 1993, S. 99–143, hier S. 106.
  • 10. Beobachten wird in der Systemtheorie rein formal als Differenz von Beobachtungsoperation und dem Handhaben von Unterscheidungen definiert. Das bedeutet, dass ein Beobachter einerseits das Beobachten als konkrete Operation in der Zeit vollziehen muss und dass er andererseits auf beobachtungsleitende Unterscheidungen angewiesen ist, mit denen der Gegenstand der Beobachtung erst konstituiert wird (Vgl. Niklas Luhmann: Einführung in die Systemtheorie. Hg. von Dirk Baecker. Heidelberg 2001, S. 142f.). Hierbei wird die Wahl der Unterscheidungen als kontingent gesetzt. Eine Beobachtung kann immer nur selektiv verfahren, sie muss Dinge von anderen trennen und sich in dieser Unterscheidung für das Operieren auf einer Seite entscheiden. Luhmann geht von einer Unterscheidung als Zwei-Seiten-Form aus, deren Einheit das »ausgeschlossene Dritte« (Niklas Luhmann: Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt/M. 1997, S. 62) bildet, das unsichtbar bleibt, solange man mit dieser Form beobachtet. Ein Beobachter kann die benutzte beobachtungsleitende Unterscheidung im Vollzug der Beobachtung nicht reflektieren, sie bildet den berühmten blinden Fleck. Diese Blindstelle kann man selbstverständlich auch zum Gegenstand einer Beobachtung machen, aber auch dann hantiert man wieder mit einem – wenn auch anderen – blinden Fleck.
  • 11. Vgl. Sill: Literatur (Anm. 1), S. 175f.
  • 12. Niklas Luhmann: Die Religion der Gesellschaft. Hg. von André Kieserling. Frankfurt/M. 2000, S. 158f.
  • 13. Albrecht Koschorke: »Codes und Narrative. Überlegungen zur Poetik der funktionalen Differenzierung«. In: Walter Erhart (Hg.): Grenzen der Germanistik. Rephilologisierung oder Erweiterung? DFG-Symposion 2003. Stuttgart 2004, S. 174–185, hier S. 179.
  • 14. Ebd., S. 181.
  • 15. Luhmann geht von der modernen Gesellschaft als einer funktional differenzierten Gesellschaft aus, in der die Teilsysteme wie Politik, Recht, Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst jeweils eine spezifische Funktion erfüllen, die von keinem anderen Teilsystem übernommen werden kann. Funktion und Systemcode hängen eng zusammen, weshalb die Frage nach der Funktion von Kunst / Literatur ähnlich problematisch ist wie die Codefrage. Luhmanns erster Vorschlag, dass Kunst Kontingenzbewusstsein erzeuge (Vgl. Luhmann: »Kunstwerk« [Anm. 7], S. 620, 624f.), wurde unter anderem von Gerhard Plumpe zurückgewiesen, da Kontingenzerfahrung ein wesentliches Gesamtmerkmal der modernen Gesellschaft darstelle (Vgl. Plumpe: Epochen [Anm. 3], S. 55). Dies hat auch Luhmann erkannt (Niklas Luhmann: »Kontingenz als Eigenwert der modernen Gesellschaft«. In: Ders.: Beobachtungen der Moderne. Opladen 1992, S. 93–128).
  • 16. Vgl. Niklas Luhmann: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt/M. 1984, S. 191ff.
  • 17. Luhmann: Gesellschaft (Anm. 10), S. 92.
  • 18. Selbstverständlich benötigt das Literatursystem einen Primärcode, um die Unterscheidung von System und Umwelt operativ vollziehen zu können. Diese Frage wird hier wie gesagt ausgespart.
  • 19. Vgl. Luhmann: Soziale Systeme (Anm. 16), S. 196f.; Karl Bühler: Sprachtheorie: Die Darstellungsfunktion der Sprache. Berlin 1934.
