Chantal
Marquardt
Mannheim

Tunesischer Cyberaktivismus in Blog und E-Book

Sami Ben Gharbia und Lina Ben Mhenni zwischen Selbstbeschreibung und politischer Partizipation

8:30pm (day 4) Today the B52s took off at 3pm, in half an hour we will know whether it is Baghdad tonight or another city. […] Saddam is gone, thanks to you. Was it worth it? Be assured it was. […] I just wish it would have been a bit better planned.1

Dies sind Zitate des irakischen Bloggers Salam Abdulmunem, besser bekannt unter seinem Pseudonym Salam Pax, die seinem Weblog weltweite Aufmerksamkeit sicherten. Der Iraker informierte nach den Attentaten auf das World Trade Center fast täglich auf seinem Blog Where is Read? subjektiv über das post-9/11-Bagdad. Authentisch und ironisch schilderte er das Verschwinden nahestehender Angehöriger und das Warten auf die US-Angriffe auf Bagdad und wurde so zum ersten Warblogger.2

Im Zentrum dieses Aufsatzes stehen zwei tunesische Cyberaktivisten – Warblogger der neuen Generation – Sami Ben Gharbia und Lina Ben Mhenni, deren Weblogs und weitere Publikationen nicht nur nach ihrem politisch-revolutionären Inhalt, sondern auch nach der sich in ihnen vollziehenden Subjektkonstitution analysiert werden. Gerade die spezifische Medienpraxis3 des Weblogs macht dies so interessant: Thematisch sind Blogs offen, jedoch referieren die Blogger häufig auf sich, sie werden Subjekt ihrer Blogs und gleichzeitig zum Objekt der Beobachtung und Bewertung von außen. Interaktivität, realisiert durch die dem Blog eigene Kommentar- und Diskussionsfunktion, ist ein weiteres Spezifikum dieser Medienpraxis. Die Virtualität und Echtzeitkommunikation ermöglichen überdies eine Relativierung und Verschränkung entfernter Räume: Durch die Interaktion mit ihrem Publikum erhalten die Blogger die Gelegenheit des direkten Austausches – sie können aktiv auf ihr Publikum einwirken und so, im besten Falle, die öffentliche Meinung beeinflussen.4

Ziel dieses Aufsatzes ist es, aufzuzeigen, wie sich zwei der bekanntesten tunesischen Aktivisten des Arabischen Frühlings5 unterschiedlicher medialer Formate bedienen, um sich diskursiv darzustellen. Der Fokus liegt hierbei nicht so sehr auf dem Aspekt der politischen Teilhabe, sondern auf den Strukturen und Strategien der (bewussten) medialen Inszenierung der Subjektivität der jeweiligen Aktivisten.6

Durch die thematische Nähe zu Warblogs gehe ich von einer Weiterentwicklung dieses Bloggenres aus, wobei ich annehme, das die Blogs des Arabischen Frühlings zu einem anderen Zweck geführt werden und über das passive Berichterstatten aus einem Krisengebiet hinausgehen. Die Aktivisten sind selbst aktiv – der Blog gehört zu ihrem politischen Programm und hat so unmittelbar Anteil an ihrer Subjektkonstitution. Durch explizite Einblicke in das Privatleben der Aktivisten und die Rückwirkung ihres Aktivismus auf ihre Person verschiebt sich der Fokus ihrer Medienpraxis: es geht in diesem Blogs weniger um die Herstellung einer Kontinuität von Tatsachenberichten, sondern zeigt offen Brüche zwischen Beobachtung und Berichterstattung aus der Innenperspektive der politisch prekären Situation einerseits und aktive Teilhabe und reflexiver Selbstbeobachtung andererseits.

Mein Interesse liegt darin, nachzuvollziehen, wie sich die Aktivisten in ihrer jeweiligen medialen Praxis konstituieren, indem sie verschieden Subjektpositionen innerhalb ihrer Publikationen (Blog, E-Book, Facebook, weitere Publikation) besetzen und auf bestimmte rhetorische Strategien zurückgreifen. Inwiefern dies strukturierend für die Selbstentwürfe, die in der Medienpraxis sichtbar werden, erscheint und dem Zweck der Authentizitätssteigerung dient, werde ich aufzeigen.

Zunächst möchte ich Ben Gharbia und Ben Mhenni in den größeren Zusammenhang der tunesischen Cyberaktivisten einordnen. Der Politologe Roman Lecomte identifiziert drei Phasen des digitalen Aktivismus: Die ersten Online-Aktivisten (1990–2005), die Cyberdissidenten, setzten sich mit dem autoritären tunesischen Regime auseinander. Anonymität, das Nutzen eines Pseudonyms oder das Codieren der Nachrichten wurden wichtige Strategien, um sich frei über subversive Themen zu äußern.7 Lecomte führt den Begriff laboratoire cityoen (dt. ›bürgerliches Laboratorium‹) ein, um das anonyme Experimentieren mit subversiven Meinungen im digitalen Raum zu beschreiben.8 Jene Kultur der Anonymität verändert sich mit der zweiten und dritten Phase, die Lecomte in bürgerliche Blogger und soziale Netzwerke unterteilt.9

Sami Ben Gharbia war bereits 2002 in Tunesien an den ersten politischen Cyberaktionen beteiligt und gilt so als einer der Pioniere des tunesischen Cyberaktivismus: vor allem durch seinen Engagement während der tunesischen Jasminrevolution (2010/2011), die Gründung der Plattform Nawaat (dt. ›Kern‹) und als derzeit beratender Anwalt des internationalen Netzwerks Global Voices erlangte er international Bekanntheit. Ben Gharbias Blog Ifikra (dt. ›Idee‹) ist seit 2002 online und wurde ursprünglich im Sinne eines erweiterten Diary-Style-Blogs politischen Inhalts geführt. Derzeit wird der Blog zu dem Zweck geführt, das 2003 veröffentlichten autofiktionale E-Book Borj Erroumi – Voyage dans un monde hostile10 zugänglich zu machen. Im Zentrum der folgenden Analyse soll jenes E-Book stehen, das Ben Gharbias Flucht in das politische Asyl in den Niederlanden thematisiert und durch seine Selbstbezüglichkeit einen Kontrapunk zu seinen sonstigen politischen Publikationen darstellt.

Nach Lecomte ist Ben Gharbia am Übergang der ersten Phase zur zweiten Phase anzusiedeln. Seine Identität war von Beginn seines politischen Aktivismus bekannt: er schrieb aus seinem politischen Asyl in den Niederlanden, musste so keine Repressionen von Seiten des tunesischen Staates fürchten und konnte frei in politischen Netzwerken (erste Phase) und auf seinem eigenen Blog (zweite Phase) agieren.11

Ein Novum in der zweiten und dritten Phase des Aktivismus ist die Tendenz des expressiven Individualismus: die Aktivisten protestieren nicht mehr ausschließlich gegen das herrschende Regime, sondern stellen öffentlich ihre eigenen Innerlichkeit und Einmaligkeit aus, etwa durch die Zurschaustellung ihres Privatlebens. Das Internet gibt somit Raum für die Affirmation der autonomen Denk- und Handlungsweisen der Aktivisten – gleichwohl eine Möglichkeit der Konstitution von Subjektivität – wobei hier Selbstausdruck und politisches Engagement korrelieren.12 So berichten jene Aktivisten anekdotenhaft über ihr emotionales Befinden im politischen System. Infolgedessen werden die Grenzen zwischen politischem und persönlichem Blog durchlässig, was mehr Raum für die Selbstdarstellung der Blogger liefert. Diese Tendenz wird durch den Verzicht auf Pseudonyme verstärkt, die Blogger übernehmen die Verantwortung für ihre Publikationen, sie stellen sich als private Individuen ungeschützt aus, was zur Legitimation und Authentifizierung ihres Aktivismus beiträgt.

Lina Ben Mhenni ist sowohl zeitlich als auch inhaltlich in diese dritte und aktuellste Phase einzuordnen: sie veröffentlichte nach ihrer Nominierung für den Friedensnobelpreis 2011 bei dem unabhängigen Verlag Indigène das Buch Blogueuse pour un printemps arabe.13 Mit ihrem seit 2009 geführten Blog A Tunisian Girl zählt sie zu der jüngsten Generation der Cyberaktivisten und schafft es, durch das Zusammenspiel verschiedener Medienformate und Subjektpositionen, öffentlichkeitswirksam präsent zu sein, was Gegenstand der folgenden Analyse werden wird.

1. Zur Subjektkonstitution

Um die Subjektkonstitution beider Aktivisten in ihren Publikationen nachzuvollziehen, verstehe ich das Bloggen als eine diskursive Praxis, in der bestimmte Subjektpositionen eingenommen werden können. Hierbei knüpfe ich an die Arbeit von Jenny Lüders an, die auf Basis von Foucaults Subjektbegriff Bildungsprozesse in Weblogs untersuchte. Ausgangspunkt ist ein poststrukturalistisches, schwaches Subjekt, das sich durch die Einnahme unterschiedlicher Subjektpositionen in der medialen Praxis konstituiert.14

Ich orientiere mich für die weitere Analyse an jenem Diskursbegriff, den Michel Foucault in seinem Werk Archäologie des Wissens wie folgt beschreibt:

Es [ist] eine Aufgabe, die darin besteht, nicht […] die Diskurse als Gesamtheit von Zeichen [...], sondern als Praktiken zu behandeln, die systematisch die Gegenstände bilden, von denen sie sprechen. Zwar bestehen diese Diskurse aus Zeichen; aber sie benutzen diese Zeichen für mehr als nur zur Bezeichnung der Sachen. Dieses mehr macht sie irreduzibel auf das Sprechen und die Sprache.15

Kammler et al. präzisieren in ihrem Foucault-Handbuch die Entwicklung des Foucault’schen Diskursbegriffs und fassen die für diesen Aufsatz relevanten Aspekte zusammen:

Diskurs – so könnte eine vereinfachende Kurzdefinition lauten - meint in der Archäologie des Wissens demnach eine Praxis des Denkens, Schreibens, Sprechens und auch Handelns, die diejenigen Gegenstände, von denen sie handelt, zugleich selbst systematisch hervorbringt. Diskurse folgen innerhalb bestimmter historischer Schnitte einem für sie spezifischen und sie von anderen unterscheidendem synchronen Set von Regularitäten, das bestimmt wie und was gedacht, geschrieben, gesprochen, gehandelt werden kann, was als wahr und was als falsch gilt.16

Nach Jenny Lüders, deren Argumentation auf Foucaults Diskursbegriff fußt, werden in der diskursiven Praxis in bestimmter Weise Subjekte hervorgebracht, die der diskursiven Praxis unterworfen, von ihr abhängig und ihr nachgeordnet sind. Dies ermöglicht dem Individuum, sich in der diskursiven Praxis zu Sachverhalten zu positionieren, indem es als Subjekt mit bestimmtem Status, in einem vorgegebenen Verhältnis zu einem bestimmten Objekt der Rede und in spezifischer Funktion auftritt.17 Durch die Vielzahl an möglichen Orten der Rede18 kann es zu einer Zerstreuung des Individuums in verschiedenen Positionen kommen. Für die folgende Analyse ist bedeutsam, dass durch das Einnehmen verschiedener Stellungen innerhalb der Welt- und Wissensordnung, die letztlich den Diskurs begründet, auf das in der diskursiven Praxis konstituierte Subjekt geschlossen werden kann.

Zusätzlich tragen die von Foucault beschriebenen Selbsttechniken techniques de soi als produktive Auseinandersetzung mit sich selbst wesentlich zur Subjektkonstitution bei. Vor allem in der physischen Erfahrung des Schreibens, etwa in Tagebüchern oder Korrespondenzen, gewinnt »die Selbsterfahrung eine Intensivierung und Erweiterung.«19 So schreibt Foucault an anderer Stelle: »Das Selbst ist etwas, das Anlass zum Schreiben gibt, ein Thema, eine Objekt (Subjekt) der Schreibtätigkeit […]«.20 Schreiben und Über-sich-selbst-Schreiben erfüllt den Zweck, dass sich der Schreibende mit sich selbst auseinandersetzt und optimiert hervorgeht. Das Ziel ist es, die eigene Seele auszubilden, oder mit Foucaults Worten: »Es ist die eigene Seele, die man, in dem was man schreibt, ausbildet.«21

Die Diskursanalyse gibt Aufschluss darüber, wie ein Subjekt in spezifischer Weise zu Gegenständen, Begriffsrastern und Themenkomplexen positioniert wird, wobei die Positionierung gleichzeitig eine subjektive Unterwerfung unter die diskursive Wissensordnung bedeutet.22 Der operative Begriff der Subjektposition muss im Folgenden viel leisten, soll aber vor allem die verschiedenen Strategien (alltagsliterarisch, rhetorisch, kommunikativ, dargestellte Facetten von Identität) aufzeigen, denen sich die Aktivisten bedienen, um ein Subjekt innerhalb ihrer Publikationen zu konstituieren.

Eine methodische Annäherung an Weblogs mittels der Diskursanalyse bietet sich insofern an, als dass diese Medienpraxis ein außerinstitutionelles Feld darstellt, das für die Subjekte Spielräume der Handlung eröffnet. Die technischen Möglichkeiten (Anonymität, Interaktion, Echtzeitkommunikation, Intermedialität) tragen zusätzlich dazu bei, da sie einen weiten Rahmen und Instrumente der Selbstausarbeitung anbietet. Der virtuelle Raum eröffnet eine Vielzahl an Möglichkeiten für die Darstellung des Selbst, die erprobt und wieder verworfen, multimedial vermittelt und durch das Publikum in Echtzeit evaluiert werden können und so eine Möglichkeit zur Konstitution von digital vermittelten Subjekten darstellen.

2. E-Book vs. Blog vs. Buch vs. Facebook

Obwohl Ben Gharbia und Ben Mhennis unterschiedlichen Phasen der Aktivisten angehören und sich ihre Medienpraktiken unterscheiden, haben beide Gemeinsamkeiten in ihrem Engagement und der öffentlichen Auseinandersetzung mit politischen Themen. Weiterhin bedienen sich beide unterschiedlicher Publikationsformate und veröffentlichen größtenteils auf Französisch. Die Wahl der Sprache und damit einhergehend der Schrift ist insofern bemerkenswert, als dass sich beide Aktivisten damit an ein internationales und gebildetes Publikum wenden und diese Sprache die Thematisierung bestimmter, als subversiv wahrgenommener Diskurse erleichtert.23

Ebenso spielt die Selbstreferenz eine bedeutsame Rolle: beide Aktivisten schreiben in der ersten Person und referieren so auf ein Ich, das zum Gegenstand ihrer Medienpraxis wird. Zur Authentifizierung ihres Schreibens greifen sie auf scheinbar private Bereiche ihres Lebens zurück. Schützt sich Ben Gharbia noch durch die Kennzeichnung seines Schreibens als Autofiktion und ein Alter Ego, so veröffentlicht Ben Mhenni unter ihrem zivilen Namen. Zusätzlich veröffentlicht sie eine Vielzahl an Selbstporträts und Fotografien, was ihren Status als Individuum im Aktivismus legitimiert und die in ihren Texten vollzogene Darstellung als private Person authentifiziert. Allerdings unterscheiden sich die beiden in den gewählten Publikationsformen und Medienpraktiken, was ich im Folgenden darstellen werde.

Zunächst zu Ben Gharbia: Auf der Webseite, auf der das E-Book Borj Erroumi heruntergeladen werden kann, begründet er die Entscheidung für diese Publikationsform folgendermaßen: »Dieses Buch versucht diese Mauern mit den Werkzeugen, die der digitale Widerstand liefert, zu umgehen und schreibt sich so in die Logik der digitalen Subversion ein.«24 Ben Gharbia gibt an, die Möglichkeiten des digitalen Widerstands (e-résistance) zu nutzen, um sein Werk vor der kritischen Prüfung durch dritte Instanzen wie Lektoren oder Verlegern zu schützen und das E-Book kostenlos anbieten zu können. Weiterhin kontextualisiert der Paratext den Inhalt und führt das anvisierte literarische Genre der Autofiktion ein: »Das E-Book, wie es sein Untertitel bereits anzeigt, ist ein Reisebericht. […] Obgleich die Geschichte wahr ist, verhindert dies nicht die literarische Fiktion, die theologische Analyse, die politische Debatte, die Prosa […]«.25 Ergänzend dazu nimmt Ben Gharbia im Vorwort Bezug zu seinem Leben: »Dieses Buch, das von einer wahren Geschichte inspiriert ist, der meiner Flucht aus Tunesien.«26

Bei Borj Erroumi handelt es sich somit um einen autobiografisch inspirierten Reisebericht, der über die Autofiktion hinaus mit literarischer Fiktion, theologischen Analysen, politischen Debatten und Prosa angereichert ist. Zum einen positioniert Ben Gharbia sich so als autofiktionaler Autor seines Werks, er publiziert unter seinem Namen und spricht von einer wahren Geschichte (histoire vraie). Gleichzeitig wird der Referentialitätsanspruch durch die Schaffung seines Protagonisten Hakim relativiert. Ben Gharbia besetzt die Position Autor (fiction littéraire), tritt so hinter seine Figur zurück und kann im geschützten Raum der Autofiktion die Erlebnisse während seiner Flucht aufarbeiten. Durch die Wahl der Publikation als one-to-many Medium und die daraus resultierende Einschränkung der Kommunikation – ich denke hier an das Ausschalten der Kommentarfunktion – kann das E-Book als Re-Affirmation tradierter Autorschaftskonzepte gelesen werden.

Im Gegensatz dazu hat Ben Mhennis Blog mit rund 830 Einträgen eine andere Gewichtung: Die Tunesierin wurde nicht zuletzt durch die Nominierung für den Friedensnobelpreis 2011 zu einer medial inszenierten Identifikationsfigur der Jasminrevolution. Die vorhergehende Wahl zum besten Weblog der internationalen Blog Awards The BOBs rückten ihr Schreiben und ihre politische Partizipation in den Fokus einer weltweiten Öffentlichkeit. Zu Beginn als Diary-Style-Blog gedacht, entwickelte sich A Tunisian Girl schnell zum politischen Blog, in dem sich die Grenzen zwischen (professionellem) Aktivismus und Privatem auflösen. Die Bloggerin beschreibt nicht nur ihre Lebenswirklichkeit, sondern nutzt den Blog als Pinnwand, an der sie gezielt politische Aktionen, Termine und auch Aufrufe zur Hilfe von Flüchtlingen platziert. Die visuelle Gestaltung wird von drei Fotos Ben Mhennis selbst, die als Header über allen Einträgen zu finden sind, dominiert, was als Referenz auf ihre reale Person dient.