  • 20. Vgl. Luhmann: Soziale Systeme (Anm. 16), S. 193f.; Luhmann: Einführung (Anm. 10), S. 289–292.
  • 21. Luhmann: Einführung (Anm. 10), S. 294.
  • 22. Luhmann: Einführung (Anm. 10), S. 299.
  • 23. Niklas Luhmann: »Was ist Kommunikation?« In: Ders.: Soziologische Aufklärung 6. Die Soziologie und der Mensch. Opladen 1995, S. 113–124, hier S. 115.
  • 24. Luhmann: Einführung (Anm. 10), S. 299.
  • 25. Vgl. Luhmann: Gesellschaft (Anm. 10), S. 72.
  • 26. Vgl. Luhmann: »Kommunikation« (Anm. 23), S. 116ff.
  • 27. Vgl. Gerhard Plumpe: »Grenzen der Kommunikation? Über das Verstehen der Literatur aus systemtheoretischer Sicht«. In: Gudrun Kühne-Bertram u. Gunter Scholz (Hg.): Grenzen des Verstehens. Philosophische und humanwissenschaftliche Perspektiven. Göttingen 2002, S. 257–267, hier S. 260f. und auch Hofer: Ökologie (Anm. 9), S. 180f. Mit dieser Unterscheidung tut man sich anscheinend schwer. Hofer nennt dort in Fußnote 12 drei wissenschaftliche Publikationen, die den Unterschied zwischen Kunstkommunikation und Kommunikation über Kunst nicht erkannt haben. Selbstverständlich kann Literatur auch selbstreflexiv über Literatur kommunizieren, also Kommunikation durch Literatur als Kommunikation über Literatur auftreten.
  • 28. Vgl. Sill: Literatur (Anm. 1).
  • 29. Mit struktureller Kopplung bezeichnet Luhmann die Art, wie sich Systeme auf ihre Umwelt einstellen. »Wenn es keine Luft gäbe, hätten es die Vögel schwer, Flügel zu entwickeln. Die würden ihnen gar nicht einfallen.« Luhmann: Einführung (Anm. 10), S. 269f. Die Kommunikation sozialer Systeme ist ausschließlich an die Wahrnehmung psychischer Systeme gekoppelt. »Man muss ein Bewusstsein haben, um Außenwelt über Wahrnehmung in Bewusstsein zu transformieren, und erst dann kann ein Bewusstsein sich entscheiden, motorische Energie aufzuwenden, um zu schreiben oder zu reden. Die Kommunikation selbst kann weder hören noch sehen noch fühlen. Sie hat keine Wahrnehmungsfähigkeit.« ebd., S. 271.
  • 30. Vgl. auch Plumpe: »Grenzen« (Anm. 27), S. 259f. und Hofer: Ökologie (Anm. 9), S. 197f. Ausgeschlossen ist damit freilich keine Reflexion über die psychische Wahrnehmung von Kunstwerken, wie etwa Niklas Luhmann: Kunst (Anm. 8), S. 13–91. Im vorliegenden Kontext interessiert jedoch ausschließlich die soziale, kommunikative Ebene. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass die Trennung von Autor und Leser vom Kommunikationssystem nicht aus der Schriftlichkeit literarischer Kommunikation resultiert. Auch bei mündlicher Kommunikation bleiben die psychischen Systeme in der Umwelt.
  • 31. Diesen Grundgedanken der Systemtheorie übernimmt Luhmann aus der Neurobiologie. »Autopoietische Systeme sind Systeme, die nicht nur ihre Strukturen [Organisationsformen], sondern auch die Elemente, aus denen sie bestehen [Kommunikationen im Falle sozialer Systeme], im Netzwerk eben dieser Elemente selbst erzeugen. […] Elemente sind Informationen, sind Unterschiede, die im System einen Unterschied machen. Und insofern sind es Einheiten der Verwendung zur Produktion weiterer Einheiten der Verwendung, für die es in der Umwelt des Systems keinerlei Entsprechung gibt.« Luhmann: Gesellschaft (Anm. 10), S. 65ff.