Lina ben Mhenni nutzt für ihre politisch-literarischen Aktivitäten die gängigen Formate sozialer Medien, vor allem Facebook und ihren Blog. Hierzu stellt ihr 2011 publiziertes Werk Blogueuse pour un printemps arabe, eine wichtige Ergänzung dar. Diese Publikation gilt als Resümee ihrer wichtigsten Blogeinträge, in denen Ben Mhenni autobiografisch ihren Werdegang und ihre Motivation für den politischen Aktivismus darstellt und so, im Unterschied zum Blog, ihre Individualität durch das Besetzen verschiedener Subjektpositionen in den Mittelpunkt stellt.

3. Subjektpositionen (I): Islam, Politischer Flüchtling

Sowohl Ben Gharbia als auch Ben Mhenni referieren auf bestimmte Diskurse, zu denen sie sich in ihrem Schreiben positionieren. Im Folgenden möchte ich auf die relevantesten Diskurse beider Aktivisten eingehen, um die jeweilige Subjektkonstitution nachvollziehbar zu machen.

Wiederum bei Ben Gharbia beginnend, stellen der Islam und seine eigene Position als Flüchtling wichtige Referenzen für sein Schaffen dar. Vor allem der Aspekt der politisch motivierten Flucht erscheint relevant, da diese im Zentrum der Handlung des E-Books steht. In Ben Gharbias Borj Erroumi XL geht es um die Flucht des fiktiven Protagonisten Hakim. Er verlässt mithilfe seiner beiden Freunde Seyfeddine und Fadi Tunesien, da sie befürchteten, aufgrund ihrer politischen Überzeugung in das titelgebende Gefängnis Borj Erroumi zu müssen. Das Trio zerbricht während der Reise über Nigeria, den Tschad, Libyen, Syrien und den Iran an ihren unterschiedlichen (Glaubens-)Vorstellungen und Hakim rettet sich letztlich in die Niederlande.

Ben Gharbia kreiert Hakim offensichtlich als sein Alter Ego und schreibt retrospektiv in der dritten Person, wobei sich die Erzählperspektive im Laufe der Handlung ändert. Wird intradiegetisch über Hakim geschrieben, geschieht dies auktorial.27 Zusätzlich ist der Text von langen politischen und philosophischen Reflexionen gespickt, in denen Ben Gharbia selbst zutage tritt und die den Verfall der Werte und der Religion zugunsten westlicher Ideale zum Thema haben. Diese Einschübe erfüllen den Zweck, Ben Gharbia selbst sprechen zu lassen und ermöglichen ihm die Verarbeitung des Erlebten. Gleichzeitig werden so Prozesse der Identifikation mit dem politischen System Tunesiens und der Selbstreflexion offengelegt.

Von Beginn an ist die Positionierung des Protagonisten zu Religion und Politik leitmotivisch und prägend für die weitere Entwicklung der Figur. »Hakim, der ein reines Produkt der 80er Jahre war, schwor, als er Tunesien verließ, immer der Zeuge und die Stimme jener Jugendlichen zu bleiben, deren einziges Verbrechen in ihrem lodernden Patriotismus bestand«.28 Seit seiner Jugend ist Hakim politisch interessiert, wobei bereits hier ersichtlich wird, dass dies auch Anlass zu seiner Reise gibt. Obgleich er nicht extremistisch ist, ist seine Angst, aufgrund seiner politischen Überzeugung verfolgt zu werden, allgegenwärtig. Realhistorisch referiert Ben Gharbia auf die politischen Unruhen in den 1980er Jahren, ausgelöst durch Korruption und Wahlfälschung, die das Aufkommen des Islamismus zur Folge hatten.29

Obwohl Hakim jeden Tag zunehmend auf Distanz zu den Islamisten ging, beeinträchtigte dies nie seine Liebe zum politischen Islam. Er liebte die Aufwertung der Umma und des Bewusstseins für seine eigenen natürlichen, menschlichen, kulturellen und strategischen Fähigkeiten.30

Und: »Ich bin nur ein einfacher Moslem, offen für alle Tendenzen des Islams, sagte Hakim. […] Wer bin ich, den Glauben anderer zu bewerten?«31 So ist eine Position, die hervorgehoben wird, die des politischen Flüchtlings: Seinem Willen, in Freiheit zu (über)leben, ordnet Hakim alles unter. Es wird beschrieben, wie er, noch mit seinen Freunden, im Iran die Kleidung wechselt und wie sie sich lange Bärte wachsen lassen, um nicht aufzufallen: »[…] um sich vor manchen misstrauischen Blicken der Ordnungswächter zu schützen und um unerkannt zu bleiben. So ließen sie sich lange Bärte wachsen und gaben ihre gewohnte Unachtsamkeit bezüglich ihrer Kleidung zugunsten einfacher und strenger Kleidung auf.«32

Hakim muss, um zu überleben, sein Selbst verbergen, es maskieren – im wahrsten Sinne des Wortes verkleiden. Diese mimetische Anpassung führt allerdings zu Reflexionen über das Selbst: der Erzähler zieht für Hakim Bilanz, welche Auswirkungen die Flucht und seine politische Überzeugungen auf ihn haben. Schlussendlich ist Hakim alleine, auf sich selbst gestellt und die Anstrengungen der Flucht haben ihn physisch und moralisch entkräftet.

Le voilà, âgé de trente ans, mûri par les embûches, l’amertume […]. Sa tête en proie à la politique, son cœur chargé d’émotions et son moral changeant, il était déchiré entre les trois pôles de son être que dominait, pour couronner le tout, un fort sentiment de solitude.33

Die Entwicklung, die der Protagonist im Laufe der Handlung vollzieht, erinnert in ihrer Konzeption an einen Bildungsroman: sowohl sein Aussehen als auch seine Persönlichkeit durchlaufen während der Flucht eine Veränderung. Durch die lange Reise ist er verbittert, allein, und das Gefühl der innerlichen Zerrissenheit, begründet durch die Flucht und das Verbergen der eigenen Identität, erscheint übermächtig. Diese Ruhelosigkeit setzt sich jedoch weiter fort, als er in das sicher geglaubte Asyl kommt: in den Niederlanden angekommen fürchtet er die Fremdenfeindlichkeit in Europa, wird paranoid, schläft nur noch tagsüber und beschließt schlussendlich, die Niederlande zu verlassen.

So endet das E-Book mit der erneuten Flucht Hakims, wobei der Leser bereits weiß, dass Ben Gharbia in den Niederlanden geblieben ist. Der Autor schafft eine fiktive Alternative für seinen Protagonisten. Ferner lässt die Darstellung Hakims Rückschlüsse auf Ben Gharbias mediale Subjektkonstitution zu: Es handelt sich bei dem Text um eine autofiktionale Beschreibung Ben Gharbias Flucht, die so als Selbsttechnik im Foucault’schen Sinne verstanden werden kann. Durch die Übertragung der eigenen Erlebnisse in die Fiktion des E-Books kann Ben Gharbia anhand der präsenten Diskurse ein Subjekt konstituieren, dass nahe an seiner eigenen Biografie und so seines Selbst erscheint. Die Autofiktion ermöglicht Ben Gharbia, anders als sein Blog Ifikra, (s)ein Subjekt in der Schrift zu entäußern, es bearbeitbar zu machen und daraus, mit Foucault gesprochen, optimiert hervorzugehen. Schließlich erscheint die medienvermittelte Darstellung des Subjekts Sami Ben Gharbia durch das Zusammenspiel der Autofiktion (E-Book) und seines politischen Aktivismus (Blog) komplex und mehrdimensional.

4. Subjektpositionen (II): Krankheit, Weiblichkeit

Ben Mhenni besetzt sowohl in ihrem Buch als auch im Blog mehrere Subjektpositionen, wobei ihre Selbstdarstellung von einer Dichotomie geprägt ist. Auf der einen Seite steht ihr politischer Aktivismus, in dem sie die (non-korporalen) Subjektpositionen électron libre und la blogueuse besetzt, auf der anderen Seite steht sie selbst als Individuum, Lina, die von ihrer Krankheit und Körperlichkeit geprägt ist. Da sie unter ihrem eigenen Namen publiziert, liegt die Vermutung nahe, dass sich das je, das Ich im Text, auf sie selbst bezieht und Ben Mhenni als Erzähler-Protagonistin fungiert.

In ihrem Blog überwiegen die politisch Beiträge in Form von Kundgebungen, Informationen oder Aufrufen zur Beteiligung. Ben Mhenni konstituiert hier ein vornehmlich politisches Subjekt, das sich über den Aktivismus identifiziert. Sie beansprucht beispielsweise in einem Blogeintrag die Position der Kämpferin für die Menschenrechte, wobei sie diese durch die Adjektiv petite – klein – und sogar toute petite – ganz klein –, relativiert: »Ein Aktivist ist für mich jemand heiliges. Ich betrachte mich selbst als eine kleine, eine sehr kleine Aktivistin für Menschenrechte.«34 Ben Mhenni ordnet sich dem Militanten unter, der für seine politische Überzeugungen weiter geht als der Aktivist. Dies wird vor allem aus der Verwendung des Adjektivs sacré – heilig ersichtlich. Hieran zeigt sich auch, welche Rolle der Islam für ihre politische Überzeugung spielt. An die Stelle des Glaubens an Allah tritt der politische Aktionismus, den sie selbst häretisch als ›heilig‹ bezeichnet. Dies kann als eine Umdeutung des islamischen theokratischen Diskurses interpretiert werden, was im Folgenden durch die selbstgewählte Opferrolle und die Inszenierung des persönlichen Märtyrertums Ben Mhennis verstärkt wird.

Die Position des politischen Aktivismus steht im Mittelpunkt ihrer teilweise aus Blogtexten bestehenden Publikation Blogueuse pour un printemps arabe. Die diegetische Ebene des Textes setzt im Jahr 2008 an und beschreibt die politischen Aktivitäten Ben Mhennis bis zum Sturz des Präsidenten Ben Ali 2010. Zwar wird eine gewisse Kohärenz durch die chronologische Abfolge der Ereignisse gegeben, allerdings sind diese häufig durch subjektive Wahrnehmungen der Begebenheiten und Reflexionen der eigenen Position unterbrochen. Bereits auf der ersten Seite wird die literarisch-ästhetische Konzeption durch den Gebrauch der leitmotivischen Metapher des freien Elektrons, mit dem sich Ben Mhenni identifiziert, ersichtlich. »Je suis un électron libre, et je veux le rester. […] Nous, les blogueurs, nous sommes libres, […] Il y a des règles, des protocoles, des limites. Un électron libre n’a pas de limite. Un blogueur, une blogueuse, c’est mille fois plus efficace, plus rapide.«35 Das Internet gibt ihr die Freiheit, ihren politischen Aktivismus effizient und zunächst ungehindert auszuüben. Der virtuelle Raum wird so zum einzigen Raum, in dem sie sich frei bewegen kann und impliziert, dass Meinungs- und Pressefreiheit Ziele ihres politischen Kampfes darstellen.

Ergänzend hierzu ist Ben Mhennis Darstellung in der Position als Bloggerin zu verstehen: »Ich bin eine Bloggerin und ich werde es bleiben. Dies ist meine Überzeugung.«36 Diese Position impliziert für sie den politischen Kampf per se und hat, so wird es aus dem Text ersichtlich, Rückwirkungen auf ihre Selbstwahrnehmung und Individualität: »Während der Kämpfe habe ich mich verändert. […] Ich habe meine wahre Rolle als Bloggerin verstanden.«37 Für Ben Mhenni bekommt das Bloggen somit einen anderen Stellenwert als die Verbreitung von politischen Inhalten: Sie identifiziert und konstituiert sich gleichermaßen über die Medien­praxis. Bloggen wird zum Lebensinhalt, einer Möglichkeit der Selbstoffenbarung und -verwirklichung, eine technique de soi, über die sie sich definiert. So schreibt sie: »Aber ich war keine Bloggerin, die aufgibt!«38 Und: »Wir müssen uns wieder vor unsere Bildschirme setzen. Ich sage es noch einmal: Die Rolle eines Bloggers hört niemals auf.«39

Ben Mhenni dokumentiert jedoch auch die Folgen, die der Aktionismus auf ihr körperliches Wohlbefinden hat. In diesem Zusammenhang rekurriert sie auf die Autoimmunkrankheit Lupus, an der sie seit ihrer Jugend leidet und nimmt hier die Position der Kranken ein. Die Krankheit ist ein inhärenter Bestandteil ihres Lebens und ihrer Selbstdarstellung, was durch die wiederholte Thematisierung hervorgehoben wird: »Meine Krankheit, mein Begleiter seit 1995: 1995 habe ich herausgefunden, dass ich Lupus habe. [...] Und für mich begann eine Reise der Schmerzen und der Verzweiflung.«40

Das Akzeptieren ihrer Krankheit wird in ihrem Buch besonders deutlich, da sie ihren politischen Kampf und ihrer Krankheit parallelisiert: »Ich habe häufig meinen Kampf in der tunesischen Revolution mit dem physischen Martyrium, die ich mit meinen Nieren ausgehalten habe, verglichen.«41 Ben Mhennis bezeichnet ihre Krankheit als ›calvaire‹ (dt. ›Martyrium‹), was als Verbindung ihrer physischen Schmerzen und ihren politischen Aktivismus mit dem christlichen Leidensweg interpretiert werden kann. Dies erscheint insofern anschlussfähig, als dass sie an frühere Stelle den Aktivismus als heilig bezeichnet. So tritt die Referenz auf Topoi der christlichen Religion immer wieder auf und kann wiederum als eine Umdeutung des islamischen Diskurses interpretiert werden.

Die Thematisierung ihrer Krankheit ist eine Strategie, durch die Ben Mhenni im virtuellen Raum Platz für die eigene Körperlichkeit schafft und sich so als Individuum abseits des politischen Aktionismus vermitteln kann. Diese Praxis ist ebenfalls zu beobachten bei den weiteren Versuchen, die sie unternimmt, sich selbst außerhalb des politischen Diskurses zu konstituieren. Durch die Thematisierung der psychischen und körperlichen Folgen ihres Engagements erhält die Position der Kranken weitere Facetten. Ihr Dasein ist von Einsamkeit geprägt, was sie in die Abhängigkeit treibt. Ohne Schlaftabletten oder Alkohol findet sie keinen Schlaf und für sich selbst kaum Raum außerhalb des Aktivismus. In dem Blogeintrag Je sombre dans l’ombre (dt. ›Ich versinke im Schatten‹) dokumentiert sie ihre Schlaflosigkeit und postet gegen zwei Uhr morgens »Zwei schlaflose Nächte, [...] Zwei Nächte Alkohol, Alkohol, Alkohol, eine Substanz, die mir in der Regel hilft, meine Augen zu schließen […].«42

Eine weitere Subjektposition Ben Mhennis in diesem Zusammenhang ist die der Frau: Sie verweist auf ihre Weiblichkeit, was ebenfalls wie die Kranke unter der Position Körperlichkeit subsummiert werden kann. In dem Eintrag REPOS REPOS REPOS (dt. ›Erholung‹) gibt Ben Mhenni Einblick in ihre Bedürfnisse, als Frau jenseits des politischen Aktivismus wahrgenommen zu werden: »Und manchmal passiert es, dass ich mich daran erinnere, dass ich eine Frau bin. […] Ich will mich wie eine Frau verhalten, mir eine Kosmetikbehandlung oder eine Maniküre-Pediküre-Sitzung gönnen. [...] [I]ch brauche einen Mann in meinem Leben.«43

Weiter nennt sie die persönlichen Opfer, die sie zugunsten ihrer Aktionen bringt. So wird das Vergessen des eigenen Geburtstags als essentiell wahrgenommen. Durch die politische Partizipation haben sich ihre Prioritäten verschoben, ihre eigene Person verliert zunehmend an Bedeutung: »Ich hatte komplett vergessen, dass es mein Geburtstag war.«44 Ihre subjektive Zeitwahrnehmung verschwimmt. Sie lebt nur noch von Ereignis zu Ereignis bis zur vollkommen Aufgabe ihrer selbst: »Ich lebte von nun an nur noch für Sidi Bouzid. […] Ich vergaß mich.«45 So überlässt Ben Mhenni ihre Gesundheit und Körperpflege anderen, da für sie nur noch der politische Aktionismus Relevanz hat. Sie notiert »Zum Glück waren unsere Nachbarinnen da, die sich unserer Schönheit, unserer Gesundheit annahmen.«46

Diese Vernachlässigung gipfelt schlussendlich darin, dass Ben Mhenni die Entfremdung von sich selbst wie folgt beschreibt: »Ich habe vor allem keine Lust, über Revolution oder Politik reden ... Hier bin ich zu Hause, ich versuche, Lina zu finden.«47 Sie schreibt über sich als eine Fremde, Lina, die sie wiederzufinden versucht. Es scheint so, als wäre sie zweigeteilt: auf der einen Seite Lina, die sich über ihre Weiblichkeit, Krankheit, sprich ihre Körperlichkeit definiert; auf der anderen Seite die politische Aktivistin, das freie Elektron, die mediale Existenz, wofür die körperliche Instanz geopfert wird. An dieser Stelle tritt die physische Selbstidentifikation als Frau, als Kranke und als Angefochtene im Aktionismus neben eine physikalisch non-korporale als Bloggerin und électron libre, die nicht miteinander vereinbar scheinen.