  • 32. Niklas Luhmann: »Literatur als Kommunikation«. In: Ders.: Schriften zu Kunst und Literatur. Hg. von Niels Werber. Frankfurt/M. 2008, S. 372–388, hier S. 378. Ähnlich Vilém Flusser: Die Schrift. Hat Schreiben Zukunft? Göttingen 1987, S. 40: »Unempfangene, ungelesene Texte sind bedeutungslose Buchstabenzeilen, die erst Bedeutung erhalten, falls sie gelesen werden.«
  • 33. Luhmann: Gesellschaft (Anm. 10), S. 267. Vgl. auch: Niklas Luhmann: »Die Form der Schrift«. In: Hans-Ulrich Gumbrecht u.a. (Hg.): Schrift. München 1993, S. 349–366.
  • 34. Luhmann: Gesellschaft (Anm. 10), S. 267.
  • 35. Auch Plumpe unterläuft dieser Fehler, Luhmanns Unterscheidung von Mitteilung und Information mit der traditionellen Unterscheidung von Form und Inhalt gleichzusetzen: »Die Mitteilung bestimmt sich […] durch Selbstreferenz der Kommunikation, d.h. etwa selektiv im Hinblick auf wählbares Medium oder möglichen Stil.« Plumpe: »Grenzen« (Anm. 27), S. 257. Luhmann distanziert sich jedoch von der Unterscheidung Form / Inhalt. Vgl. Luhmann: Kunst (Anm. 8), S. 110f., 238. Hofer hingegen vermeidet den Fehler, indem er zwischen dem (dreiteiligen) Kommunikationsprozess und dem Formenspiel der Literatur begrifflich unterscheidet und das Formenspiel nicht als Mitteilung betrachtet. Hofer: Ökologie (Anm. 9), S. 194–201.
  • 36. Vgl. Luhmann: Kunst (Anm. 8), S. 70.
  • 37. Vgl. auch Roland Barthes’ Begriff des ›Gemachtwordenen‹. Roland Barthes: »Die strukturalistische Tätigkeit«. In: Kursbuch 5 (1966), S. 190–196, hier S. 196.
  • 38. Das Beispiel stammt aus Elena Esposito: »Sprache«. In: Claudio Baraldi, Giancarlo Corsi u. dies.: GLU. Glossar zu Niklas Luhmanns Theorie sozialer Systeme. Frankfurt/M. 1997, S. 180–183, hier S. 181. Vgl. auch Luhmann: Soziale Systeme (Anm. 16), S. 208; Niels Werber: »Nachwort von Niels Werber. Niklas Luhmanns Kunst der Gesellschaft – Ein einführender Überblick«. In: Niklas Luhmann: Schriften zu Kunst und Literatur. Hg. von Niels Werber. Frankfurt/M. 2008, S. 438–476, hier S. 452.
  • 39. Der Sonderfall des von einem anderen wahrgenommenen Selbstgesprächs kann Adressierungsverwirrungen provozieren, die jedoch metakommunikativ lösbar sind.
  • 40. Die Informationen in nichtliterarischen Texten sind demgegenüber strenger hierarchisch geordnet. Der journalistische Bericht über ein Fußballspiel weist beispielsweise folgende Hierarchie auf: 1. Sieg, Niederlage oder Unentschieden?, 2. Genaues Ergebnis, 3. Nennung der Torschützen, 4. Zeitpunkt der gefallenen Tore, 5. … Das Endergebnis der Partie (Borussia Dortmund schlägt den FC Schalke 3 : 1) kann problemlos extrahiert und diffundiert werden. Bei literarischer Kommunikation ist diese Konzentration nicht sinnvoll. Die Information ›Werther begeht Selbstmord‹ z. B. reicht nicht aus, um so etwas wie die Quintessenz von Goethes Roman zu repräsentieren.
  • 41. Vgl. Luhmann: Soziale Systeme (Anm. 16), S. 102f.
  • 42. Das System der Massenmedien funktioniert genau entgegengesetzt. Indem es neue Informationen kommuniziert, verwandelt es diese ständig in Nichtinformationen. »Eine Nachricht, die ein zweites Mal gebracht wird, behält zwar ihren Sinn, verliert aber ihren Informationswert.« Hingegen »Kunstwerke müssen eine hinreichende Ambiguität, eine Mehrzahl möglicher Lesarten aufweisen.« Niklas Luhmann: Die Realität der Massenmedien. Opladen ⁴2009, S. 31. Mit diesem ›Problem‹ des vielfachen Informationsgehalts muss sich auch die Literaturwissenschaft als externer Beobachter auseinandersetzen. Literarische Texte werden als Medien zur Formbildung von Interpretationen genutzt. Die Programme des literaturwissenschaftlichen Systems entscheiden hierbei, nach welchen Regeln die Informationen gebildet werden.
  • 43. Diese Anschlusskommunikationen werden von externen Beobachtern der Literatur erzeugt.
  • 44. Vgl. Luhmann: Soziale Systeme (Anm. 16), S. 198ff.
  • 45. Sill: Literatur (Anm. 1), S. 158
  • 46. Luhmann: »Kunstwerk« (Anm. 7), S. 631.
  • 47. Vgl. Jahraus: Literatur als Medium (Anm. 6), S. 444.
  • 48. Luhmann entfaltet seinen Medienbegriff anhand der Unterscheidung von Medium und Form: Medium wird definiert als eine Anzahl lose gekoppelter Elemente, die Möglichkeiten zur Formbildung vorgibt. Als Formen werden die Elemente in strikten Kopplungen gebunden. In diesem Prozess reproduziert und erhält sich das Medium, das stabiler als die aus ihm gewonnenen Formen ist: Während eine durch strikte Kopplung entstandene Form der Zeit ausgesetzt wird, überdauert das Medium die Auslöschung einer Form. Vgl. Luhmann: Einführung (Anm. 10), S. 227f.
  • 49. Luhmann: Gesellschaft (Anm. 10), S. 71. Zur Ereignishaftigkeit von Schrift bei Luhmann vgl. außerdem ebd., S. 266; Luhmann: Kunst (Anm. 8), S. 38f.
  • 50. Vgl. Luhmann: Soziale Systeme (Anm. 16), S. 194.
  • 51. Selbstverständlich nicht neu ist der Gedanke, dass Literatur sich aufgrund ihrer Unverbindlichkeit von anderen Textkommunikationen unterscheidet. Vgl. beispielsweise Wolfgang Iser: Die Appellstruktur der Texte. Unbestimmtheit als Wirkungsbedingung Literarischer Prosa. Konstanzer Universitätsreden 28. Konstanz 1971, S. 11.
  • 52. Vgl. Niklas Luhmann: »Die operative Geschlossenheit psychischer und sozialer Systeme«. In: Ders.: Soziologische Aufklärung 6. Die Soziologie und der Mensch. Opladen 1995, S. 25–36, hier S. 27; Luhmann: Gesellschaft (Anm. 10), S. 94.
  • 53. Wird ein Text hingegen nur geschrieben und nie gelesen, setzt er die Autopoiesis des Systems nicht fort.
  • 54. Zur Rekursivität im Wissenschaftssystem vgl. Niklas Luhmann: Die Wissenschaft der Gesellschaft. Frankfurt/M. 1990, S. 271–361.