Im Vorangegangenen wurde die Vernachlässigung des Körperlichen zugunsten der politischen Aktion als wesentlicher Bestandteil von Ben Mhennis medial vermitteltem Selbstkonzept offensichtlich. Ähnlich wie Ben Gharbia nutz Ben Mhenni die Medienpraxis, um sich selbst zu entäußern, sich bearbeitbar zu machen, indem sie Privates von sich preiszugibt und so ein Subjekt zu konstituieren. Aus dem Inneren des politischen Aktivismus berichtend dokumentiert sie, welche Rückwirkungen ihr Engagement auf sie als Individuum hat. Um, wie eingangs erwähnt, mit Lecomte zu sprechen, scheinen bei Ben Mhenni Selbstausdruck und politisches Engagement eng zusammenzuhängen. Für sie stellt dies eine Strategie dar, sich über verschieden Positionen zu konstituieren und ihre Individualität außerhalb der ihr zugewiesenen Rolle als Aktivistin zu zeigen.48

Durch die wiederholte Thematisierung der persönlichen Opfer, die Ben Mhenni für den Aktivismus bringt, drängt sich der Verdacht einer bewussten Inszenierung auf, womöglich mit dem Ziel, eine größere Öffentlichkeit zu erreichen. Dies wird insofern offensichtlich, als dass Ben Mhenni sowohl in ihrem Blog, ihrem Buch als auch auf ihrer Facebook-Seite immer wieder die genannten Diskurse aufnimmt. Sie nutzt die Möglichkeiten und das Wissen über Publikationsformate opportunistisch für ihre Selbstvermarktung. Ein wesentlicher Aspekt hierbei ist die mehrmalige Referenz auf Intellektuelle, in deren Nähe sich Ben Mhenni verortet und so ihr Schaffen legitimiert, was ich im Folgenden darstellen werde.

5. Struktur und Referenz: Legitimation des eigenen Schaffens

An dieser möchte ich auf die Strategien und Strukturen der textuellen Produktion von Ben Gharbia und Ben Mhenni eingehen, da dies wesentlich zu ihrer medial vermittelten Subjektkonstitution beizutragen scheint. Beide greifen auf unterschiedliche rhetorische Strategien zurück, unter anderem der Bezug auf andere Aktivisten und Intellektuelle. Diese, häufig intermedialen, Referenzen dienen der Kontextualisierung des eigenen Werks und der Schaffung eines gemeinsamen Bezugsrahmens mit den Rezipienten.

Zunächst möchte ich noch einmal zu Ben Gharbias E-Book zurückkehren, dass sich formal durch die Unbestimmtheit der Autorposition und des Erzählers auszeichnet. Im Kontext des Medienformats E-Book erscheint das Spiel mit den Zuschreibungen Autor – Erzähler – Protagonist und der Polyphonie seines Schreibens intendiert, um die Komplexität des so konstituierten Subjekts auszuweisen. Zu Ben Gharbias rhetorischer Strategie gehört die Integration unterschiedliche Textsorten (Reflexionen, Gedichte, politische Rede) in die Diegese ebenso wie der Wechsel zwischen Erzählperspektive und –stimme: so liegt zunächst ein auktorialer Erzähler vor, der intern den Protagonisten Hakim fokalisiert. Allerdings ergreift Ben Gharbia immer wieder selbst das Wort. Diese Oszillation zwischen der intradiegetisch angelegten Figur Hakim und dem außerdiegetisch angelegten Erzähler vollzieht sich vor allem in den eingeschobenen politischen und philosophischen Reflexionen, in denen er die Leser direkt anspricht, teilweise sogar warnt: »Brüder und Schwestern, bevor ich dieses weitläufige Thema abschließe, beharre ich darauf, zu präzisieren, dass wir von dem Hass der westlichen Bürger nicht geblendet sind.«49

In seinem Vorwort formuliert Ben Gharbia das Ziel seiner Schreibpraxis als »[…] das Individuum und sich selbst als solches zu behaupten.«50 Die Konstitution als Individuum gelingt ihm vor allem in den Einschüben, da er sich dort selbst positioniert und den Schutzraum der autofiktionalen Figur Hakim verlässt. Den im Vorwort formulierten Wunsch, eine Form der medialen Selbstdarstellung zu betreiben, kommt Ben Gharbia somit nach. Er verlagert bewusst seine Selbstdarstellung in die Autofiktion des E-Books, da sein Blog der Informationsvermittlung und politischen Organisation dient. So verzichtet er zwar auf die Vorteile der Bloggerkommunikation wie Interaktion und Echtzeitkommunikation, allerding bedient er sich etwa durch die wiederholte Ansprache seiner Leser einer phatischen Kommunikation mit didaktischer Funktion. Ben Gharbia gelingt es so, eine Form narrativ vermittelter Subjektivität im Rahmen des politischen Aktivismus und eines digitalen Mediums zu konstituieren, was jedoch nicht in Konkurrenz zu seinen politischen Publikationen steht. Denn die autofiktionale Figur Hakim liefert durch das Einnehmen bestimmter Positionen im Diskurs Hinweise für das in der Medienpraxis konstituierte Subjekt. Durch die Positionierung und das Kommentieren gesellschaftlich relevanter Themen wie 9/11 oder dem tunesischen Kulturbetrieb zeigt sich ein in seiner politischen Überzeugung gefestigtes Subjekt, das medial durch das E-Book wie auch den Blog vermittelt wird.51

Ben Gharbias medienvermittelte Selbstdarstellung vollzieht sich über rhetorische Strategien und die Positionierung zu gesellschaftlich relevanten Themen. Ben Mhennis Strategie erscheint ähnlich, wobei sie nicht nur auf bereits existente Diskurse zurückgreift, sondern den Kontext für ihre Subjektkonstitution durch den Rekurs auf andere Aktivisten sowie westliche Intellektuelle herstellt. Sie bezieht sich beispielsweise auf Ben Gharbia als wichtige Inspiration für den Beginn ihres Aktivismus.52 Zusätzlich wählt sie innerhalb der westlichen Intellektuellen Identifikationsfiguren: Die wiederholte Referenz auf Michel Foucault, Noam Chomsky oder Stéphane Hessel kann so als Positionierung im Feld jener intellektuellen Elite gesehen werden. Vor allem Stéphane Hessel beeinflusste ihr Schreiben maßgeblich durch seinen Aufruf zur aktiven gesellschaftlichen Teilnahme. So veröffentlicht Ben Mhenni ihr Buch bei Indigène, dem gleichen Verlag wie Hessel. Und in der deutschen Übersetzung lautete der Titel ihres Buchs Vernetzt Euch!, was als Hommage an Hessels berühmtes Indignez-vous! (dt. ›Empört Euch!‹) verstanden werden kann. Anlässlich seines Todestags 2013 schreibt sie: »Die Menschheit hat einen großen Mann verloren. [...] Ich war stur, Dich davon zu überzeugen, dass ich als freies Elektron, frei wie die Luft, effizienter war. [...]. ›Empört‹ brachte uns zusammen, ›Empört Euch‹ hast Du gesagt und ›Bloggerin für einen arabischen Frühling‹, habe ich geschrieben.«53 Dieses Zitat verdeutlicht Ben Mhennis Rhetorik und ihre Strategie, durch den Verweis auf westliche Intellektuelle das größtmögliche (westliche und arabische) Publikum anzuvisieren und einen gemeinsamen Bezugsrahmen herzustellen.

Im Vorangegangen wurde ersichtlich, wie sich beide Aktivisten über bestimmte Diskurse positionieren, die leitmotivisch in ihrer jeweiligen Medienpraxis erscheinen. Beiden ist hierbei gemeinsam, dass es, auf das Wesentliche reduziert, darum geht, ein schwaches Subjekt innerhalb der jeweiligen Medienpraxis zu konstituieren, das authentisch aus der Innenperspektive des Arabischen Frühlings berichtet. Nimmt Ben Gharbia noch den Umweg über sein autofiktionales Alter Ego Hakim, offenbart Ben Mhenni direkt, welche Rückwirkung der Aktivismus auf das Subjekt des politischen Aktivisten hat. Durch ihre jeweiligen Strategien – bei Ben Gharbia innerhalb seines E-Books, bei Ben Mhenni über den intermedialen Verweis auf die intellektuelle Elite – erscheint die medienvermittelte Subjektkonstitution beider Aktivisten komplex und elaboriert.

6. Was bleibt: Reichweite und Rezeption

Der Blog als Medienpraxis konstruiert eine eigene Realität, in der das Individuum verschiedene Subjektpositionen einnehmen, virtuell erproben, ausbilden und von der direkten Rückmeldung seiner Rezipienten profitieren kann. Im Blog geschieht dies zumeist über die Kommentarfunktion, die innerhalb der Medienpraxis Raum für Interaktion zwischen Blogger und Publikum ermöglicht. Wie die Interaktion bei beiden Aktivisten vonstattengeht, möchte ich abschließend darstellen und in diesem Zusammenhang auf die öffentliche Rezeption eingehen.

Interessanterweise wird bei beiden Aktivisten die Kommentarfunktion kaum genutzt: auf Ben Gharbias Blog findet wenig Interaktion statt und das E-Book wurde, wie bereits erwähnt, nicht kommentiert, obwohl es die technische Möglichkeit dazu gibt. Ben Mhennis Blog wurde zu Beginn relativ stark kommentiert, wobei dies im Laufe der Zeit nachließ.54

Dies lässt mehrere Vermutungen zu: bei beiden ist eine Verlagerung auf andere ­Social-Media-Formate, bei Ben Gharbia auf Twitter, bei Ben Mhenni vor allem auf Facebook, zu beobachten. Eine Erklärung für die weniger starke Kommentarpraxis wäre, dass die passive Kommentierung bei Facebook durch das Setzen eines Likes wesentlich einfacher als das aktive Verfassen eines Kommentars vonstattengeht. Weiterhin sind Ben Mhennis Einträge im sozialen Netzwerk kürzer, bestehen zumeist nur aus einem Bild oder ein paar Zeilen, sind so einfacher zu rezipieren. Auf ihrer Facebook-Seite werden vor allem jene Einträge kommentiert, die offensichtlich aus ihrer direkten Lebenswelt stammen, wie etwa Beileidsbekundungen zum Tod ihrer Großmutter oder aktuell das Aufwachsen ihres Katzenbabys Iris.55 Die Vielzahl an politischen Beiträgen wird meist nur geliket oder geteilt, selten wird ein Kommentar verfasst oder es entsteht Interaktion. Das Publikum erweckt den Eindruck, vielmehr an der Privatperson Lina Ben Mhenni interessiert zu sein, was allerdings ihrem politischen Aktivismus nicht entgegensteht. Im Gegenteil: durch die geschickte Vermarktung ihrer Privatperson scheint sie noch erfolgreicher ihre politischen Ziele umsetzen zu können, was aus der jüngst von ihr und ihrem Vater organisierten Bücherspende für tunesische Gefängnisse nachzuvollziehen ist.56

In diesem Zusammenhang kann die wenig aussagekräftige Kommentarpraxis dahingehend gedeutet werden, dass die Rezipienten sowohl im Blog als auch in anderen Formaten die Rolle von Konsumenten des digital Publizierten gewählt haben, die zwar informiert werden wollen, aber nicht bereit sind, aktiv zu interagieren. Die Aktivisten rufen in ihrer Medienpraxis zur aktiven politischen Teilnahme und Interaktion auf, wie etwa Ben Mhenni in ihrem Blog, wenn sie schreibt »Indignez-vous donc! Indignons-nous! Et commençons à construire notre futur dès maintenant. Tout de suite et chacun selon ses forces!«57

Die fehlende Interaktion läuft dem didaktischen Auftrag, den sich die Aktivisten in ihren Publikationen geben, allerdings nur scheinbar zuwider, da sowohl Ben Gharbia, und viel mehr noch Ben Mhenni öffentlich sehr präsent sind, und, soweit man den Statistiken glauben kann, einen großen Rezipientenkreis haben.58 Beide werden in der Öffentlichkeit vornehmlich als kritische Aktivisten wahrgenommen, was in ihrer Lebenswelt wiederholt Repressionen und Zensur zur Folge hat: Ben Mhenni berichtet in ihrem Blog mehrfach von Einbrüchen und Diebstahl, die von ihr mit Repressionen aufgrund ihres politischen Engagements in Verbindung gebracht werden. Zum einen wird diese politische Verfolgung so öffentlich gemacht, zum andern fungiert ihr Blog durch die regelmäßige Aktualisierung als Aufmerksamkeitssicherung.59 Im Bewusstsein, politisch verfolgt zu werden, publiziert sie und gibt so im wahrsten Sinne des Wortes ein Lebenszeichen. Ben Mhenni instrumentalisiert ihren Blog als Sicherung ihrer Existenz und schafft gleichzeitig Raum für ihre eigene Inszenierung als politische Aktivistin.

Im Zusammenhang mit der Rezeption der Publikationen beider Aktivisten möchte ich noch einmal auf die verschieden Medienformate, der sich beide bedienen, eingehen. Meines Erachtens ist das Ziel der unterschiedlichen Publikationswege die Ansprache unterschiedlicher Publika: beide führen einen Blog, haben eine Facebook-Präsenz, schreiben für Zeitungen und haben Bücher publiziert. Ben Gharbia stellt kostenlos sein E-Book zur Verfügung, Ben Mhennis Buch hingegen muss man käuflich erwerben, wodurch sich beide in der Ökonomisierung ihrer ›Produkte‹ unterscheiden. Ben Mhenni beansprucht hierbei tradierte Publikationsstrategien, was in der selbstgewählten Positionierung im intellektuellen Feld und durch die geschickte Vermarktung ihrer Person evident wird.60 Ebenso nutzen beide neben digitalen Medien noch weitere Publikationswege, wie etwa Vorträge im Rahmen von wissenschaftlichen oder politischen Veranstaltungen, in denen sie auf die jeweiligen anderen Formate verweisen.61 Dies ermöglicht das Besetzen verschiedener Subjektpositionen, wobei die medialen Grenzen zwischen den Subjektpositionen in Buch oder E-Book, digitalem Subjekt in Weblogs oder auf Facebook und real handelnden bei politischen Aktionen verschwimmen und der Eindruck einer komplexen und mehrdimensionalen Selbstdarstellung entsteht.

Dieser Effekt wird durch das Verzichten auf Pseudonyme zugunsten der realen Namen verstärkt und ihre Kritik legitimiert – Ben Gharbia publiziert von Beginn an unter seinem Zivilnamen und bestärkt die autofiktionale Referenz zwischen der Figur Hakim und sich ja bereits im Vorwort zu Borj Erroumi, Ben Mhenni bloggt und publiziert schon immer unter ihrem Eigennamen. Die Möglichkeit des Ausdrucks, die Lecomte mit dem Begriff des laboratoire cityoen beschreibt, erfährt so eine Veränderung. Das anonyme Experimentieren mit subversiven Meinungen wird zugunsten eines politischen Aktionismus mit klar markierten Identifikationsfiguren verdrängt, die sich, durch das Einnehmen verschiedener Subjektpositionen in verschiedenen Medienformaten, konstituieren. Vor allem durch die Nominierung zum Friedensnobelpreis 2011 wurde Ben Mhenni zu einer Identifikationsfigur der tunesischen Revolution; sie übernimmt Verantwortung, hat internationale Reichweite und muss so als reale Person identifizierbar sein. Die Tendenz des expressiven Individualismus mittels des Schreibens tritt bei beiden Aktivisten in besonderem Maße zutage und macht ihr Engagement nachvollziehbar. Sie besetzen verschiedene Subjektpositionen, wobei Selbstausdruck (Ben Gharbia als Flüchtling, Ben Mhenni als Frau und Kranke) und politisches Engagement eng zusammenhängen.62

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass dem Blog als Medienpraxis über den Ausdruck und die Konstitution einer subjektiven Selbstdarstellung in der Tradition des Tagebuchs im politischen Kontext weitere Funktionen zukommt: Beide Aktivisten fungieren gleichsam als Publizisten und Chronisten der Geschehnisse. Ihre Publikationen, vor allem diejenigen, die sie in Sozialen Medien realisieren, werden so zu einem Ort des Erinnerns, an dem die Aktivisten ihre eigene Subjektivität immer wieder aufs Neue erleben können.63 Jene Subjektivität wird somit medial konzipiert, wobei die Unmittelbarkeit der Vermittlung von Erleben und die folgenden Reflexionen, vor allem bei Ben Mhenni, als ein wichtiges Element der Selbstdarstellung gelten können. Es handelt sich nicht mehr, wie vormals im Warblog, um bloße Berichterstattung – die tunesischen Aktivisten sind wichtiger Bestandteil der politischen Aktionen. So zeugen ihre Publikationen von Brüchen zwischen Beobachtung der Geschehnisse, aktiver Teilhabe und Selbstreflexion. Beide stellen die Frage nach dem Stellenwert des Individuums und der Subjektivität in der Revolution, Ben Gharbia als politischer Flüchtling, Ben Mhenni über ihre Körperlichkeit.