  • 55. Plumpe warnt in diesem Zusammenhang vor der verlockenden Überlegung, dass »mit dem Selbstverständnis des Kunstwerkes der Anspruch des ›In-Sich-Abgeschlossenen‹ einhergeht, der dem Gedanken irgendeiner Fortsetzbarkeit jenseits der Werkgrenze widerstreitet.« Plumpe: »Grenzen« (Anm. 27), S. 261. Dieser Gefahr gegenüber postuliert Plumpe, dass Kunstwerke »gewissermaßen die kommunikative Selbstbezüglichkeit des Einzelwerks [dementieren], indem sie dessen Abschlussselektion ihre finalisierende Funktion nehmen, die Sequenz der operativen Entscheidungen gleichsam wieder ›aufdröseln‹ und durch eine Alternative in Gestalt eines neuen Werkes ablösen.« Ebd., S. 263.
  • 56. Freilich ist es sehr wahrscheinlich, dass dann Kommunikation über das gelesene Buch produziert wird. Diese Kommunikation gehört jedoch nicht zum literarischen System, sondern zu einem der Literatur beobachtenden Systeme.
  • 57. Man könnte sich fragen, wieso es dem Literatursystem dann nicht genügt, auf Basis der schon vorhandenen Texte zu kommunizieren. Die Frage ist durchaus berechtigt, ihre Beantwortung führt jedoch zur hier ausgesparten Funktion des Literatursystems. Mit Luhmann könnte man antworten, dass das Kunstsystem dazu angehalten ist, immer wieder mit neuen Formen zu überraschen (Vgl. Luhmann: Kunst [Anm. 8], S. 77, 85, 323–327.). Den Formbegriff müsste man genauer mit dem hier entworfenen Informationsbegriff abstimmen, da dieselben Formen (Kunstwerke) ebenfalls immer wieder neu überraschen können.
  • 58. Vgl. Luhmann: »Literatur« (Anm. 32), S. 387.
  • 59. Vgl. Ulrich Suerbaum: »Text, Gattung, Intertextualität«. In: Bernhard Fabian (Hg.): Ein anglistischer Grundkurs. Einführung in die Literaturwissenschaft. Berlin ⁸1998, S. 81–122, hier S. 88.
  • 60. Peter Kuon: »Möglichkeiten und Grenzen einer strukturellen Gattungswissenschaft«. In: Jörn Albrecht u.a. (Hg.): Energeia und Ergon. Sprachliche Variation – Sprachgeschichte – Sprachtypologie. Studia in honorem Eugenio Coseriu. Bd. 1. Tübinger Beiträge zur Linguistik 300. Tübingen 1988, S. 237–252, hier S. 250.
  • 61. Vgl. Niklas Luhmann: »Das Problem der Epochenbildung und die Evolutionstheorie«. In: Hans-Ulrich Gumbrecht u. Ursula Link-Heer (Hg.): Epochenschwellen und Epochenstrukturen im Diskurs der Literatur- und Sprachhistorie. Frankfurt/M. 1985, S. 11–33, hier S. 16f. Luhmann trennt dort Strukturen und Epocheneinteilungen. Vgl. auch Gerhard Plumpe: »Systemtheorie und Literaturgeschichte. Mit Anmerkungen zum deutschen Realismus im 19. Jahrhundert«. In: Hans-Ulrich Gumbrecht u. Ursula Link-Heer (Hg.): Epochenschwellen und Epochenstrukturen im Diskurs der Literatur- und Sprachhistorie. Frankfurt/M. 1985, S. 251–265; Plumpe: Epochen (Anm. 3); Werber: Literatur als System (Anm. 3). Plumpe und Werber neigen jedoch eher zu einer Übernahme von in der Literaturwissenschaft gängigen Epocheneinteilungen.

Replik(en)

Kommentare

Gespeichert von Jörg Schönert am

Daß Dominik Schreiber für den Umgang mit der Kategorie ›Literatursystem‹ die Vorgabe ›nicht Texte, sondern Kommunikationen sind die Elemente des Literatursystems‹ stärkt, sagt mir sehr zu (ebenso wie das Insistieren auf die Spezifika von ›Kommunikation durch Literatur‹) – zumal damit nach der Begeisterung für ›dekonstruktivistische Textlektüren‹ wieder literaturwissenschaftliche Positionen des Zeitraums 1965-1985 aufgerufen werden.