Bibliography

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  • 1. Salam Pax: The Baghdad blog. London 2003, S. 130; Salam Pax: Thursday, February 12, 2004, 12. Februar 2004. www.dear_raed.blogspot.de/2004_02_01_archive.html (zuletzt eingesehen am 22. März 2016).
  • 2. Als Warblogs werden Weblogs bezeichnet, die von Einzelpersonen geführt, realistisch aus der Innenperspektive über oder aus einem Krisengebiet berichten, vgl. Tino Seeber: Weblogs – die 5. Gewalt? Eine empirische Untersuchung zum emanzipatorischen Mediengebrauch von Weblogs. Ilmenau 2007, S. 3.
  • 3. Zur Medienpraxis schreibt Andreas Reckwitz: »Als ›Medien‹ möchte ich nun jene technischen Artefakte umschreiben, die in Praktiken des Umgangs mit Zeichen zum Einsatz kommen. […] Semiotische Praktiken, die Medien in diesem Sinne verwenden, sind mediale Praktiken.« Andreas Reckwitz: »Die historische Transformation der Medien und die Geschichte des Subjekts«. In: Andreas Ziemann (Hg.): Medien der Gesellschaft-Gesellschaft der Medien. Konstanz 2006, S. 89–107, hier S. 94, Herv. i. Orig.
  • 4. Vgl. Bonnie Nardi u.a.: »Why we blog«. In: Commun. ACM 47.12 (2005), S. 41–46.
  • 5. Als Auslöser für die Revolutionsbestrebungen des Arabischen Frühlings gilt der Tod von Mohamed Bouazizi am 17. Dezember 2010 in Sidi Bouzid. Dieser zündete sich vor dem Amtssitz des Gouverneurs an, um seiner Unzufriedenheit über steigende Arbeitslosigkeit Intellektueller Ausdruck zu verleihen. Nach seinem Tod wurde er zu einem Symbol der Revolution, die aufgrund des Internets weltweite Sichtbarkeit erlangte und so zu einem öffentlichen Diskurs – dem Arabischen Frühling – werden konnte. Vgl. Werner Ruf: »Die Revolten im Maghreb: Sozialer Hintergrund und Perspektiven«. In: Thorsten Gerald Schneiders (Hg.): Der Arabische Frühling. Hintergründe und Analysen. Wiesbaden 2013, S. 193–204, hier vor allem S. 194; ferner Albrecht Hofheinz: »Soziale Medien im Arabischen Frühling«. In: Thorsten Gerald Schneiders (Hg.): Der Arabische Frühling. Hintergründe und Analysen. Wiesbaden 2013, S. 117–126, vor allem S. 117f.
  • 6. Ich möchte hier nicht die Bedeutung des Internets für das Gelingen der Revolutionen im arabischen Raum diskutieren, da dies an anderer Stelle bereits ausführlich geschehen ist. So zeigt beispielsweise Albrecht Hofheinz die Bedeutung der sozialen Medien und die intermediäre Stellung der Weblogs exemplarisch für Ägypten in seinem Artikel »Soziale Medien im Arabischen Frühling« (Anm. 5).
  • 7. Vgl. Romain Lecomte: »Les usages ›citoyens‹ d’internet dans le contexte autoritaire tunisien. Analyse de l’émergence d’un nouvel espace public de la critique«. In: Sihem Najar (Hg.): Le cyberactivisme au Maghreb et dans le monde Arabe. Paris 2013, S. 55–75, hier S. 56.
  • 8. Vgl. Romain Lecomte: »L’anonymat comme ›art de résistance‹: le cas du cyberespace tunisien«. In: Terminal 105 (2010), S. 55–68.
  • 9. Vgl. Lecomte »Les usages ›citoyens‹ d’internet« (Anm. 7), S. 55.
  • 10. »Borj Erroumi XL – Reise in eine feindliche Welt«. Online unter mehreren Quellen verfügbar, hier zitiert nach: Sami Ben Gharbia: Borj Erroumi XL – Voyage dans un monde hostile. 31. Oktober 2003. https://ifikra.files.wordpress.com/2009/12/borjerroumixl.pdf (zuletzt eingesehen am 31. August 2016). Alle französischen Zitate sind von mir übersetzt, weshalb ich im Folgenden auf die Kennzeichnung verzichte.
  • 11. Vgl. Lecomte »Les usages ›citoyens‹ d’internet« (Anm. 7) S. 58; Lecomte: »L’anonymat comme ›art de résistance‹« (Anm. 7), S. 60.
  • 12. Lecomte »Les usages ›citoyens‹ d’internet« (Anm. 7), S. 68.
  • 13. »Bloggerin für einen Arabischen Frühling«.
  • 14. Vgl. Jenny Lüders: Ambivalente Selbstpraktiken. Eine Foucault’sche Perspektive auf Bildungsprozesse in Weblogs. Bielefeld 2007, S. 169. Im Sinne des Automedialitätsbegriffs von Dünne und Moser gehe ich davon aus, dass das Medium, in dem sich ein Subjekt konstituiert, maßgeblich an dessen Ausbildung beteiligt ist. Vgl. Jörg Dünne u. Christian Moser: »Allgemeine Einleitung. Automedialität«. In: Dies. (Hg.): Automedialität. Subjektkonstitution in Schrift, Bild und neuen Medien. München u. Paderborn 2008, S. 7–16.
  • 15. Michel Foucault: Archäologie des Wissens. Frankfurt/M. 1981, S. 74, Herv. i. Orig.
  • 16. Clemens Kammler u.a.: Foucault Handbuch. Leben, Werk, Wirkung. Stuttgart 2008, S. 234.
  • 17. Vgl. Lüders: Ambivalente Selbstpraktiken (Anm. 14), S. 79.
  • 18. Vgl. ebd., S. 78. Ich übernehme den Begriff ›Ort‹ von Lüders, die diesem wiederum von Foucault übernimmt. In seinem Text L’Ordre de discours (1971) erfasst Foucault die Äußerungsmodalitäten im Diskurs unter anderem darüber, von welchem institutionellen Ort der Rede aus gesprochen wird, vgl. ebd., S. 169.
  • 19. Im Original: »On prête attention aux nuances de la vie, aux états d’âme et à la lecture, et l’acte d’écrire intensifie et approfondit l’expérience de soi.« Michel Foucault: »Les Techniques de soi«. In: Ders.: Dits et écrits. 1954–1988. Hrsg. v. Daniel Defert u. François Ewald. Bd. 4: 1980–1988. Paris 1994, S. 783–813, hier S. 794.
  • 20. »Le soi est quelque chose sur lequel il y a matière à écrire, un thème ou un objet (un sujet) de l’activité d’écriture […].« Ebd., S. 793.
  • 21. »C’est sa propre âme qu’il faut constituer dans ce qu’on écrit.« Michel Foucault: »Ecriture de soi«. In: Ders.: Dits et écrits. 1954–1988. Hrsg. v. Daniel Defert u. François Ewald. Bd. 4: 1980–1988. Paris 1994, S. 415–432, hier S. 422.
  • 22. Vgl. Lüders: Ambivalente Selbstpraktiken (Anm. 14), S. 8–10.
  • 23. Gerade in Tunesien ist Französisch noch immer mit Prestige verbunden und wird als die Sprache der Elite gesehen. »Thus, French is a necessary tool for social advancement because it is still the language for the privileged.« Mansour Sayah: »Linguistic Issues and Policies in Tunisia«. In: Kamal Salhi (Hg.): French in and out of France. Language policies, intercultural antagonisms, and dialogue. Oxford u. New York 2002, S. 411–433, hier S. 420. Arabisch wird als die sakrale Sprache Allahs gesehen, wodurch es schwierig scheint, über gewisse Diskurse und das Selbst zu schreiben. Die Dichotomie und Zerrissenheit zwischen beiden Sprachen beschreibt beispielweise der algerische Autor Mohamed Kacini-El Hassani in seinem Werk Langue de Dieu et langue du Je, vgl. Pierre van den Heuvel: »Mehrsprachigkeit und Extase. Aktuelle Entwicklungen in der maghrebinischen Literatur«. In: Ernstpeter Ruhe (Hg.): Europas islamische Nachbarn. Studien zur Literatur und Geschichte des Maghreb. Würzburg 1993, S. 47–60, hier S. 50.
  • 24. »Ce livre tend à contourner ces murs par les outils qu’offre la e-résistance et s’inscrit ainsi dans la logique de la Cybversion.« Ben Gharbia: Borj Erroumi (Anm. 10), S. 5.
  • 25. »L’e-livre, comme son sous-titre l’indique, est un récit de voyage. […] Bien que l’histoire soit vraie, cela n’a pas empêché la fiction littéraire, l’analyse théologique, le débat politique, la prose […]«. Ebd., Vorwort ohne Paginierung.
  • 26. »Ce livre qui s’inspire d’une histoire vraie, celle de ma fuite de la Tunisie.« Ebd., S. 4.
  • 27. So wird Hakim häufig mit »Notre ami« – unser Freund, eingeführt. Vgl. ebd., S. 8, 10, 11, 21, 55, 187.
  • 28. »Hakim qui était un pur produit des années 80 jura, en quittant alors la Tunisie, de rester toujours le témoin et la voix de ces jeunes dont le seul crime fut leur patriotisme […].« Ebd., S. 38.
  • 29. Einen Überblick über die politische Geschichte Tunesiens bietet Konrad Schliephake: »Tunesien«. In: Walter M. Weiss u. Carmen Becker (Hg.): Die Arabischen Staaten. Geschichte, Politik, Religion, Gesellschaft, Wirtschaft. Heidelberg 2007, S. 334–349.
  • 30. »Bien que chaque jour Hakim prît davantage de distance vis-à-vis des islamistes, cela n’affecta jamais son amour pour l’Islam politique. Il adorait la revalorisation de l’Oumma, la prise de conscience de ses propres potentialités naturelles, humaines, culturelles et stratégiques.« Ben Gharbia: Borj Erroumi (Anm. 10), S. 9.
  • 31. »Je ne suis qu’un simple musulman ouvert à toutes les tendances de l’islam, fit Hakim. […] Qui suis-je pour juger la foi des autres?« Ebd., S. 128.
  • 32. »[…] pour s’éviter les regards parfois suspicieux des gardiens de l’ordre et passer inaperçu. Ainsi ils s’étaient fait pousser de longues barbes et avaient abandonné leur laisser-aller habituel en matière vestimentaire pour se glisser dans des habits sobres et austères.« Ebd., S. 187.
  • 33. »Hier ist er nun, dreißig Jahre alt, von den Fallstricken und der Bitterkeit gereift [...]. Sein Kopf der Politik zum Opfer gefallen, sein Herz überbordend an Gefühlen und seine seelische Verfassung unbeständig, wurde er zwischen den drei Polen seines Wesens zerrissen. Gekrönt wurde alles, zu guter Letzt, von einem starken, dominierenden Gefühl der Einsamkeit.« Ebd., S. 237.
  • 34. »Un militant c’est quelqu’un de sacré pour moi. Je me considérerai peut-être comme une petite, une toute petite activiste pour les droits de l’Homme.« Lina Ben Mhenni: Du militantisme, 22. Dezember 2010. www.atunisiangirl.blogspot.de/2010/12/du-militantisme.html (zuletzt eingesehen am 7. April 2016).
  • 35. »Ich bin ein freies Elektron und ich möchte es bleiben. […] Wir Blogger sind frei. […] Es gibt Regeln, Protokolle, Grenzen. Ein freies Elektron hat keine Grenze. Ein Blogger, eine Bloggerin, ist tausendmal effizienter, schneller.« Lina Ben Mhenni: Tunisian girl. Blogueuse pour un printemps arabe. Montpellier 2011., S. 4.
  • 36. »Je suis une blogueuse et je le resterai. C’est ma conviction.« Ebd., S. 3.
  • 37. »[…] au cours de tous ces batailles, j’avais changé […] je comprénais mon vrai rôle de blogeuse.« Ebd., S. 17.
  • 38. »Mais je n’étais pas blogueuse à baisser les bras!« Ebd., S. 19.
  • 39. »Il faut nous remettre devant nos écrans. Je le redis : le rôle d’un blogueur ne s’arrête jamais.« Ebd., S. 31.
  • 40. »Ma maladie; mon compagnon depuis 1995: En 1995, J’ai découvert que j’avais le lupus […]. Et un voyage de douleurs, de désespoir commença pour moi.« Lina Ben Mhenni: Ma maladie: mon compagnon depuis 1995, 1. April 2010. www.atunisiangirl.blogspot.de/2010/04/ma-maladie-mon-compagnon-depuis-1995.html (zuletzt eingesehen am 29. März 2016).
  • 41. »J’ai souvent fait le rapprochement entre ma lutte dans la révolution tunisienne et le calvaire physique que j’ai enduré avec mes reins.« Ben Mhenni: Tunisian girl (Anm. 35), S. 28. Als Folge ihrer Erkrankung musste sich Ben Mhenni 2007 einer Nierentransplantation unterziehen.
  • 42. »Deux nuits d’insomnie, […]. Deux nuits d’alcool, alcool, alcool, substance qui d’habitude m’aide à fermer les yeux […]« Lina Ben Mhenni: Je sombre dans l’ombre, 29. Oktober 2010. www.atunisiangirl.blogspot.de/2009/10/je-sombre-dans-lombre.html (zuletzt eingesehen am 28. März 2016).
  • 43. »Et puis parfois ça m’arrive de me rappeler que je suis une femme. […] Je veux me comporter comme une femme, m’offrir un nettoyage de peau ou une séance de manicure-pédicure. […] [J]’ai besoin d’un homme dans ma vie.« Lina Ben Mhenni: REPOS REPOS REPOS, 13. September 2011. www.atunisiangirl.blogspot.de/2011/09/repos-repos-repos.html (zuletzt eingesehen am 27. März 2016).
  • 44. »J’avais complètement oublié que c’était le jour de mon anniversaire.« Ben Mhenni: Tunisian girl (Anm. 35), S. 10.
  • 45. »Je ne vivais plus désormais que pour Sidi Bouzid […] Je m’oubliais.« Ebd., S. 12. Sidi Bouzid ist der Ort, an dem sich Mohamed Bouazizi selbst entzündet hat. Der Ortsname wird häufig synonym zu den Revolutionsbestrebungen, die der Tod Bouazizis zur Folge hatte, verwendet.
  • 46. »Heureusement que les voisines étaient là pour s’occuper de notre santé, de notre beauté.« Ebd.
  • 47. »Je n’ai surtout pas envie de parler ni de révolution ni de politique […] Là je suis chez moi, j’essaye de retrouver Lina […].« Lina Ben Mhenni: Les délires d’une blogueuse dégoûtée (2), 20. Dezember 2011. www.atunisiangirl.blogspot.de/2011/12/les-delires-dune-blogueuse-degoutee-2.html (zuletzt eingesehen am 29. März 2016).
  • 48. Die intendierte Aufhebung der Trennung von öffentlicher und privater Sphäre wird häufig in politischen Blogs genutzt, um sich nach Außen glaubwürdig und authentisch zu präsentieren. Vgl. hierzu Eija Suomela-Salmi: »La Construction De Soi Ou L’éthos Discursif Dans Les Blogs Des Politiciens Français«. In: Juhani Härmä u.a. (Hg.): Du côté des langues romanes. Mélanges en l’honneur de Juhani Härmä. Helsinki 2009, S. 265–281, hier S. 268.
  • 49. »Frères et sœurs, avant de clore ce vaste sujet, je tiens à préciser que nous ne sommes pas aveuglés par la haine des citoyens de l’Occident.« Ben Gharbia: Borj Erroumi (Anm. 10), S. 117.
  • 50. »[…] affirmer l’individu et s’affirmer en tant que tel.« Ebd., S. 3.
  • 51. Zum tunesischen Kulturbetrieb vgl. ebd., S. 179–181 und zu 9/11 ebd., S. 289–291.
  • 52. »Sami Ben Gharbia, un cyberactiviste bien connu, m’a proposé de le [le premier texte de Ben Mhenni contre la censure; C.M.] publier…« (»Sami Ben Gharbia, ein bekannter Cyberaktivist, hat mir vorgeschlagen, ihn [Ben Mhennis ersten Text gegen die Zensur; C.M.] zu veröffentlichen…«) Ben Mhenni: Tunisian girl (Anm. 35), S. 4.
  • 53. »L’Humanité vient de perdre un Grand Monsieur. […] J’entêtais à vouloir te convaincre que j’étais plus efficace en étant un électron libre, libre comme l’air. […]. ›Indigne‹ nous a réunis, ›Indignez-vous‹ tu as dit et ›Blogueuse pour un Printemps Arabe‹ j’ai écrit.« Lina Ben Mhenni: RIP Stéphane Hessel, 27. Februar 2013. www.atunisiangirl.blogspot.de/2013/02/rip-stephane-hessel.html (zuletzt eingesehen am 29. März 2016).
  • 54. 2009 finden sich auf die insgesamt 68 Einträge 79 Kommentare, wohingegen kein Eintrag im Jahr 2016 kommentiert wurde.
  • 55. Lina Ben Mhenni: Facebookseite von A Tunisian Girl, 5. April 2016. www.facebook.com/atunisiangirl?fref=nf (zuletzt eingesehen am 5. April 2016).
  • 56. Ben Mhenni rief über ihre Facebook-Seite zu einer Bücherspende für tunesische Gefängnisse auf, was auf der eigens dafür eingerichteten Facebook-Seite »Collecte de livres pour les bibliotéques des prisons tunisiennes« nachvollzogen werden kann, vgl. https://www.facebook.com/Collecte-de-livres-pour-les-biblioth%C3%A8ques-des-prisons-tunisiennes-2394... (zuletzt eingesehen am 5. April 2016).
  • 57. »Empört euch also! Empören wir uns! Und lasst uns beginnen, unsere Zukunft von jetzt an zu erschaffen. Sofort und jeder nach seine Kräften!« Lina Ben Mhenni: Tedx-lecce Le futur, 27. Oktober 2014. www.atunisiangirl.blogspot.de/2014/10/tedx-lecce-le-futur-traduction-francaise.html (zuletzt eingesehen am 22. März 2016).
  • 58. Im August 2016 weist Sami Ben Gharbias Facebook-Seite ca. 3.400 AbonnentInnen auf, vgl. https://www.facebook.com/samibengharbia/about. Sein Blog verfügt über keine Besucherstatistik, jedoch hat er dort über 25.000 Twitter-AbonnentInnen, vgl. https://twitter.com/ifikra?lang. Lina Ben Mhenni verzeichnet fast 100.00 Facebook-AbonnentInnen, vgl. https://www.facebook.com/atunisiangirl/ und 600.000 Besucher ihres Blogs http://atunisiangirl.blogspot.de/ (alle zuletzt eingesehen am 31. August 2016).
  • 59. Lecomte nennt die Relevanz des Publikums für den Aktivisten und schreibt, dass teilweise gewisse Strategien angewendet werden, um die höchstmögliche Aufmerksamkeit auf seinen Blog zu ziehen, vgl. Lecomte: »L’anonymat comme ›art de résistance‹« (Anm. 7), S. 61–63.
  • 60. Meiner Meinung nach bietet sich eine ausführliche Analyse Ben Mhennis auf ihre posture im Sinne Jerôme Meizoz an, vgl. hierzu Jerôme Meizoz: »Die posture und das literarische Feld. Rousseau, Celine, Ajar, Houellebecq«. In: Markus Joch u. Norbert Christian Wolf (Hg.): Text und Feld. Bourdieu in der literaturwissenschaftlichen Praxis. Tübingen 2005, S. 177–189.
  • 61. Dies wird vor allem bei Ben Mhenni deutlich: In ihrem Blog gibt es Links zu ihren beiden Facebook-Seiten und zu Indigène, wo sie ihr Buch publiziert hat und ihre Facebook-Seite mit dem Titel A Tunisian Girl verweist vice versa auf ihren Blog, vgl. https://www.facebook.com/atunisiangirl/?fref=ts (zuletzt eingesehen am 5. September 2016).
  • 62. Vgl. Lecomte »Les usages ›citoyens‹ d’internet« (Anm. 7), S. 68.
  • 63. Vgl. Escolin-Contensou, Isabelle: »Le blog, nouvel espace littéraire entre tradition et reterritorialisation«. In: Christèle Couleau-Maixent u. Pascale Hellégouarc’h (Hg.): Les blogs. Écritures d’un nouveau genre? Paris 2010, S. 13–22, hier S. 22.