Allerdings sehe ich für die Rezeption des Beitrags die Gefahr, dass durch die verkürzend-abstrahierende Darstellung zum Literatursystem (als ›einem aktiven Subjekt‹), das ›handelt‹ (»verknüpft und aneinander reiht« – S. 9, auf literarische Texte »zurückgreifen« und »Kommunikationen potenzieren« kann – S. 12) sowie zu etwas »fähig ist« (S. 9) die methodologische Implikation verstellt wird, dass solche ›Beobachtungen‹ das Ergebnis von komplex gewonnenen Zuschreibungen für das System sowie von heuristischen Annahmen für detaillierte literaturwissenschaftliche Analysen sind. Für Untersuchungen zu konkreten Konstellationen literarischer Kommunikation müsste meiner Ansicht nach auf ›Akteure‹ (in den Handlungsbereichen von Produktion, Distribution und Rezeption von literarischen Texten) zurückgegriffen werden: Von der »systemtheoretischen Trennung von Mensch und Kommunikation« wäre also auf die »von sozialen Systemen erzeugten Kommunikationsrealitäten« (S. 14) zurückzugehen. Diesem Plädoyer für ein konkretisierend literatursoziologisches (und im weiteren Sinne sozialgeschichtliches) Vorgehen schließe ich noch wenige Annotationen an.

S. 2: Es wäre festzuhalten, dass Oliver Jahraus und Claus-Michael Ort unterschiedliche systemtheorische Konzepte für Literaturwissenschaft verfolgen. Für eine ›genealogische‹ Erläuterung ist in einem knapp gehaltenen Beitrag kein Raum, doch hätte dazu ein Verweis auf die Teile I und II, die dem Teil III des IASL-Forschungsberichts (s. Anm. 1) vorausgegangen sind, wohl ausgereicht.

S. 5ff.: Als mißverständlich erscheint mir die Formulierung »die literarische Kommunkationseinheit«; sie bezieht sich auf die integrative Verbindung von Information, Mitteilung und Verstehen in der Kommunikation ›durch Literatur‹. Auf den ersten Blick aber ist das im Compositum ›regierende Substantiv‹ der »Einheit« als Teil eines Ganzen, als ›Element‹ anzusehen.

S. 12: An Stelle des ›Lesens von Texten‹ als »Operation des literarischen Systems« würde ich den weiterreichend Begriff des ›Rezipierens‹ setzen.

S. 13: Mit Fug und Recht steht der Hinweis, daß »Gattungen oder Epochen« nicht ohne weiteres als Strukturierungen in der »Selbstorganisation des Literatursystems« zu verstehen, sondern als Leistungen des (das Literatursystem beobachtenden) Wissenschafts(teil)systems ›Literaturwissenschaft‹ zu verstehen sind. Verkürzend formuliert ist dann jedoch der Kommentar, dass »Literatur […] diese Einordnungen […] beobachten und konfirmieren kann«, nicht aber »an sie gebunden« ist. Auch hier führt der Rekurs auf »Menschen« als ›kommunikativ handelnde Subjekte‹ weiter zu notwendigen Differenzierungen. Für das Verfassen literarischer Texte haben Gattungsaspekte zunächst die Relevanz einer ›Vorgabe‹, auf die in unterschiedlicher Weise von ›Textproduzenten‹ (und ihren Rezipienten) reagiert werden kann, während die Zuordnung von literarisch geplanten Kommunikationshandlungen zu Epochen der Literaturgeschichte eine nachträgliche Zuschreibung darstellt und nicht prinzipiell als Reaktion von Literatur-Autoren auf vorgängige literarische Programme – wie etwa den ›Grenzboten-Realismus‹ – zu verstehen ist.